Tessiner Synodenkonsultation: «Viele wünschen eine dialogfähige Kirche»

Das Synthesedokument aus der Diözese Lugano ist fertig. Es zeigt: Die Tessinerinnen und Tessiner wünschen sich eine Kirche nach dem Vorbild des barmherzigen Samariters. Das und weitere Anliegen sollen nach Rom gesandt werden – und im Bistum Lugano zu neuen Wegen anregen.

Cristina Vonzun, catt.ch/ Adaption: Eva Meienberg

Die von Papst Franziskus angestrebte Synode fordert in der ersten Phase, dass wir auf die christliche Gemeinschaft hören. Das Synthesedokument ist gewissermassen das Ergebnis dieses Zuhörens. Was ist dabei herausgekommen?

Sergio Carettoni: Das Dokument ist die Zusammenfassung von mehr als 500 Seiten mit Antworten der 24 Pastoralnetzwerke der Diözese Lugano, der Bewegungen, Vereinigungen und Gruppen.

Die Antworten konzentrierten sich vor allem auf die ersten vier Fragen der Konsultation. Die Synthese will eine Momentaufnahme der Situation bieten, aber auch einige theologisch-pastorale Überlegungen anstellen und dann will sie einige synodale Vorschläge benennen.

«Das Dokument ist eine Beschreibung unserer Kirche.»

Wie sollen wir ein solches Dokument lesen?

Carettoni: Das Dokument ist eine Beschreibung unserer Kirche, wie sie von den Konsultationsteilnehmenden wahrgenommen und beschrieben wurde, mit allen Einschränkungen, die sich aus der kurzen Zeit und der Pandemie ergeben, die den Prozess vor allem im Dezember beeinflusst hat.

«Viele Menschen wollten von ihrem persönlichen Weg in der Kirche berichten.»

Papst Franziskus wollte, dass diese erste Phase der Synode dem Hören auf die Menschen gewidmet wird. Unser Text bildet dieses Zuhören ab. Ein sehr interessanter Aspekt ist die Tatsache, dass so viele Menschen den Wunsch hatten, von ihrem eigenen persönlichen Weg in der Kirche zu berichten. Und auch vom Weg ihrer Brüder und Schwestern in der Kirche zu hören.

Mit wem soll man dieses Dokument lesen, das Ergebnis eines Gemeinschaftsprozesses ist?

Carettoni: Das Dokument ist in einem gemeinschaftlichen Kontext entstanden. Es besteht aus Dialog und Konfrontation. Darum sollte es idealerweise in Gruppen gelesen werden. In den Pastoralnetzwerken oder anderen Gruppierungen sollte darum die Reflexion auch beginnen. Über die synodale Konsultation hinaus ist es aber wichtig, auf allen Ebenen eine gemeinsame Auswertung des Dokuments in Angriff zu nehmen. Damit neue Wege und neue pastorale Keime gefunden werden können.

«Die Teilnehmenden haben das Ideal einer Kirche, die hinausgeht.»

Welches Bild der Tessiner Kirche hat sich aus der Konsultation ergeben?

Carettoni: Die Teilnehmenden zeigen, dass sie das Ideal einer Kirche haben, die hinausgeht und sich um die Schwachen kümmert, insbesondere um die Einsamen, die Kranken, die Alten und die Migranten. Es ist das Bild einer offenen, dialogfähigen und integrativen Kirche nach dem Vorbild des barmherzigen Samariters. Von einer Kirche, die zuhört, aber auch von einer Gemeinschaft, die ihre Liturgien mit Qualität feiert. Im Allgemeinen schätzen die Menschen liturgische Versammlungen sehr und fordern Qualität in der Predigt und in der Feier. Hier öffnet sich vielleicht eine Tür zur Bildungsarbeit, die verfolgt werden muss. Viele schätzen die Dienste des Lektors und des Akolythen, die nun auch für Menschen offen sind, die nicht den spezifischen Weg zum Diakonat oder Priestertum wählen.

«Notwendig sei der Dialog, sagen vor allem Frauen und junge Menschen.»

Ein weiteres Thema ist die Notwendigkeit, dass die Kirche lernt auf die Gesellschaft zuzugehen: in der Arbeit, in der Politik und im sozialen Leben. Notwendig sei auch das Zuhören, den Dialog und die Beteiligung in der Kirche zu fördern. Darauf haben vor allem Frauen und junge Menschen hingewiesen.

«Unser Bischof möchte, dass der synodale Prozess im Tessin fortgesetzt wird.»

Die gesamte Kirche ist an einem synodalen Prozess beteiligt. Wie wollen Sie die Reise im Bistum Lugano fortsetzen?

Carettoni: Unser Bischof möchte, dass der synodale Prozess im Tessin fortgesetzt wird. Und so soll es weitergehen: Alle, die an der Konsultation teilgenommen haben, erhalten nacheinander die zehn Synodalthemen. Die ganze Diözese soll verstehen können, welche Themen sich herauskristallisiert haben. Damit sollen verschiedene Synodenvorschläge von der Basis gesammelt werden können, auf deren Grundlage die Gemeinden dann neue kirchliche Wege ausprobieren werden. Dies ist dann der Moment, in dem es wichtig wird, Prozesse der Befreiung für die Umkehr und den pastoralen Wandel der Kirche im Tessin zu aktivieren.

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/tessiner-synodenkonsultation-glaeubige-wuenschen-eine-offene-dialogfaehige-und-integrative-kirche/