«Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, liebe Seelsorgerinnen und Seelsorger,
liebe Mitarbeitende, liebe Mitglieder in den synodalen Gremien,
liebe Damen und Herren in den ehrenamtlichen Aufgaben unseres Bistums,
der Suizid von Regens und Bischofsvikar Dr. Christof May lässt viele verstört, traurig und fassungslos zurück. Ich frage mich: Wie geht es Ihnen? Jeder und jedem einzelnen von Ihnen.
Meine Gedanken und Gebete sind besonders bei der Familie von Christof May, und sie sind bei allen, die auf je eigene Weise betroffen sind.
Über die Vorwürfe der Übergriffigkeit, die an mich herangetragen wurden, habe ich mit Christof May gesprochen, und ich musste ihn vorläufig von allen Ämtern freistellen, um eine Klärung zu ermöglichen. Es wird nun keine endgültige Klarheit mehr geben können, weil er nicht mehr befragt werden kann. Das heisst für uns, dass viele Fragen offenbleiben. Nicht nur für mich ist das schwer auszuhalten, und es zeigt die Mächtigkeit des Suizids.
Jeder Suizid ist eine Tragödie. Besonders für gläubige Menschen ist dieser Akt der Verzweiflung und der menschlichen Autonomie, mit dem wir konfrontiert sind, kaum auszuhalten. Er trifft uns im Kern unseres Glaubens. Warum konnte die Perspektive des Weiterlebens und der Vergebung nicht greifen, warum konnten die Beziehungen nicht tragen?
Ich bitte Sie um Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung. Das Formulieren jeder Stellungnahme des Bistums oder von mir stellt uns vor kaum zu bewältigende Herausforderungen. Es ist Rücksicht geboten gegenüber dem Verstorbenen, seiner Familie, und es ist Respekt jenen gegenüber geboten, die sich bei uns gemeldet haben. Es fehlen nicht nur Worte. Bei jedem Text, den wir schreiben und lesen, haben wir uns selbst im Gepäck. Und das macht etwas mit den Buchstaben, Worten und Bildern.
Als Dienstgemeinschaft im Bistum Limburg sind wir in einer wirklich herausfordernden Situation. Das spüren wir vermutlich alle. Lassen Sie uns zusammenstehen und über das sprechen, was uns durch Kopf und Herz geht. Und lassen Sie uns im Gebet miteinander vor Gott bringen, was schwer auszuhalten ist.
In dieser so aussergewöhnlich beschwerten Situation bin ich Ihnen allen sehr verbunden.
Ihr
Dr. Georg Bätzing
Bischof von Limburg»
Der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, wendet sich in einem Brief an die Mitarbeitenden des Bistums Limburg. Thema des Briefes ist der Suizid des Regens von Limburg, Christof May. Nach Missbrauchsvorwürfen hatte sich dieser das Leben genommen. (rr)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/bischof-georg-baetzing-jeder-suizid-ist-eine-tragoedie/