Matthias Zehnder beschäftigt sich als Publizist, Germanist und Philosoph mit der Digitalisierung und ihren Folgen. Carmela Bonomi will von ihm wissen, wie sozial die Sozialen Medien eigentlich sind.
Silvan Maximilian Hohl
«Soziale Medien sind in dem Sinn sozial, als sie allen Menschen ermöglichen, etwas zu veröffentlichen und so alle gleich behandeln», sagt Matthias Zehnder. Er weist aber darauf hin: «Das Ziel der Sozialen Medien ist ein anderes: Es sind kommerzielle Firmen, die mit Werbung einen Umsatz machen wollen.» Sie versuchten die User lange online zu halten, um ihnen möglichst viel Werbung anzuzeigen. Das passiere, wenn sie für sie interessante Sachen entdecken, die ihnen mithilfe eines Algorithmus angezeigt werden.
Die Sozialen Medien bergen aber auch Gefahren. «Die allergrösste Gefahr für junge Menschen ist, dass sie zu viel von sich preisgeben», sagt Zehnder. Besonders Jugendliche seien sich oft nicht bewusst, dass ihre Posts nicht nur von ihren Freunden gesehen würden. Der Experte gibt ihnen eine Faustregel mit: «Sage online nichts, was du nicht auch bereit bist, jemanden ins Gesicht zusagen.»
Auch das Risiko einer Falschmeldung sei wegen den Sozialen Medien gestiegen, sagt Zehnder. Denn indem jeder und jede Informationen weiterverbreiten könne, gebe es keine Kontrolle über deren Wahrheitsgehalt mehr. Als Folge davon sei auch das Misstrauen gegenüber den klassischen Medien gestiegen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/frage-an-den-experten-wie-sozial-sind-die-sozialen-medien/