Orthodoxe Christen in Jerusalem beginnen Ostern mit Feuerwunder

Nach orthodoxem Volksglauben entzündet sich zum Osterfest die Flamme auf wundersame Weise über der Grab- und Auferstehungsplatte Christi. In Jerusalem haben die orthodoxen Oster-Feierlichkeiten begonnen.

Unter verschärften Sicherheitsmassnahmen haben die orthodoxen Christen in Jerusalem ihre Osterfeiern begonnen. Erster Höhepunkt war am Samstagmittag die Liturgie des «Heiligen Feuers» in der Grabeskirche. Zu dieser mehr als 1.200 Jahre alten Zeremonie hatten israelische Sicherheitskräfte diesmal deutlich wenigerMenschen zugelassen als in den Jahren vor der Pandemie. Neben einheimischen Christen nahmen erstmals auch wieder zahlreiche Pilger aus aller Welt an dem Ritus teil.

Prozession zur versiegelten Kapelle

Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. zog in langer Prozession zur zuvor versiegelten und bewachten Kapelle über dem traditionellen Grab Christi. Nach einem kurzen Gebet in der dunklenGrabkammer trat er mit zwei brennenden Kerzenbündeln heraus und segnete die begeisterte Menschenmenge.

Nach orthodoxem Volksglauben entzündet sich zum Osterfest die Flamme auf wundersame Weise über der Grab- und Auferstehungsplatte Christi. Sie wird anschliessend vom Patriarchen an die Gläubigen weitergereicht und von diesen in die Stadt und die Wohnhäuser getragen. 

«Heilige Feuer»

Zuvor hatte Theophilos bereits an seinem nahegelegenen Amtssitz Delegationen von orthodoxen Kirchen aus aller Welt empfangen, die angereist waren, um das «Heilige Feuer» in ihre Länder zu bringen.

Um den Zugang zur Zeremonie des «Feuerwunders» hatte es in den Tagen zuvor eine Kontroverse zwischen der israelischen Polizei und den christlichen Kirchen gegeben. Sicherheitskräfte wollten wegen der beengten Verhältnisse sowie fehlender Notausgänge nur 1.700 Menschen zulassen, ein Gericht erhöhte die Zahl auf 4.000 Personen. Das orthodoxe Patriarchat lehnte die Entscheidung dagegen als Verletzung des Rechts auf freie Religionsausübung ab und gab seinerseits den Zutritt frei.

Zugang blockiert

In früheren Jahren hatten an der Zeremonie rund 10.000 Personen teilgenommen. Diesmal kamen viele Gläubige an den Kontrollposten zum Jerusalemer Christenviertel nicht weiter. Im ersten Jahr der Pandemiefand die Zeremonie in der Grabeskirche unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, 2021 war die Zugang streng limitiert.

Israel hatte seine jetzige Massnahme auch mit einem schweren Zwischenfall beim jüdischen Lag beOmer-Fest 2021 im nordisraelischen Meron begründet. Dort waren 45 Menschen getötet worden, als unter denZehntausenden Feiernden eine Panik ausbrach. (kna)


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/orthodoxe-christen-in-jerusalem-beginnen-ostern-mit-feuerwunder/