Bischof Joseph Bonnemain kritisiert Ex-Priester: «Irreführend und unseriös»

Ein ehemaliger Priester bietet für 250 Franken oder Feinsilber selbsterklärte «Enttauffungen» an. Bischof Joseph Bonnemain ist alarmiert. Laut Sektenexperte Georg Schmid argumentiert der Ex-Priester verschwörungstheoretisch im Jargon von Reichsbürgern.

Raphael Rauch

Kurt M. (53) stammt aus Basel. Mittlerweile lebt er in Stadel bei Winterthur. In einem Video erzählt er, wie er in ein italienisches Kloster eingetreten sei und Theologie studiert habe. Ein Jahr nach der Priesterweihe habe er den Orden verlassen und mehrere Jahre als Pfarrer in Italien gearbeitet.

«Kurse und sogenannte Enttaufungen»

Schon länger ist Kurt M. in der Schweiz zurück – und versetzt zurzeit die Region Schwyz in Aufregung. «Er bietet – gegen Geld – Kurse und sogenannte Enttaufungen an. Damit sollen Gläubige sich definitiv von der katholischen Kirche abwenden können», berichtet der «Bote der Urschweiz».

Ein solches Enttaufungs-Seminar fand kürzlich auch in Muotathal SZ statt. «Wie viele Personen teilnahmen, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass der Anlass im Tal für Diskussionen sorgt. Befürchtet wird eine Abspaltung der Kirche», schreibt das Blatt.

Bonnemain: «Es gibt keine sogenannte Enttaufung»

Die Tätigkeit des Ex-Priesters sorgt für Kritik. «Die Taufe stellt das Ja Gottes zu einem Menschen für immer dar. Gott steht bis zuletzt auf der Seite des Menschen, jedes Menschen. Diese Zusage kann weder verloren gehen noch rückgängig gemacht werden», sagt der Bischof von Chur, Joseph Bonnemain. «Es gibt keine sogenannte Enttaufung. Bezahlte Kurse, die über eine solche Möglichkeit aufklären wollen, sind nicht nur irreführend, sondern schlichtweg unseriös und können nicht empfohlen werden.»

Kritik kommt auch vom Sektenexperte Georg Schmid von «Relinfo». «Kurt M. hat das Buch ‘Unchurch Now’ geschrieben, in dem Verschwörungstheorien aus dem Bereich der Esoterik über die Wirkung katholischer Sakramente verbreitet werden», sagt Georg Schmid zu kath.ch.

Vorwurf: Kurt M. spielt mit den Ängsten der Menschen

Unter dem Eindruck der Coronakrise hätten sich viele esoterische Menschen Verschwörungstheorien zugewandt, was auch auf Kurt M. zutreffe: «Er vertritt heute neben seinen antikatholischen Verschwörungstheorien zahlreiche weitere, etwa Teile der QAnon-Theorie, die davon ausgeht, dass eine Elite unsere Welt beherrscht, indem sie Medien, Pharma, Finanzen, Banken, Versicherungen, NGOs, die Post und so weiter beherrschen», sagt Georg Schmid.

Kurt M. spiele mit den Ängsten der Menschen, etwa der Vorstellung eines «Deep State», also geheimen Machtnetzwerken. Kurt M. biete seiner Klientschaft ein Notfallprogramm namens «Ex Matrix – Aufwachen und souverän leben» an. «Der Kurs wird online durchgeführt, besteht aus 24 Sessions und kostet 630 Franken», bemerkt Schmid.

«Lebenderklärung» mit Fingerabdruck

Auf seiner Website hat Kurt M. auch verschiedene Dokumente hinterlegt, die für Staatsverweigerer und Reichsbürger typisch seien, findet Schmid. Etwa eine handgeschriebene «Lebenderklärung» – mit Fingerabdruck. «Nach Ausweis dieser Dokumente steht Kurt M. dieser rechtslastigen, in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachteten Bewegung mindestens nahe», sagt Georg Schmid.

Ganz bewusst setze Kurt M. auf die Gründung einer eigenen Gemeinschaft, die unter dem Namen «Limitless Life Verein» organisiert sei und eine ideale Parallel-Gesellschaft etablieren wolle. Laut Sektenexperte Georg Schmid gehört Kurt M. «zur wachsenden Zahl der Post-Corona-Bewegungen».

Kurt M.: Katholiken nicht vom Glauben abwenden

Kurt M. war für kath.ch nicht zu erreichen. Zum «Blick» sagte er: «Es geht mir nicht darum, alle Katholiken vom Glauben abzuwenden.» Er wolle jenen helfen, die sich von der katholischen Kirche lösen wollten – nicht vom Glauben an Gott. Er führe keine Prozedur durch, sondern führe lediglich Gespräche, damit sich die Teilnehmenden von alten Glaubensmustern und Schuldgefühlen befreien könnten, sagt Kurt M. laut «Blick». Das Gasthaus Sonne in Muotathal, in dem der erste sogenannte Enttaufungsanlass stattfand, wollte sich gegenüber kath.ch nicht äussern.


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https://www.kath.ch/newsd/bischof-joseph-bonnemain-kritisiert-ex-priester-irrefuehrend-und-unserioes/