«Ich bin Ihnen dankbar für die Zeit, die Sie mir in der Vergangenheit gegeben haben, um über diese Themen zu sprechen. Leider sind Sie meinen zahlreichen Bitten, erneut mit Ihnen zu sprechen, nicht nachgekommen, seit Sie sich nach der Verabschiedung des texanischen Senatsgesetzes Nr. 8 im September letzten Jahres verpflichtet haben, die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in der Rechtssache Roe v. Wade im Bundesrecht zu kodifizieren.
Deshalb habe ich Ihnen am 7. April 2022 in einem Brief meine Bedenken mitgeteilt und Sie davon in Kenntnis gesetzt, dass ich keine andere Wahl habe, als gemäss Kanon 915 zu erklären, dass Sie nicht zur Heiligen Kommunion zugelassen werden, wenn Sie nicht öffentlich Ihre Befürwortung von «Abtreibungsrechten» zurückweisen oder sich nicht öffentlich auf Ihren katholischen Glauben berufen und die Heilige Kommunion empfangen.
Da Sie Ihre Haltung zur Abtreibung nicht öffentlich zurückgewiesen haben und sich weiterhin auf Ihren katholischen Glauben berufen, um Ihre Haltung zu rechtfertigen und die Heilige Kommunion zu empfangen, ist dieser Zeitpunkt nun gekommen.
Angesichts meiner Verantwortung als Erzbischof von San Francisco, «für alle christlichen Gläubigen, die [meiner] Obhut anvertraut sind, besorgt zu sein» (Codex des kanonischen Rechts, can. 383, §1), teile ich Ihnen hiermit mit, dass Sie nicht zur Heiligen Kommunion vorstellig werden dürfen und, falls Sie es doch tun, nicht zur Heiligen Kommunion zugelassen werden, solange Sie nicht öffentlich Ihr Eintreten für die Rechtmässigkeit der Abtreibung zurückweisen und diese schwere Sünde im Sakrament der Busse bekennen und die Absolution empfangen.
Bitte wissen Sie, dass ich jederzeit bereit bin, unser Gespräch fortzusetzen, und dass ich weiterhin für Sie beten und fasten werde.
Ich bitte auch alle Gläubigen der Erzdiözese San Francisco, für alle unsere Abgeordneten zu beten, insbesondere für die katholischen Abgeordneten, die die Abtreibung befürworten, damit sie mit Hilfe und unter der Führung des Heiligen Geistes eine Bekehrung ihres Herzens in dieser schwerwiegenden Angelegenheit erfahren und das menschliche Leben in jedem Stadium und Zustand des Lebens geschützt und gefördert wird.»
In den USA tobt eine heftige Abtreibungs-Debatte. Das oberste Gericht, der Supreme Court, könnte das Grundsatzurteil «Roe v. Wade» von 1973 kippen. Dann könnten die einzelnen Bundesstaaten die Abtreibungsfrage selbst regeln. Der US-Bundesstaat Oklahoma beispielsweise hat angekündigt, fast alle Abtreibungen ab der Befruchtung verbieten zu wollen.
Der Erzbischof von San Francisco, Salvatore Joseph Cordileone, hat in einem öffentlichen Brief der Katholikin Nancy Pelosi verboten, die Heilige Kommunion zu empfangen. Pelosi führt als Speakerin das US-Repräsentantenhaus und zählt damit zu den mächtigsten Katholikinnen der Welt. (rr)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant