Der Kanton Basellandschaft bereitet sich auf die Ankunft von ukrainischen Flüchtlingen vor. «Wir sind bereit», sagt Verena Gauthier Furrer. Sie koordiniert den Bereich Diakonie bei der katholischen Landeskirche.
Regula Pfeifer
Wie viele Flüchtlinge konnten Sie bereits platzieren?
Verena Gauthier Furrer*: Bisher konnten wir noch keine ukrainischen Flüchtlinge unterbringen. Dies obliegt grundsätzlich den kantonalen Stellen. Wir haben aber erfahren, dass Flüchtlinge im Kanton Basel-Landschaft zuerst im Spital Laufen untergebracht würden. Wann sie dort ankommen, ist unklar, es kann jederzeit soweit sein. Wir bereiten uns vor.
Wie das konkret?
Gauthier: In Laufen haben sich die Verantwortlichen der katholischen und reformierten Kirchgemeinden mit den Gemeindebehörden zusammengetan. Sie diskutieren darüber, wie die Kirchen die Flüchtlinge im Spital flankierend unterstützen können und planen diese Angebote. Es sind konkrete Möglichleiten der sozialen Unterstützung bei der Integration der Flüchtlinge.
Sie sehen sich als Drehscheibe. Was tun Sie konkret?
Gauthier: Ich leite die Telefonhotline für Flüchtlings-Unterkünfte. Und ich bin stark am Vernetzen. Etwa zwischen dem Kanton, der Kirche intern und anderen relevanten Partnern wie die Caritas beider Basel.
«Es haben sich bereits zwei Pfarreien gemeldet, die Wohnraum anbieten.»
Wie vernetzen Sie?
Gauthier: Der kantonale Koordinator Asyl formulierte seinen Wunsch auf Unterstützung unsererseits wie folgt: «Wir erwarten viele Frauen und Kinder. Es wäre sinnvoll, wenn diese privat unterkommen könnten, um sich wohlzufühlen.» Nun nehmen wir über unsere Hotline, viele Angebote von Privaten aber auch von Kirchgemeinden entgegen und leiten diese gesammelt der Koordinationsstelle Asyl weiter. Damit sollte verhindert werden, dass die nun ohnehin sehr belastete kantonale Stelle von einzelnen Angeboten überrannt wird. Damit erleichtern wir den Behörden ihre Arbeit.
Gibt es Gastgeber-Interessenten?
Gauthier: Ja, ich habe eine längere Liste an Adressen dem kantonalen Koordinator weitergeleitet. Weitere werden folgen. Es haben sich bereits zwei Pfarreien gemeldet, die Wohnraum anbieten. Und viele Familien, die Flüchtlinge bei sich aufnehmen wollen.
Müssen Sie auch Angebote ablehnen?
Gauthier: Manchmal zeigt sich im Gespräch, dass die betreffende Person zwar gerne helfen möchte, aber nicht gut Gastgeberin sein kann – etwa weil sie tagsüber auswärts arbeitet. Da versuchen wir gemeinsam herauszufinden, welche Art Hilfe infrage käme. Wer ukrainisch spricht, könnte etwa Übersetzerdienste leisten. Wer psychologisch geschult ist, kann Flüchtlinge oder Gastfamilien in schwierigen Situationen unterstützen. Auch solche Informationen sammeln wir und versuchen sie am richtigen Ort einzubringen.
Wie können Sie Pfarreien und Kirchgemeinden unterstützen?
Gauthier: Ich berate die Pfarreien und Kirchgemeinden. Als Sozialarbeiterin kenne ich mich bei der staatlichen Unterstützung aus. Sobald klar war, dass die Flüchtlinge den Status S erhalten werden, habe ich die Pfarreien informiert: Die Neuankommenden werden von der Sozialhilfe ihrer Wohngemeinde unterstützt werden, finanziell und mit Beratung. Sie werden auch krankenversichert sein.
Läuft anderswo in der Kirche etwas Neues?
Gauthier: Ja, in der offenen Kirche Elisabethenkirche in Basel. Dort findet, organisiert und getragen von der reformierten, der christkatholischen und der römisch-katholischen Kirche Basel Stadt und Basel Landschaft jeden Dienstag ein Friedensgebet mit abschliessender Möglichkeit für Austausch und Information statt. Am Dienstagabend, 15. März, gibt es um 18.30 Uhr ein erstes Treffen.
«Es ist schön, dass das Netz jetzt seine Wirkung zeigt.»
Was erwarten Sie als Nächstes?
Gauthier: Die ersten Flüchtlinge, wir sind bereit. Gestern habe ich über die Medien erfahren: Um die 60 Kinder aus einem Waisenhaus in der Ukraine seien auf dem Weg in die Schweiz. Da habe ich gleich an das Ferienlagerhaus im solothurnischen Seewen gedacht, das unserer Kantonalkirche gehört. Wir stellen es den Behörden zur Verfügung. Die Solothurner Regierung ist informiert, sie muss sich einfach bei uns melden.
Werden Gastfamilien unterstützt, wenn ihre Gäste traumatisiert sind?
Gauthier: Das ist ein wichtiges Thema. Wie umgehen mit traumatisierten Menschen? Auch solche Unterstützungsangebote werde ich vernetzt mit Fachleuten und den bereits vorhandenen Beratungsstellen koordinieren. Es haben sich bereits jetzt Fachleute aus diesem Bereich dafür bei uns gemeldet, die auch bereit sind hier als Freiwillige mitzuarbeiten.
Arbeiten Sie mit anderen religiösen Gemeinschaften zusammen?
Gauthier: Ich habe mich mit reformierten und jüdischen Gemeinden ausgetauscht – mit denen wir über den runden Tisch bereits Kontakt haben. Sie fanden unser Vorgehen interessant und beschlossen, ebenfalls Listen mit möglichen Gastgeberinnen und Gastgebern zu erstellen und diese dem Kanton zu übermitteln. Es ist schön, dass das Netz jetzt seine Wirkung zeigt.
Sie hatten auch bei der Corona-Pandemie eine wichtige Aufgabe.
Gauthier: Ja, ich habe auch da früh angefangen, Hilfsangebote zu koordinieren.
Dann sind Sie krisenerprobt?
Gauthier: Man kann von Krisen lernen. Es wird immer wieder Krisen geben. Da ist es gut, den Umgang damit zu lernen.
* Verena Gauthier Furrer ist Fachverantwortliche für Diakonie der römisch-katholischen Kirche Baselland. Zurzeit leitet sie die Hotline für private Unterkünfte von Flüchtlingen aus der Ukraine.
16.03.2022, 10.45 Uhr: Wir haben Informationen zum Dienstag-Gebet in der offenen Kirche Elisabethen präzisiert.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/wie-umgehen-mit-traumatisierten-fluechtlingen-ist-ein-wichtiges-thema/