Rückblick auf ein bewegtes Leben: Heute feiert in Sitten in aller Stille der emeritierte Bischof von Sitten, Norbert Brunner, seinen 80. Geburtstag.
Brunner stammt aus Naters, ist heimatberechtig in Eischoll, trat nach der Matura am Kollegium in Brig ins Priesterseminar in Sitten ein, studierte Theologe in Innsbruck und wurde 1968 in Naters zum Priester geweiht. Danach führte er seine Studien an der Universität Freiburg in Moraltheologie und Kirchenrecht fort, war Lehrer und Internats-Vizepräfekt am Kollegium Schwyz und kehrte 1972 ins Wallis zurück, wo ihn Bischof Nestor Adam zum bischöflichen Kanzler ernannte, was er bis 1987 blieb. Da Adams Nachfolger, Heinrich Schwery, die ganze bischöfliche Verwaltung umstrukturieren wollte, ernannte ihn dieser in jenem Jahr zum Pfarrer von Simplon-Dorf. Bereits ein Jahr später holte ihn Schwery wieder nach Sitten zurück und ernannte Brunner zum Finanzverwalter des Bistums und gleichzeitig zum Domherrn an der Kathedrale. 1991 wurde er Generalvikar des Bistums und damit der Stellvertreter des Walliser Oberhirten. Durch diese Tätigkeit in der Diözese verschaffte er sich einen umfassenden Überblick aller Aufgaben im Bistum.
Nach Schwerys gesundheitlich bedingter Demission ernannte Papst Johannes Paul II. 1995, nach umfassenden Umfragen innerhalb des Klerus und weiterer Persönlichkeiten im Bistum, Norbert Brunner zum Bischof von Sitten. 2013 gab Brunner seinen Rücktritt bekannt, den Papst Franziskus 2014 annahm. Seither lebt alt-Bischof Brunner im Domherrenhaus in Sitten, von wo er regelmässige Aushilfen in den Pfarreien im Unter- und Oberwallis übernimmt.
Konservativ oder progressiv
Wenn ein Priester zum Bischof ernannt wird, ist die erste Frage oft: Ist er konservativ oder progressiv? Das war auch bei Brunners Ernennung nicht anders. Er selber charakterisierte sich als «weder konservativ noch progressiv». Er unterstrich in einem WB-Interview, dass er, wenn es darum gehe, Gutes zu bewahren, eher als konservativ einzustufen sei, in der Praxis aber je nach Situation durchaus progressiv handeln und entscheiden könne. Schwerpunkte setzte Bischof Brunner mit einer vertieften Tätigkeit in der Familienseelsorge, in einer erneuerten, auch mit Laien bestrittenen Seelsorge und in der Katechese sowie der Regelung des Religionsunterrichtes mit dem Erziehungsdepartement. Kritisiert wurde bei Brunners Wahl damals, dass er keine seelsorgliche Erfahrung habe, sondern fast immer nur in der Verwaltung gearbeitet habe. Dem widersprach der neue Bischof auch nicht und gab zu, dass ihm «vielleicht etwas der seelsorgliche Reflex» fehle. «Anderseits halte ich fest, dass ich meine Aufgabe als Kanzler, Diözesanökonom und dann als Generalvikar immer als Dienst an der Seelsorge aufgefasst habe. Bei diesen Tätigkeiten lernt man aber durch Gespräche mit Priestern und Gläubigen, durch Pastoralbesuche auch die Sorgen und Nöte aller Pfarreien kennen und erhält eine gute Übersicht über die Probleme der ganzen Diözese», so Brunner in einem Interview anlässlich seiner Ernennung». Dass sich der neue Bischof nicht so leicht schubladisieren lässt, zeigte sich schon kurz nach seiner Weihe, als er sagte, dass der die Abschaffung des priesterlichen Zölibats und die Priesterweihe für verheiratete Männer (viri probati) aus «theologischen Gründen und von der Kirchenverfassung her für möglich» halte.
Demission
Für Papst Benedikt XVI. muss ein wahrer katholischer Bischof folgende Kriterien erfüllen: Mut, kein Treibenlassen, Standfestigkeit und Unerschrockenheit vor dem Diktat der Meinungen. «Ich denke, Mut ist eine der Hauptqualitäten, die ein Bischof und ein Kurienführer heute haben müssen. Dazu gehört, sich nicht vor dem Diktat der Meinungen zu beugen, sondern aus der inneren Erkenntnis heraus zu handeln, auch wenn sie Ärger bringt. Und es müssen natürlich Menschen sein, die intellektuelle, professionelle und menschliche Qualitäten haben, so dass sie auch führen und andere mit in eine familiäre Gemeinschaft einspannen können», so der Papst. Das hat Bischof Brunner während seiner Amtszeit stets ernst genommen.
Bei Brunners Demission als Bischof von Sitten haben verschiedene Kreise immer wieder auf die Ähnlichkeit des Wortlauts zwischen seinem Verzicht und dem von Papst Benedikt XVI. verkündeten Rücktritt ein paar Monate vorher, hingewiesen. In beiden Fällen war der Hauptgrund nicht Gesundheit oder Müdigkeit oder der Wunsch nach verdienter Ruhe, denn Bischof Brunner hat nach eigenen Worten sein Amt mit Freude ausgeübt, sondern die Überzeugung, dass der Aufbruch und die dringende geistige Erneuerung, die gerade in den Jubiläumsjahren des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) ihren Anfang nehmen sollen, einer neuen Kraft in der Leitung des Bistums anvertraut werden müssten,
Das Bistum dankt alt-Bischof Norbert Brunner für seine segensreiche Arbeit im Weinberg unseres Bistums. Wir alle gratulieren ihm zu seinem runden Geburtstag, begleiten ihn auch weiterhin mit unserem Gebet und wünschen ihm von ganzem Herzen Gottes Segen und die Erfahrung der göttlichen Nähe. Ad multos annos!
KID/Paul Martone
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