Bei der Expo in Dubai ist auch der Heilige Stuhl vertreten. Zwei Ordensbrüder aus dem Libanon betreuen den Pavillon. Am Josephstag erinnert Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an die Friedensbotschaft der Erklärung von Abu Dhabi – und an den Krieg in der Ukraine.
Jacqueline Straub
«Ich komme eigentlich immer mit den Besuchenden über mein Ordensgewand ins Gespräch», sagt Bruder Elijah Marseanian. Der Franziskaner stammt aus dem Libanon. Für die Zeit der Weltausstellung in Dubai betreut er mit einem Mitbruder den Pavillon des Heiligen Stuhls. «Die meisten fragen mich, warum ich so gekleidet und ob ich ein echter Mönch bin.»
Wer den Pavillon des Heiligen Stuhles betritt, wird von einem Schweizergardisten begrüsst. Dieser ist zwar nicht echt, doch die Uniform und der Degen sind original. «Der Schweizergardist ist die Hauptattraktion im Pavillon», sagt Bruder Elijah Marseanian. «Er ist das Fotomotiv Nummer Eins. Die Gäste machen viele lustige Selfies mit der lebensechten Puppe.» Auch mit Bruder Elijah Marseanian wollen viele ein Foto machen. «Das mache ich sehr gerne.»
192 Nationen nehmen an der Expo in Dubai teil. Unter den vielen Pavillons gibt es grosse Ausstellungen, die über mehrere Etagen reichen. Der Vatikan hat nur einen kleinen Pavillon. Doch auch hier gibt es einiges zu entdecken: So sind etwa drei Handschriften aus der Apostolischen Bibliothek des Vatikans ausgestellt. «Wir haben hier den gregorianischen Kalender, ein Original aus dem Haus der Weisheit aus Bagdad und ein Fibonacci-Dokument über die Einführung der arabischen Zahlen im Westen», sagt Bruder Elijah Marseanian.
Im Pavillon gibt es auch eine Kopie von Giottos’ Fresko, dass die Begegnung des Heiligen Franz von Assisi mit dem ägyptischen Sultan Malik al-Kamil vor 800 Jahren zeigt. Im Jahr 2019 hat Papst Franziskus das Nachbaremirat Abu Dhabi besucht – eine Papst-Reise für die Geschichtsbücher.
Dort unterschrieben Papst Franziskus und der Kairoer Grossiman Ahmed Al-Tayyeb das Dokument über die «Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt». Im Pavillon ist diese historische Erklärung ausgestellt.
«Der Pavillon drückt das Konzept der Geschwisterlichkeit und der Verbrüderung aus», sagt Giuseppe Di Nicola. Er ist Architekt und hat den Pavillon zusammen mit einem Team entworfen und gestaltet. Auch das Thema Frieden zwischen den Kulturen und Religionen stehe dabei im Fokus.
«Hier findet interreligiöser Dialog statt», sagt Bruder Elijah Marseanian. «Unser Pavillon ist beliebt, weil er von Beziehung und Geschwisterlichkeit handelt. Wie wir zusammenleben können. Vor allem als Muslime und Christen. In unseren Pavillon geht es darum, wie man die Brücke zwischen Religionen und Kulturen und Menschen schlagen kann.» Brücken zwischen den Menschen zu bauen, sei sehr wichtig, sagt Bruder Elijah Marseanian. Er spüre in seinen Gesprächen, dass es bereits funktioniert.
Russlands Krieg gegen die Ukraine, auch er ist in Dubai Thema. Am Josephstag ist Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zu Besuch und sagt laut Manuskript: «Dieses Bedürfnis nach Frieden ist besonders spürbar im Zusammenhang mit den zahlreichen Konflikten in verschiedenen Teilen der Welt. Wie könnten wir insbesondere die Tragödie des Krieges in der Ukraine vergessen, der so viel Tod, Zerstörung und Elend verursacht hat und immer noch verursacht!»
Der Pavillon ist in Marmor und Metall gestaltet. «Was die Farben betrifft, so haben wir im zentralen Bereich des Bodens des Pavillons weissen Carrara-Marmor und das Gelb von Siena, das sich auf die Farben der Flagge des Vatikans bezieht. Alle anderen Farben des Pavillons liegen zwischen dunklem Schwarz und dunkler Bronze», sagt Architekt Giuseppe Di Nicola. Der Pavillon sei wie ein Museum konzipiert. Das Licht ist gedämmt. «Um das Originalmanuskript der Apostolischen Bibliothek des Vatikans zu schützen», sagt Giuseppe Di Nicola.
Die Expo 2020 wurde wegen der Corona-Pandemie verspätet unter dem Motto «Connecting Minds, Creating the Future» (»Köpfe verbinden, die Zukunft schaffen») im Oktober 2021 in Dubai eröffnet. Bis Ende März 2022 findet die Weltausstellung noch in den Vereinigen Arabischen Emiraten statt.
Wer nach dieser Rundtour den Pavillon des Heiligen Stuhls wieder verlässt, wird von einem weiteren Schweizergardisten verabschiedet.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/weltausstellung-in-dubai-der-schweizergardist-ist-fotomotiv-nummer-einss/