Eine Stiftung sammelt Geld, um die Kasernen-Renovation der Schweizergarde zu finanzieren. Im Januar hat der Geschäftsleiter die Stiftung verlassen: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord an seiner Frau vor. Am 9. Mai beginnt in Genf der Prozess.
Jacqueline Straub
Die Gebäude, in denen die Schweizergardisten und ihre Familien untergebracht sind, sind in einem schlechten Zustand. Die Kosten für die Renovation belaufen sich auf 50 Millionen Franken. Der Vatikan will dafür nicht aufkommen.
2016 wurde deswegen die «Stiftung für die Renovation der Kaserne der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan» in Solothurn gegründet. Diese sammelt Spenden für den Bau einer neuen Kaserne.
Doch nun sorgen Recherchen der «NZZ» für Unruhe: Der ehemalige Geschäftsleiter der Stiftung, ein Wirtschaftsanwalt aus Solothurn, steht unter Mordverdacht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Frau getötet zu haben.
Der Mann soll seine Frau in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 2016 in der gemeinsamen Wohnung in Grand-Saconnex im Kanton Genf mit einem Kissen erstickt haben.
Die Genfer Staatsanwaltschaft ging zunächst von einem natürlichen Tod aus. Doch die Gerichtsmedizin entdeckte in den Lungen der Ehefrau eine Daune. Zudem gab es weitere Hinweise, die auf eine Gewaltanwendung schliessen liessen, schreibt die «NZZ».
Der Witwer wurde im Oktober 2016 festgenommen und befragt. Nach einer Kaution von vier Millionen Franken konnte er sich wieder frei in der Schweiz bewegen. Er musste allerdings seinen Reisepass abgeben. Die Genfer Justiz bestätigte gegenüber kath.ch, dass der Strafprozess vom 9. bis zum 13. Mai stattfinden soll.
«Er verliess unsere Stiftung im Januar nach der formellen Mordanklage der Genfer Staatsanwaltschaft», sagt Stiftungspräsident Jean-Pierre Roth zu kath.ch. Vorher habe es nur Gerüchte gegeben, was eine Zusammenarbeit nicht in Frage gestellt habe.
Die Zusammenarbeit mit dem Juristen sei immer «perfekt» gewesen, sagt Jean-Pierre Roth. Er habe viel für das Projekt geleistet. «Jetzt muss seine Unschuld bewiesen werden. Das ist die Rolle der Justiz, nicht der Stiftung.»
Sollte der einflussreiche Geldsammler der Stiftung freigesprochen werden, «haben wir keinen Grund, seine Kompetenzen nicht weiter zu beanspruchen», sagt der Stiftungspräsident. Der Wirtschaftsanwalt sei nicht nur als Geschäftsführer der Stiftung tätig gewesen, sondern auch als Immobilienfachmann und Kontaktperson für die Architekten.
Ob die Stiftung und das Sammeln von Spenden für die Kaserne durch die Mordanklage nun in Verruf rate? «Überhaupt nicht», sagt Jean-Pierre Roth. «Der Stiftungsrat und das Patronatskomitee engagieren sich voll und ganz. Unser Ziel ist es eine neue Kaserne für die Garde zu realisieren. Die Finanzierung ist fast gesichert.»
Der Beschuldigte wollte gegenüber kath.ch nicht Stellung nehmen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/mord-an-ehefrau-ex-geschaeftsleiter-der-kasernenstiftung-muss-vor-gericht/