Der Pfarrer von Hergiswil, Stephan Schonhardt, wirbt auf einem Plakat für den amtierenden Kirchenratspräsidenten – obwohl es einen Gegenkandidaten gibt. «Hergiswil muss vom Schicksal vieler Gemeinden bewahrt werden, dass im Kirchenrat Kräfte gegen den Pfarrer arbeiten», sagt Schonhardt.
Raphael Rauch
Warum machen Sie Werbung für den amtierenden Kirchenratspräsidenten – und nicht auch für seinen Gegenkandidaten?
Pfarrer Stephan Schonhardt*: Die Geschichte der Gegenkandidatur zu Martin Dudle basiert auf einem einzigen Fakt: der aktuelle Kirchenratspräsident wie auch alle wieder kandidierenden Mitglieder des Kirchenrats stehen loyal zu meiner Person.
Sämtliche Mitglieder des gegnerischen Komitees engagierten sich vor eineinhalb Jahren aktiv für meine Nichtwahl als Pfarrer von Hergiswil, ja, mehr noch, forderten unverblümt meine Absetzung. Da kann Daniel Sarbach jetzt plötzlich medial ganz anderes erzählen: Es bleibt die schriftlich beweisbare Tatsache, dass auch er meiner Person gegenüber kritisch eingestellt ist.
Mit dem aktuellen Kirchenrat unter Martin Dudle haben wir sehr viel erreicht, vorab im letzten Jahr. Wir pflegten eine inhaltlich und menschlich tolle Zusammenarbeit. Neue Projekte konnten erfolgreich aufgegleist werden, auch der Mut zum Risiko wurde belohnt.
In dieser Ausgangslage: Für wen würden Sie sich an meiner Stelle entscheiden in Sachen «Werbung für einen Kandidaten»? Hergiswil muss vom Schicksal vieler Gemeinden bewahrt werden, dass im Kirchenrat Kräfte gegen den Pfarrer arbeiten.
Was sagen Sie zum Vorwurf, Ihnen sei die Ökumene nicht so wichtig, obwohl Sie mit dem reformierten Pfarrer Tobias Winkler für den amtierenden Kirchenratspräsidenten werben?
Schonhardt: Dieser Vorwurf bewegt sich an der Grenze zur Lächerlichkeit. Mit der reformierten Kirche sind wir im ständigen, freundschaftlichen und engagierten Kontakt. Wir programmieren sehr viele unserer Veranstaltungen unter gemeinsamem Label, kreieren neue Konzepte (zum Beispiel die gemeinsame gefeierte Osternacht als Lichtfest), kooperieren kommunikativ, haben es schlicht gut miteinander. Das eine solch herausragende Qualität der ökumenischen Zusammenarbeit auch mit der Sympathie zwischen involvierten Personen zu tun hat, dürfte nicht überraschen. Zu Pfarrer Tobias Winkler konnte ich einen hervorragenden Draht aufbauen, wir mögen uns, das ist der fruchtbaren Zusammenarbeit nur dienlich. Ökumene ist ein Topthema in Hergiswil, weil wir sie hier erfolgreich leben können.
Haben Sie die Reformierten an der Osternacht auch zur Messe eingeladen?
Schonhardt: Selbstverständlich habe ich die Reformierten auch zur Messe eingeladen – sonst wäre das doch keine Ökumene! Nach der Lichtfeier in der reformierten Kirche haben wir eine Fackelwanderung zur katholischen Kirche unternommen. Der reformierte Pfarrer hat dort alles mitgemacht, auch Weihwasser bei der Tauferneuerung versprengt. Die Reformierten durften auch die Heilige Kommunion empfangen. Alle waren eingeladen unter dem zuvor gegebenen Hinweis nach Paulus im 1. Korintherbrief, man solle bedenken, dass man den Leib des Herrn empfängt. Dieser Gedanke sollte jeder Katholik ebenfalls beherzigen.
Auch wenn die Reformierten ein anderes Verständnis von der Realpräsenz haben, so darf sich doch jeder Mensch Jesus nähern, wenn er eben bedenkt, dass er den Leib Jesu empfängt. Oder glauben Sie, dass Jesus seinerzeit jemanden zurückgewiesen hätte, der sich ihm in dieser Intention näherte?
Es war ein gelungener Gottesdienst, es war eine Herzlichkeit, Dankbarkeit und Liebe spürbar.
* Stephan Schonhardt ist Pfarrer von Hergiswil. Er antwortete kath.ch schriftlich.
Update vom 11. Mai, 17.00 Uhr: Auf die letzte Frage hat Stephan Schonhardt am Nachmittag geantwortet, daher haben wir den Artikel entsprechend ergänzt.
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https://www.kath.ch/newsd/pfarrer-stephan-schonhardt-verteidigt-wahlkampf-fuer-martin-dudle/