Dolores Waser Balmer: Ich habe nichts Spanisches und heisse trotzdem Dolores

Heute ist das Fest Mariä Schmerzen. Es erinnert an die Qualen, die Maria als Mutter Jesu erlitt. «Dolores» heisst Schmerzen auf Spanisch – und ist der Vorname von Dolores Waser Balmer (55). Sie arbeitet für die Caritas St. Gallen-Appenzell.

Raphael Rauch

Warum haben Sie Ihre Eltern Dolores genannt?

Dolores Waser*: Mein Vater lernte als junger Mann eine Dolores kennen und fand den Namen sehr schön. Er hat sich vorgenommen, dass seine erste Tochter – sofern es diese einmal geben sollte – Dolores heissen wird. Er lernte dann meine Mutter kennen, die eine Schwester namens Dolores hat. Von daher war die Namensgebung wenig konfliktbehaftet. Meine Nonna verehrte die Jungfrau Maria sehr und wünschte sich eine Maria Dolores – meine Tante heisst offiziell Maria Dolores.

Gefällt Ihnen Ihr Name – und warum?

Waser: Ja, sehr! Ich heisse gerne Dolores, weil ich Maria eine spannende und interessante Frau finde. Mit dem Buch Mirjam von Luise Rinser habe ich eine enge Beziehung zu dieser Maria gefunden. Eine Marienfrömmigkeit hingegen lebe ich nicht.

Haben Sie einen Spitznamen?

Waser: Seit ich erwachsen bin nicht mehr. Als Kind wurde ich «Doli» oder «Döli» genannt. Ganz vereinzelt wird der Spitzname noch verwendet. Etwa von engen Freudinnen und Freunden, was auch Okay ist.

Wie hätten Sie geheissen, wenn Sie ein Junge geworden wären?

Waser: Ich glaube Adrian.

«Dolores» heisst «Schmerzen». Ist das ein charmanter Name?

Waser: Als Kind fand ist das teilweise etwas schwierig. Als Erwachsene gefällt mir der Klang und die Irritation, die ich manchmal damit auslöse. Denn ich habe absolut nichts Spanisches an mir (lacht). Aber mir gefällt die südländische Art. Und ich liebe Sonne und Wärme.

«Ich engagiere mich für die Aufarbeitung der Missbrauchsgeschichte.»

«Nomen est omen» – was bedeutet das mit Blick auf Ihren Namen?

Waser: Ich verbinde meinen Namen nie mit dem Begriff der Schmerzen und wenn, dann eher spasseshalber: dass ich die «Schmerzgepeinigte» bin und entsprechend Zuwendung brauche. Ich wurde bis anhin verschont von Schmerzen und bin sehr dankbar dafür. Doch jetzt, wo ich über Ihre Frage nachdenke, fallen mir schon ein paar Parallelen ein.

Welche?

Waser: Ich bin gelernte Kinderkrankenschwester. Ich habe lange im Kinderschutzzentrum gearbeitet engagiere mich sehr für die Aufarbeitung der Missbrauchsgeschichte in der katholischen Kirche. Ich durfte Betroffene begleiten, denen Kirchenmenschen grosse und anhaltende Schmerzen zugefügt haben. Und mich beschäftigen Menschen, die in die Armut gerutscht oder von Kriegen betroffen sind, beruflich wie ehrenamtlich. Vielleicht ist mein Name doch auch ein Auftrag.

«Mit den sieben Schmerzen kann ich weniger etwas anfangen.»

Was verbinden Sie mit der Schmerzensmutter?

Waser: Maria ist für mich eine starke, gläubige und geerdete Frau, die einen schwierigen Weg gegangen ist. Sie war überzeugt, dass das ihr Auftrag war. Mit den sieben Schmerzen kann ich weniger etwas anfangen.

Feiern Sie Namenstag?

Waser: Nein, der wurde in meiner Familie nicht gefeiert. Doch irgendwann wusste ich, dass es der 15. September ist. Da unser jüngster Sohn an diesem Tag geboren wurde, feiern wir ihn seit vielen Jahren.

* Dolores Waser Balmer (55) leitet die Fachstelle Diakonieanimation der Caritas St. Gallen-Appenzell. 


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https://www.kath.ch/newsd/dolores-waser-balmer-ich-habe-nichts-spanisches-und-heisse-trotzdem-dolores/