Kardinal Jiménez ist über die Heilige Maria Bernarda mit dem Bistum Basel verbunden

Sibylle Hardegger (54) kennt den neuen Kardinal von Cartagena persönlich: Jorge Enrique Jiménez Carvajal. Er war Erzbischof von Cartagena – also dem Bistum, in das die Aargauerin Maria Bernarda ausgewandert ist. Später wurde sie heiliggesprochen. Warum Sibylle Hardegger von Kardinal Jiménez beeindruckt ist.

Raphael Rauch

Was ist Kardinal Jiménez für ein Mensch?

Sibylle Hardegger*: Er ist ein ganz bodenständiger, herzlicher und emotionaler Mensch. Ich habe in Cartagena ein dreimonatiges Sabbatical verbracht. Immer wieder hat er mich eingeladen, in sein Büro zu kommen. Ich konnte nicht gut Spanisch, er kein Deutsch – und trotzdem haben wir uns wunderbar verstanden. 

Fällt Ihnen ein Beispiel ein?

Hardegger: Ein Theologe aus dem Bistum Basel hat mich in Kolumbien besucht und war überrascht, als plötzlich mitten in der Altstadt jemand «Hola, Sibylle!» rief. Es war der Erzbischof persönlich, der mich in den Arm nahm und wissen wollte, wie es mir geht. Er ist ein Mann ohne Allüren. Wer einen Termin bei ihm will, wird nicht lange vertröstet. 

Was wünschen Sie Kardinal Jiménez für sein neues Amt als Kardinal?

Hardegger: Kardinal Jiménez ist ein Mensch mit viel Lebenserfahrung. Er hat den schwierigen politischen Prozess in Kolumbien geduldig verfolgt und wurde von den Farc-Rebellen gefangen genommen. Er ist eine Stimme für die Armen und für die Marginalisierten. Ich wünsche ihm, dass er diese Stimme nun auch in der Weltkirche stärker einbringen kann.

Am 11. September organisieren Sie einen Gottesdienst mit Livestream zum Thema «Friedensmission». Auch der Frieden in Kolumbien ist fragil. Welche Friedensbotschaft geht von Kardinal Jiménez aus?

Hardegger: Nicht der Hass hat das letzte Wort, sondern die Liebe. Das gilt für den Konflikt in Kolumbien, aber auch für die vielen anderen Kriege auf der Welt. Unser Gottesdienst ist am 11. September. Das Datum ist ein Symbol für Terrorismus und Leid geworden. Doch wir glauben nicht an den Kampf der Kulturen, sondern an die friedensstiftende Kraft von Religionen. Egal ob in Kolumbien, in der Ukraine, im Kongo oder im Jemen: Hier sind Friedensmissionen gefragt. Darauf machen wir in unserem Gottesdienst aufmerksam. Und ja, ich werde dann auch an Kardinal Jiménez denken.

Sie haben Kardinal Jiménez während der Heiligsprechung von Maria Bernarda kennengelernt. Wissen die Kolumbianerinnen und Kolumbianer, dass ihre Heilige aus der Schweiz kommt?

Hardegger: Oh ja! Sie wollten alles über Maria Bernardas Kindheit und Jugend in der Schweiz wissen. Die Menschen kennen ihre Geschichte – aber vor allem ihren Auftrag für die Gegenwart. Konkret heisst das: radikale Diakonie und Nächstenliebe. Maria Bernarda hat Spitäler gegründet, sich für die Armen eingesetzt und Menschlichkeit und Hoffnung in die Favelas gebracht. Sie konnte in Kolumbien viel intensiver wirken als in der reichen Schweiz.

War Kardinal Jiménez schon mal im Bistum Basel – auf den Spuren der Heiligen Bernarda?

Hardegger: Nein. Ich rechne ihm hoch an, dass er hier seinem Vorgänger den Vortritt gelassen hat. Denn sein Vorgänger hatte den Heiligsprechungsprozess vorangetrieben. Deswegen wollte Bischof Jiménez ihm nicht die Schau stehlen.

Das spricht für seine Bescheidenheit und Grosszügigkeit. Die Ordensschwestern hingegen waren ganz wild darauf, Europa kennen zu lernen. Natürlich konnten nicht alle zur Heiligsprechung nach Rom und dann in die Schweiz kommen. Also hat das Los entschieden. Eine grosse Delegation kam in die Schweiz – darunter auch viele Bischöfe.

«Kurt Koch ist nicht gerne verreist.»

Zu den Feierlichkeiten nach Kolumbien hat der damalige Bischof Kurt Koch Sie geschickt. Warum wollte er nicht selbst reisen?

Hardegger: Auch wenn Kurt Koch jetzt als Ökumene-Minister viel unterwegs ist: Er ist nicht gerne verreist. Ich war im Jahr der Heiligsprechung von Maria Bernarda eine Art Event-Managerin und habe die ganzen Feierlichkeiten in unserem Bistum betreut und den Kontakt zur Pfarrei Auw und dem Orden der Heiligen Maria Bernarda gepflegt.

Es war viel Arbeit, bis die Nachfeier der Heiligsprechung in Auw über die Bühne gehen konnte. Ich habe die Entsendung nach Kolumbien auch als Wertschätzung meiner Arbeit empfunden. Ich denke, Bischof Kurt Koch hat sich durch mich gut vertreten gefühlt. Ich habe den Menschen in Cartagena eine Kerze mit dem Wappen des Bistums Basel überbracht, durfte bei der Feier eine Rede halten und die Grüsse des Bistums Basel überbringen. 

Gibt es eine Art Bistumspartnerschaft zwischen Basel und Cartagena?

Hardegger: Nein, auch wenn ich das sehr schön fände und wenn man das einfach aufgleisen könnte. Als ich von der Heiligsprechung zurückgekommen bin, habe ich angeregt, die «Clinica Madre Bernarda» zu unterstützen. Das ist ein Spital, das von den Schwestern getragen wird. Bischof Kurt Koch und Generalvikar Roland Trauffer fanden die Idee gut. Die Kollekte der Chrisammesse ging einige Male nach Kolumbien. Später wurde diese Klinik ein Projekt der Bistumsregion St. Urs. Viele Pfarreien haben gespendet. Der Bischofsvikar hat als Kollekte für die Firmungen ebenfalls die Klinik in Kolumbien vorgeschlagen. Wir konnten mehrmals namhafte Beiträge an die Klink überweisen.

Was ist daraus geworden?

Hardegger: Als ich aus der Bistumsleitung ausgeschieden bin, hat jemand aus dem Team die Koordination für dieses Projekt übernommen. Doch dann ist die Zusammenarbeit eingeschlafen. Wahrscheinlich haben die persönlichen Kontakte gefehlt. Vielleicht tut sich ja was mit Blick auf Maria Bernardas 100. Todestag am 19. Mai 2024.

«Die renovierte Kirche St. Franz Xaver in Münchenstein hat eine Maria-Bernarda-Reliquie.»

Stört es Sie, dass die Heilige Bernarda im Bistum Basel im Vergleich zu den Bistumspatronen ein Schattendasein fristet?

Hardegger: Das kann sich ja noch ändern (lacht). Verena, Urs und Viktor sind viel älter als die Heilige Bernarda – ist doch klar, dass die bekannter sind. 2019 haben wir die renovierte Kirche St. Franz Xaver in Münchenstein eingeweiht. Natürlich mit einer Reliquie des Heiligen Franz Xaver. Ich habe vorgeschlagen, auch noch die Reliquie einer Heiligen in den Altar zu mauern – und zwar der Heiligen Maria Bernarda. So kam’s dann auch.

Wie kamen Sie an die Reliquie?

Hardegger: Vom Mutterhaus in Österreich. Es ist gar nicht so schwierig, an Reliquien ranzukommen. Dafür ist im Bistum Basel der Kanzler zuständig. Früher war ich oft als Reliquien-Kurier unterwegs und habe Reliquien der Heiligen Bernarda nach Europa gebracht. Die Flüge gingen immer über die USA – und die Reliquien warfen beim US-Zoll Fragen auf. Wobei es auch berührende Reaktionen gab: Eine Zöllnerin sagte mir, sie sei katholisch – und hat sich vor der Reliquie ehrfurchtsvoll bekreuzigt.

* Sibylle Hardegger (54) ist Radio- und Fernsehbeauftragte des Katholischen Medienzentrums. Von 2002 bis 2010 war sie in der Basler Bistumsleitung und hat die Veranstaltungen rund um die Heiligsprechung im Jahr 2008 mitorganisiert. 


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