Zum ersten Mal habe Franziskus so die Bedeutung des Kinderschutzes in den Mittelpunkt der Zentralregierung der Kirche gestellt, sagte der Präsident der Kinderschutzkommission, Kardinal Sean Patrick O’Malley, am Freitag im Vatikan.
Severina Bartonitschek
Zudem habe die Kommission nun das Mandat, die Weltkirche von der Kurie aus zum Kinderschutz anzuhalten. Die Angliederung ist Teil der im März veröffentlichten Kurienreform «Praedicate Evangelium». Sie greift ab Anfang Juni.
Papst Franziskus hatte zuvor den Schritt in einem Treffen mit den Kommissionsmitgliedern begründet: Er wolle keine «Satellitenkommission», die um das Organigramm kreise, aber nicht mit ihm verbunden sei. Unabhängig solle die Arbeit der Kinderschützer dennoch bleiben, betonte das Kirchenoberhaupt. Eine geringere «Freiheit des Denkens und Handelns» oder gar Bedeutung der Kommission, schloss der 85-Jährige aus: «Das ist nicht meine Absicht und auch nicht meine Erwartung.»
So bleiben trotz der Nähe zur zweiten Sektion der Glaubensbehörde, Personal und Leitung von Behörde und Kommission getrennt. Der Kommissionspräsident berichtet direkt an den Papst. Die zweite Sektion der Glaubensbehörde ist für Disziplinarfragen, vor allem für Verfahren von mutmasslichem Missbrauch durch Kleriker zuständig.
Als «ungewöhnliche und einzigartige» Struktur bezeichnete der Sekretär der Kinderschutzkommission, Andrew Small, die Angliederung. Letztlich rücke damit die Arbeit rund um Präventionskonzepte im Bereich von Minderjährigen sehr nahe an die Abteilung, die das Verhalten der Täter rechtlich bewerte. Daraus entstehe eine Art Zentrum für den Kinderschutz.
Grundsätzlich soll die Kommission den Überblick über das kirchliche Engagement beim Kinderschutz behalten und nachbessern. Dazu zähle etwa die Zusammenarbeit mit den nationalen Kirchen, um eine angemessene Betreuung von Missbrauchsopfern sicherzustellen, erklärte Präsident O’Malley. Über die Fortschritte der Bemühungen weltweit soll die Kommission dem Papst jährlich einen Bericht vorlegen. Dies könne auch helfen, Schwachstellen in den Vatikan-Behörden zu dieser Thematik aufzudecken und daran zu arbeiten, so Kommissionsmitglied Juan Carlos Cruz.
«Wir machen weiter bis zum bitteren Ende.»
Kommissionsmitglied Juan Carlos Cruz
Was bisher passiert sei, sei nur die Spitze des Eisbergs, so Cruz, der selbst als Kind missbraucht wurde. Die neue Nähe zu der Disziplinarabteilung und die jährlichen Berichte könnten dazu beitragen, Betroffenen zu zeigen, dass etwas getan werde. Es könne verhindern, dass sie erneut in eine Opferrolle gedrängt würden. «Was wir hier tun, wird nicht enden, es wird perfektioniert», erklärte Cruz weiter und fügte hinzu: «Wir machen weiter bis zum bitteren Ende.» (cic)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/papst-franziskus-bildet-ein-kinderschutz-zentrum-an-der-kurie/