Feier zum Schulbeginn: Clown Fidibus zaubert den Kindern Mut zu

Der Clown Fidibus, ein Brunch im Altarraum und Gottes Segen: Das waren die Zutaten in der Feier zum Schulbeginn in der Luzerner Johanneskirche.

Vera Rüttimann

Markus Hildbrand sagt gleich zu Beginn der Feier am Sonntag: «Wenn ich so in die Runde schaue, dann sehe ich, dass ihr alle erholt aus den Sommerferien zurückgekehrt seid.» Jetzt aber, so der Religionslehrer, müsse man von der Ferienzeit Abschied nehmen. Morgen fange der Schulalltag an. Er habe für alle aber noch eine gute Nachricht. «Der Zauberclown Fidibus ist wieder bei uns hier. Er schenkt allen Freude und Mut zum Start ins neue Schuljahr.»

Egal, was dir passiert, Gott lässt dich nie allein.»

Irene Gasser-Kehl, Religionslehrerin

Irene Gasser-Kehl, Religionslehrerin, tritt ans Mikro und erzählt den Kindern die Geschichte vom brennenden Dornbusch: Eines Tages sieht Moses in der Wüste etwas Seltsames. Einen Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt. Neugierig tritt er näher. Eine Stimme warnt ihn: «Der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.» Moses muss seine Schuhe ausziehen. Dann erhält Mose den Auftrag, im Namen seines Gottes die Israeliten aus Ägypten heraus in die Freiheit zu führen.

Irene Gasser-Kehl fordert Clown Fidibus auf, sich in die Rolle von Moses einzufühlen. Auch er zeigt sich nicht begeistert, ein Volk durch die Wüste führen zu müssen. Auch wenn ihm Gott immer wieder versichert: «Ich werde mit Dir sein.» Auf der Bühne, das immerhin, zieht Clown Fidibus seine grossen roten Schuhe aus. Irene Gasser-Kehl sagt: «Die Botschaft dieser Geschichte ist: Egal, was dir passiert, Gott lässt dich nie allein.»

Seit zwölf Jahren Tradition

Auf die Zaubereien, Jonglagen und das Klavierspiel von Clown Fidibus folgt ein grosser Brunch. Vorne am Altar sind viele Schalen mit Brot, Butter und Konfitüre aufgetischt. Den Brunch nehmen die Teilnehmenden draussen an den Tischen vor der Kirche ein. Unter den Brunchern ist auch Markus Hildbrand. Er hat die Feier zum Schulbeginn vor zwölf Jahren zusammen mit dem damaligen Gemeindeleiter Alois Metz aufgegleist. «Ziel dieser Feier ist es, für Kinder und ihre Eltern zum Schulbeginn etwas Niederschwelliges anzubieten, was dennoch eine gewisse Tiefe hat», sagt er. Das Vorbereitungsteam wolle den Leuten auch Gelegenheit geben, nach den Sommerferien zusammenzusitzen und sich auszutauschen. Auch heute, freut sich Markus Hildbrand, sitzen wieder über hundert Leute auf den Bänken.

«Es braucht manchmal Mut»

Drinnen in der Kirche geht’s jetzt weiter. Franzisca Grönefeld, Religionslehrerin in Luzern, tritt ans Mikro. Auch sie geht auf das Thema Mut ein. «Es braucht manchmal Mut und Vertrauen, sich an einen neuen Ort zu begeben und sich auf ihn einzulassen», sagt sie. Da helfe es, wenn man liebe Menschen um sich herumhabe, die einen dahin begleiten. Noch einmal geht es um den brennenden Dornbusch in der Wüste, durch den Gott spricht. «Gott wird auch dich begleiten», sagt sie. Nach diesen Worten tritt erneut Clown Fidibus in Erscheinung. Er fragt einzelne Kinder, ob sie mutig seien und verwickelt sie in zauberhafte Spielereien. Alle stehen jetzt um den Flügel, an dem der Clown ein Lied spielt.

Halt, Sicherheit, Verlässlichkeit

Nach der Feier ist Markus Hildbrand angetan von der guten Stimmung, die Martin Soom als Clown verbreitet hat. Er sagt über ihn: «Er hat ein grosses Feingefühl. Ich habe wie bei vielen Clowns das Gefühl, dass sie auch unglaublich gute Theologen und Seelsorger sind. Die haben wirklich das Gespür für Menschen.» Die Kinder, so seine Beobachtung, freuten sich auf den Schulbeginn. Vor allem die in den unteren Klassen. «Die gehen mit einer grossen Neugier und Freude in die Schule.» Deshalb seien Rituale wie die Schuleröffnungsfeier wichtig. «Das gibt ihnen Halt, Sicherheit und Verlässlichkeit», weiss Markus Hildbrand. Eine schöne Geste: Bevor die Kinder mit ihren Eltern die Kirche verlassen, gibt es den Segen für das neue Schuljahr.

Traumdoktor im Kinderspital

Martin Soom sitzt derweil auf einem Hocker in einem Raum neben der Sakristei. Der ausgebildete Zauberkünstler wischt sich den Schweiss von der Stirn. Kein Auftritt gleiche dem anderen, sagt der Luzerner, der ein vielbeschäftigter Mann ist: Martin Soom arbeitet als Spitalclown im Kinderspital in Luzern. Als Traumdoktor begleitet er dort auch Kinder vor und nach Operationen. Zudem arbeitet er noch in einem Teilpensum an der heilpädagogischen Schule. Seit über zehn Jahren dürfe er hier in der Pfarrei St. Johannes die Schuleröffnungsfeier als Clown mitgestalten. «Ich fühle mich gut aufgehoben in einem tollen Team hier», sagt Soom.

«Gerade jetzt ist Lachen wichtig!»

Markus Soom, Clown

Kann man noch lachen in einer Zeit, wo in Europa wieder Krieg herrscht? Martin Soom denkt nur kurz nach und sagt: «Es ist enorm wichtig, dass wir gerade jetzt das Lachen nicht verlieren!» Was er mache, sei nicht Schenkelklopfer-Humor, sondern eine eher feine Art von Zauberei. «Ich arbeite nicht mit vorfabrizierten Witzen. Ich versuche auf die Leute, die mir begegnen, einzugehen. Ich versuche, mit der Situation, die entsteht, etwas zu machen.» Wenn er beispielsweise im Spital Kinder auf Operationen vorbereite, sei es ihm sehr wichtig, dass er nicht einfach Show mache, sondern spüre, was ein Kind in diesem Moment gerade brauche und wie man ihm Mut geben könne.

Clown sein, das sei für ihn vor allem in Beziehung-treten mit einem Menschen. Das Weltgeschehen, sagt Martin Soom weiter, könne er nicht direkt beeinflussen. Aber in seinem eigenen Umfeld könne er Einfluss nehmen. Er ist sich sicher: «Wenn man Positives bewegen kann, dann hat man schon viel gewonnen.»


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