Am Sonntag reist Papst Franziskus nach Süditalien – in die Filmstadt Matera. Für viele gilt Matera als das Jerusalem von Hollywood. Oder als «Oberammergau des Bibelfilms». Von Pasolini bis James Bond sind hier viele Filme entstanden.
Silvan Maximilian Hohl
Matera gilt als eine der ältesten Städte der Welt. Bereits vor 12’000 Jahren wurde die Gegend besiedelt. Im 13. Jahrhundert war die Stadt in ihrer Blütezeit.
Jahrhunderte später wurde sie dann zum sozialen Brennpunkt. Das 1945 erschienene Buch «Christus kam nur bis Eboli» von Carlo Levi erzählt von den katastrophalen Lebensbedingungen in Matera. Viele Menschen hausten in den mittlerweile ikonischen Höhlen am Stadtrand. Sie waren krank und lebten auf engstem Raum mit ihren Tieren zusammen.
Die Kindersterblichkeit lag bei 50 Prozent. In den 1950er-Jahren wurden die Menschen in Sozialwohnungen umgesiedelt. 1993 beschloss die UNESCO: Die Höhlen zählen zum Weltkulturerbe.
Die Stadt eignet sich wegen ihrer urtümlichen Architektur hervorragend für Bibelepen und Jesusfilme. Dank der kargen Landschaft und der vielen Höhlen wird die Stadt immer wieder Schauplatz für Filmcrews. Folgende Filme prägten die Stadt und machten sie einem internationalen Publikum bekannt.
Nur überliefere Zitate aus dem Evangelium nach Matthäus verwendete Pasolini für seinen Jesusfilm aus dem Jahre 1964. Der in Schwarz-Weiss gedrehte Streifen wurde mit Laiendarstellerinnen und Laiendarstellern inszeniert und sorgte für Furore am internationalen Filmfestival von Venedig. Pasolini widmete den Film Papst Johannes XXIII. Mit diesem Werk überraschte der Filmemacher so manche Kritiker. Denn der Regisseur war schwul und bekennender Atheist. Er sagte dazu: «Um das Evangelium erzählen zu können, musste ich mich in die Seele eines Gläubigen versenken.»
Er gilt als einer der erfolgreichsten religiösen Filme aller Zeiten und als einer der umstrittensten. Die Gewaltdarstellungen von «Die Passion Christi» zeichnen einen brutalen Realismus. Mel Gibson legte Wert auf eine möglichst historisch-akkurate Umsetzung. So wird im Film ausschliesslich lateinisch, aramäisch und hebräisch gesprochen – und entsprechend untertitelt. Die blutrünstige Kreuzigungsszene wurde vor der prächtigen Kulisse Materas gedreht und kurbelte den Ort als Tourismus-Magnet an.
Die wohl bekannteste Ben-Hur Verfilmung stammt aus dem Jahr 1959 mit Charlton Heston in der Hauptrolle. Doch das ist nicht der einzige Film. 2016 verfilmte Timur Bekmambetow die Geschichte neu. Der mit 100 Millionen ausgestattete Blockbuster konnte trotz tausender Statistinnen und Statisten und der grossartigen Filmkulisse Materas weder die Kritik noch das Publikum überzeugen.
Im November und Dezember 2016 verfilmte der australische Filmregisseur Garth Davis in und um Matera die Geschichte von Maria Magdalena. Die Hauptrolle übernahm Rooney Mara und Jesus wurde von Joaquin Phoenix verkörpert. Auffällig ist die spartanische Ausstattung und die Reduzierung ästhetischer Reize. So versucht Davis, das Leben von Maria Magdalena ohne Pathos und zusätzlicher Dichtung zu erzählen.
Der Schweizer Theaterregisseur und Filmemacher verwebt in seinem Film Dokumentation und Fiktion. Einerseits erzählt er fragmentarisch die Geschichte Jesu. Anderseits dokumentiert er das Schicksal Geflüchteter in der Stadt Matera. Der Film zeigt einen politischen und sozialen Brennpunkt.
Der schwarze Aktivist Yvan Sagnet spielt Jesus, der Luzerner Ehrendoktor Mussie Zerai einen Jünger. «Das neue Evangelium» ist vermutlich der einzige Bibelfilm, der die aktuelle Geschichte um Matera aufgreift und ein umfassendes Bild von der Region und der Ausbeutung Geflüchteter zeichnet.
Das Intro des neuen James Bond hat es in sich. Ausgerechnet im süditalienischen Matera startet Bond ins neue Abenteuer von 007. Der Drehort von bekannten Jesusfilmen ist Ausgangspunkt für die Passion des Helden.
Während Milo Rau in Matera ein politisches Passionsspiel inszeniert, das die Öffentlichkeit sucht, bietet Cary Fukunaga (Regie) einen James Bond, der sich in Matera ins Private zurückzieht. Aber diese Form der Frühpensionierung will einfach nicht gelingen. Man kann den neuen James Bond als ein Passionsspiel eines Frühpensionierten im Mainstream-Kino lesen.
James Bond besucht in Matera das Grab seiner geliebten Vesper, die auf tragische Weise in Venedig starb. Dieser Besuch auf dem Friedhof bedeutet für Bond höchste Lebensgefahr.
Und Papst Franziskus? Er gilt zwar als Pasolini-Verehrer, reist aber nicht wegen des Jerusalems von Hollywood nach Matera. Sondern wegen des nationalen Eucharistischen Kongresses, der am Sonntag mit einer Papst-Messe zu Ende geht.
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