Kantonalverbände des Blauen Kreuzes geben sich neue Struktur
Nationalrat Philipp Hadorn Präsident des neu strukturierten Dachverbandes Blaues Kreuz Schweiz.
Bern. Die kantonalen Verbände des Blauen Kreuzes geben sich einen neu strukturierten nationalen Dachverband: Blaues Kreuz Schweiz. Damit bietet der älteste Anbieter in der Sucht- und Präventionsarbeit als einziger Verband Präventions-, Beratungs- und Nachsorgeangebote aus einer Hand an. Zum Präsidenten des neuen Verbandes Blaues Kreuz Schweiz wählten die Delegierten an ihrer Versammlung vom 26. Oktober 2013 Nationalrat Philipp Hadorn.
Als schweizweit tätige Organisation stellt sich das Blaue Kreuz sich schnell verändernden Herausforderungen: Steigende Anforderungen in der Facharbeit, wechselnde gesellschaftliche Rahmenbedingungen und zunehmender Kostendruck erfordern ein hohes Engagement, Innovationskraft und Kreativität. Die Zusammenarbeit von Freiwilligen, internen und externen Fachpersonen sowie ergänzenden Institutionen und den Behörden bleiben weiterhin Erfolgsfaktor der auf christlichen Grundwerten basierenden Bewegung, hält der neue Präsident NR Philipp Hadorn fest. Mit der Zusammenlegung der bisherigen Dachverbände Blaues Kreuz der deutschen Schweiz und Blaues Kreuz Prävention + Gesundheitsförderung sowie der Einbindung des Croix-Bleue Romande gibt sich das Blaue Kreuz auf nationaler Ebene eine schlanke und effiziente Struktur. Somit sind alle Fachbereiche unter einem Dach vereint, womit eine gemeinsame Strategie, Entwicklung und Öffentlichkeitsarbeit möglich wird. Damit wird die Koordination in der interkantonalen Arbeit effizienter und die Zusammenarbeit mit nationalen Partnern und Bundesstellen optimal gestaltet.
Bereit für die neuen Herausforderungen
Seit der Gründung im Jahr 1877 hat sich die Organisation für die Unterstützung von Suchtkranken, einen besseren Schutz vor Suchtmitteln – speziell von Kindern und Jugendlichen – und griffige Präventionsmassnahmen eingesetzt. Dieses Engagement unzähliger Fachpersonen und Freiwilliger im Blauen Kreuz und anderen Institutionen haben zu einer Reduktion der Suchtproblematik geführt. Eine Errungenschaft, die inzwischen unter Beschuss steht: Die Interessen der Wirtschaft setzen sich durch, die Gesetzgebung wird aufgeweicht und die Mittel für die Prävention beschnitten. Die Diskussion um das neue Alkoholgesetz zeigt deutlich auf, dass die Politik trotz klar belegbaren Fakten auf wirksame, restriktive Massnahmen verzichtet und den Alkoholmarkt liberalisieren will. Damit droht der Schweiz ein Rückschritt. Betroffene Menschen, die unter einer Suchterkrankung leiden, so wie deren Familien werden alleine gelassen. Durch eine gemeinsame Strategie, abgestimmt auf die Aktionspläne von Bund und Kantonen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz, kann das Blaue Kreuz seine Kräfte zielgerichtet ein-setzen. Matthias Zeller, der Geschäftsführer ad interim des neuen Verbandes betont: «Durch die Zusammenführung der verschiedenen Fachbereiche können wir unser Engagement für die betroffenen Menschen und deren Umfeld verstärken.» Im neuen Verband sind das Croix-Bleue Romande sowie die weiteren 12 kantonalen Verbände für Prävention und Beratung/Nachsorge zusammengefasst.
Die Schweiz nicht trockenlegen – aber Konsumkompetenz entwickeln
Auch wenn der Alkoholkonsum insgesamt stagniert, darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass Alkohol nach wie vor für viele Menschen in der Schweiz zu einem Problem wird und laufend neue Suchtmittel relevant werden. Trotz leicht sinkendem Durchschnittkonsum bleibt der missbräuchliche Alkoholkonsum das grösste, aber auch gleichzeitig das verkannteste gesundheitspolitische Problem in der Schweiz.
Besonders bei Jugendlichen hat sich mit dem exzessiven Konsum an Wochenenden ein gefährlicher Trend etabliert. Die zunehmenden Zahlen, auch von sehr jungen Menschen, mit Alkoholvergiftungen belegen dies. Entgegen dem verbreiteten Vorurteil geht es dem Blauen Kreuz nicht darum, normal Konsumierenden das Feierabendbier zu verbieten. Aber Menschen, denen die Kontrolle zu entgleiten droht, brauchen fachgerechte Unterstützung, um schlimmere Konsequenzen für sie und ihre Familien zu verhindern. Dies deckt sich mit der Vision des Bundesamtes für Gesundheit: «Wer alkoholische Getränke trinkt, tut dies ohne sich selber und anderen Schaden zuzufügen.» Dazu Walter Liechti, der scheidende Geschäftsführer des Blauen Kreuzes der deutschen Schweiz: «Es geht uns nicht darum, die Schweiz trocken zu legen. Wir wollen Menschen zu einem bewussten Umgang motivieren und von Abhängigkeit Betroffenen kompetente Hilfe anbieten.»
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