Bonnemain: Alle sollen zu ihren Gefühlen stehen können, auch wenn diese homosexuell sind

Bischof Joseph Bonnemain verteidigt in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» den Verhaltenskodex gegen Missbrauch, der vom Churer Priesterkreis kritisiert wird. Er kann sich zudem die Ernennung eines Weihbischofs für Zürich vorstellen.

Barbara Ludwig

Der Churer Bischof Joseph Bonnemain relativiert in dem Interview mit der «NZZ am Sonntag» die Kritik von Geistlichen des Churer Priesterkreises, die den neuen Verhaltenskodex des Bistums nicht unterzeichnen wollen. MIt dem verbindlichen Dokument will die Diözese Chur sexuellen und spirituellen Missbrauch sowie Machtmissbrauch verhindern.

Es seien wenige im Vergleich zum Ganzen und sie stünden zudem hinter 95 Prozent des Kodexes. «So gross sind die Differenzen also gar nicht», sagt der Bischof.

Kodex «im Einklang» mit katholischem Glauben

Aus Sicht der Kritiker verletzt der Kodex die Lehre und Disziplin der katholischen Kirche. Bonnemain sieht das anders. «Ich bin überzeugt, dass er im Einklang mit dem katholischen Glauben steht.» Er habe den Kodex unterzeichnet, «weil ich mich an ihn halten werde».

Besonders aufgestossen ist den Kritikern die Forderung im Kodex, wonach man einem Outing zur sexuellen Orientierung «unterstützend» zur Seite zu stehen habe. Es sei doch eine Last, wenn ein Mensch es nicht wage, darüber zu sprechen, was er empfindet, meint Bonnemain zu diesem Punkt.

Menschen befreien

Und fügt hinzu: «Ich kämpfe dafür, dass jede und jeder zu seinen Gefühlen stehen kann, auch wenn diese homosexuell sind.» Dies sei eine Befreiung und darin sollte die Kirche die Menschen unterstützen.

Dabei gehe es aber nicht um die Billigung bestimmter sexueller Praktiken. Die Kirche nehme jeden Menschen mit seiner sexuellen Orientierung an. Das Ausleben sei jedoch «etwas anderes», präzisiert Bonnemain. Zu seiner persönlichen Haltung zur Homosexualität sagt Bonnemain, er reduziere keinen Menschen auf bestimmte Eigenschaften. Er habe mehrere Freunde, die homosexuell seien.

«Es steht niemandem zu, andere über deren Intimleben auszufragen.»

Der Bischof betont, Gott liebe alle Menschen, wie sie seien, «aber er erwartet von uns, dass wir den Idealen, die er uns vorgelebt hat, Schritt für Schritt näher kommen». Sexualität sei ein Geschenk Gottes, etwas Herrliches, das in der Ehe von Mann und Frau «seine volle Erfüllung» findet.

Dass die Kirche das Intimleben von Seelsorgenden nicht anspricht, bezeichnet der Bischof als Prinzip einer guten Seelsorge. «Es steht niemandem zu, andere über deren Intimleben auszufragen.» Bonnemain erwartet gleichwohl von Priestern, dass sie sich an ihr Zölibatsversprechen halten. Aber: «Da brauche ich nicht mehr nachzufragen. Ich nehme die Aufrichtigkeit der Menschen ernst.»

Bistum Zürich «keine Lösung»

In dem Interview wurde auch die Forderung nach einem Bistum Zürich angesprochen, die in der Amtszeit von Vitus Huonder immer wieder auftauchte. Bonnemain hält es indes für «keine Lösung», in Zürich eine eigene Diözese zu errichten. Dies würde bloss Strukturen verdoppeln und Seelsorgende in Leitungsfunktionen binden, sagt er.

Er könne sich aber die Ernennung eines Weihbischofs für Zürich vorstellen. Zudem würde er es begrüssen, wenn eine Kirche in Zürich zur Konkathedrale erklärt würde. «Mein Wunsch wäre die Kirche St. Joseph.» Dies sagte der Bischof bereits im März 2021 gegenüber kath.ch.


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https://www.kath.ch/newsd/bonnemain-alle-sollen-zu-ihren-gefuehlen-stehen-koennen-auch-wenn-diese-homosexuell-sind/