Paul Martone: Kardinal Sodano und Kardinal Schwery rieben sich aneinander

Er war lange Zeit die Nummer zwei der Weltkirche: Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano. Der Walliser Kardinal Heinrich Schwery hatte zu ihm ein schwieriges Verhältnis.

Raphael Rauch

Der Bischof des Bistums Sitten, Heinrich Schwery, hatte als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz und dann vor allem auch als Kardinal immer wieder mit dem nun verstorbenen Kardinal Angelo Sodanio zu tun. 

Sodano nahm Schwery seinen Rücktritt übel

«Sodano konnte Schwery nicht ausstehen», sagt der Walliser Priester Paul Martone. «Sie hatten unterschiedliche Vorstellungen über kirchliche Leitung.»

Laut Martone hatte Kardinalstaatssekretär Sodano kein Verständnis dafür, dass Schwery im Alter von 63 Jahren Papst Johannes Paul II. um einen Rücktritt gebeten hatte – aus gesundheitlichen Gründen. 

Machtbewusster Sodano

Laut Kirchenrecht hätte Schwery den Rücktritt erst an seinem 75. Geburtstag anbieten sollen, also im Jahr 2007. Sodano war der Meinung, dass ein Kardinal nicht zu demissionieren habe. Denn für den machtbewussten Sodano, der lange Zeit dem altersschwachen und kranken Papst Johannes Paul II. diente, war das Bischofsamt eine Verpflichtung auf Lebenszeit – und kein Posten, den man einfach so abgeben sollte.

Doch auch inhaltlich gab es immer wieder Differenzen zwischen Sodano und Schwery, sagt Paul Martone. In Schwerys Amtszeit fielen die Auseinandersetzungen mit den schismatischen Piusbrüdern, die im Wallis das Priesterseminar Ecône errichteten. Es sei für Schwery nicht immer einfach gewesen, mit seiner Sicht über die tatsächlichen Bewegründe der Lefebvreaner in den Vatikan-Büros durchzudringen.

Schwery: Auch die Schweizer Regierung vorladen

Kardinal Schwery war auch ein stolzer Eidgenosse. Er hatte kein Verständnis dafür, dass Sodano die Kandidaten für das Amt des italienischen Premierministers zu sich beorderte und sie über ihre Ansichten befragte. 

Schwery hat, wie in Zeitungen nachzulesen ist, dies Sodano auch klar mitgeteilt: «Ich habe ihm sagt: Monsignore, Sie sind die Nummer zwei der Kirche. Können Sie sich vorstellen, auf diese Weise Minister aus Frankreich, Deutschland oder der Schweiz vorzuladen?» Ein Vorschlag, den sich Sodano nicht zu Herzen nahm.


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