«Stiftung Russkij Mir» auf EU-Sanktionsliste – Hilarion sass im Kuratorium

«Wie er (Putin) am Rande des Sankt Petersburger Wirtschaftsforums im Juni erklärte, sieht Putin nämlich seine politische Mission, ähnlich wie einst Peter der Grosse, in der «Heimholung» verlorener russischer Gebiete.

Es ist deshalb nur folgerichtig, dass die EU im Rahmen am 21. Juli die «Stiftung Russkij Mir» auf ihre Sanktionsliste gesetzt hat. Zur Begründung wurde angegeben, dass die Stiftung vom Kreml als wichtiges Instrument der politischen Einflussnahme benutzt werde, dass sie die militärische Aggression Russlands gegen die Ukraine rechtfertige und die Legitimität der Ukraine als souveräne Nation ablehne. 

Der Stiftungsvorsitzende, der Dumaabgeordnete Wjatscheslaw Nikonow, bezeichnete unlängst, ähnlich wie Kirill, den Krieg in der Ukraine als «Kampf zwischen Gut und Böse». Russland müsse diesen «Heiligen Krieg» unbedingt gewinnen. Im Kuratorium der Stiftung sass im Übrigen bis zu seinem plötzlichen Sturz als Vorsitzender des Kirchlichen Aussenamtes der ROK der Metropolit Hilarion Alfejew. 

Noch eine weitere «kulturelle» Organisation hat die EU in ihr jüngstes Sanktionspaket aufgenommen: den 1989 gegründeten russischen Motorradklub der «Nachtwölfe», der schon 2014 bei der Annexion der Krim das russische Militär aktiv unterstützt hat und dies auch jetzt wieder tut.

Der Klub fordert eine «Entnazifizierung» und «Ent-Ukrainisierung» der Ukraine, die er als integralen Bestandteil Russlands bezeichnet. Sein Vorsitzender und Gründer, Alexander Saldostanow, ist ein Freund Putins und hat von diesem 2014 die «Medaille für die Rückholung der Krim» erhalten.

Überraschender als diese Männerfreundschaft zwischen Putin und Saldostanow ist die Tatsache, dass auch Patriarch Kirill die ultranationalistischen Nachtwölfe regelmässig empfängt. Zuletzt war dies am 1. Juni vor der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau der Fall, wo die Nachtwölfe zusammen mit Bikern aus der Republika Srpska (Bosnien-Hercegovina) dem Patriarchen eine Ikone überreichten.

Kirill bedankte sich dafür sowie für «die Unterstützung unserer slawischen Brüder und all jener, welche die historische Bedeutung Russlands im Kampf für die wahre Freiheit der Völker und Staaten verstehen». Russische Panzer und Raketen zur «Befreiung» der Ukraine und ihres Volkes? Die Liebe des Patriarchen zur «Russischen Welt» kennt offenbar keine Grenzen.»

Reinhard Flogaus lehrt Kirchengeschichte mit dem Schwerpunkt Ostkirchenkunde an der Humboldt-Universität zu Berlin. In einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (3. August) kommentiert er die Propaganda des Moskauer Patriarchen Kyrill.

Metropolit Hilarion Alfejew war bis vor kurzem Aussenminister der russischen-orthodoxen Kirche und Titularprofessor der Universität Freiburg i.Ü. (rr)


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