«Die Schweiz betet» distanziert sich von «Europa betet»

Die Laien-Initiative «Die Schweiz betet» will das Rosenkranzgebet bekannter machen und für eine friedliche Schweiz in Pandemie-Zeit beten. Diese habe nichts zu tun mit der neuen Initiative «Europa betet», die für einen «Dritten Weg» zur Bekämpfung der Pandemie wirbt und vom emeritierten Weihbischof Marian Eleganti mitunterstützt wird, sagt Benjamin Aepli von «Die Schweiz betet».

Georges Scherrer

Am vergangenen Mittwochabend kamen auf dem Friedhof von Niederbüren SG rund ein halbes Dutzend Personen zusammen. Sie trafen sich beim Kreuz bei den Priestergräbern. Bei der Gruppe handle es sich um eine lose Gemeinschaft, sagt Stephanie Herrsche gegenüber kath.ch.

«Ich habe von der Initiative im Internet gelesen und unsere Gruppe auf der Homepage eintragen lassen, weil ich es eine wichtige Sache finde.» Die Gruppe bete dafür, dass die Konflikte zwischen den Menschen gelöst werden, die wegen der Corona-Pandemie entstanden sind.

«Die Menschen müssen mitmenschlich miteinander umgehen. Die Mutter Gottes hat schon so oft geholfen», sagt Herrsche weiter. Ihr ist wichtig, dass die Gruppe «für» und nicht «gegen» etwas betet. Der Blick sei «positiv gegen Himmel gerichtet».

Für den Rosenkranz werben

Bereits am Mittwoch vor zwei Wochen haben sich für das gleiche Anliegen ein gutes Dutzend Personen bei der St. Blasius Kirche im Aargauischen Gebenstorf getroffen. Marianne Baldinger-Lang ist für die Koordinierung des Treffens zuständig. «Erstmals trafen wir uns am 8. Dezember, dem Mutter-Gottes-Tag, und beteten dafür, dass sie uns begleitet.»

Das Gebet wurde mit Absicht vor der Kirche organisiert. «Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir beten und zwar den Rosenkranz und auf die Hilfe der Mutter Gottes vertrauen.» Der Rosenkranz ist ihr Lieblingsgebet, erklärt Marianne Baldinger-Lang weiter. Am Schluss des Gebets von morgen, Mittwoch, wird Pfarrer Adam Serafin den Segen erteilen.

Das Internet verbindet

«Wir suchen Leute, die mitbeten», sagt die Gebenstorferin. Sie geht in verschiedenen Nachbarorten zum Rosenkranzgebet. Zu diesen Gebeten würden sich aber sehr wenig Leute treffen. Und diese seien meistens älter. «‘Die Schweiz betet’ ist also auch Werbung.»

Sie schätzt es, dass ihre Gebetsgruppe «über das Internet» mit weiteren Menschen verbunden ist, welche das gleiche Anliegen in der ganzen Schweiz und in den Nachbarländern habe. Der Austausch zwischen den verschiedenen lokalen Initiativen geht über die Social-Media-Plattform «Telegram». Dieser Internet-Kanal ist für seine Diskretion bekannt.

In allen drei Landesteilen

Die Initiative «Die Schweiz betet» hat aktuell 75 Gebetsorte und 1500 Mitglieder in der Telegramgruppe. Die dreisprachige Initiative wurde am 2. Dezember gestartet «und unter den Schutz unseres Landespatrons, des heiligen Bruder Klaus gestellt», erklärt Mitinitiant Benjamin Aepli aus Münchwilen TG auf Anfrage. Er hat das Projekt mit Freunden nach dem Vorbild von «Österreich betet» ins Leben gerufen.

Der Heilige Niklaus von Flüe habe die Schweiz schon mehrfach vor grosser Not bewahrt, erklärt Aepli. Morgen Mittwoch wird eine Gruppe erstmals auch in der Bundesstadt Bern beten.

Auch Einsiedeln findet sich im Angebot. Dort trifft sich eine Gruppe beim Marienbrunnen vor dem Kloster. Das Kloster ist über diese Initiative nicht informiert, hiess es am Dienstag auf Anfrage.

«Europa betet» vereinnahmt Idee

Das Internet-Portal «kath.net» kündigt am Dienstag eine Initiative an, die offenbar auch von Weihbischof Marian Eleganti unterstützt wird. «Europa betet» heisst das Projekt. Dieses will, dass Christen im Umgang mit der Corona-Pandemie und den Massnahmen «mutig einen Dritten Weg beschreiten».

Benjamin Aepli ist erstaunt darüber, dass das Konzept nun als «Europa betet» übernommen wird. «Weder wir in der Schweiz noch der Initiant in Österreich wurden angefragt», erklärt Aepli gegenüber kath.ch.

Die schweizerische und die österreichische Initiative konzentrieren sich auf den Rosenkranz. «Was da geschehen ist, ist uns ein Rätsel. Wir distanzieren uns von ‘Europa betet’.» Die Impffrage, die in «Europa betet» einen hohen Stellenwert habe, sei kein Thema für «Die Schweiz betet». «Wir wollen jede Politisierung unserer Initiative vermeiden», betont Aepli.

Feinschmecker aus der Bretagne

Die Initiative zum Gebets-Anliegen, das gemäss Aepli bereits einen Ableger in Kanada hat, ging von Österreich aus. Initiant von «Österreich betet» ist Louis-Pierre Laroche.

Er stammt aus der Bretagne und reiste für sein Studium nach Wien. Er führt heute gemäss Homepage ein Unternehmen in Österreich, mit dem er «durch Kostbarkeiten Frankreichs die Kultur Österreichs bereichert».

Zu seiner Gebetsintention schreibt er auf der Homepage «Österreich betet»: «Als Katholiken beten wir den Rosenkranz FÜR den Zusammenhalt und die Versöhnung in der Gesellschaft um Frieden und Freiheit. Wir beten FÜR das Volk, FÜR die Regierenden, FÜR das Königtum unseres Herrn Jesus Christus in der Gesellschaft. Gleichzeitig immer auch FÜR die Freiheit der Kirche, FÜR den Klerus, FÜR die Bischöfe, FÜR den Papst.»

«Österreich betet gemeinsam»

Die Initiative «Österreich betet» darf nicht mit der fast gleichlautenden Initiative «Österreich betet gemeinsam» verwechselt werden, welche von Christen verschiedener Konfession gestartet wurde und von mehreren katholischen Würdenträgern mitgetragen wird, unter ihnen Kardinal Christoph Schönborn.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/die-schweiz-betet-distanziert-sich-von-europa-betet/