Morgenrót statt Mórgenrot? Warum der Schweizerpsalm so schwer zu singen ist

«Wir müssen die Hymne so singen, wie wir sie selbst sturzbetrunken niemals lesen würden.»

Heute Abend spielt die Schweizer Nati gegen Spanien. Vor dem Spiel wird die Nationalhymne abgespielt. Kaum ein Spieler singt den Text mit. Vor dem Spiel gegen Frankreich, das die Schweiz diese Woche gewann, legten die Nationalspieler während der Hymne aus Ehrfurcht vor dem Moment die Hand aufs Herz.

Gerätselt wird viel, warum kaum jemand in der Schweiz den Text auswendig kennt. Sind es Worte wie «Du, Erhabener, Herrlicher» oder «Betet, freie Schweizer», die nicht mehr über die Lippen der säkularisierten Eidgenossen kommen. Oder ist es der maskuline Text, der bei vielen emanzipierten Schweizerinnen und Schweizern schlecht ankommt. Lukas Niederberger, Geschäftsleiter der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft SGG, legt in einem Leserbrief im «Tages Anzeiger» den Finger auf die schlechte Harmonisierung von Text und Ton in der Hymne: «Wir müssen die Hymne so singen, wie wir sie selbst sturzbetrunken niemals lesen würden: Morgenrót statt Mórgenrot, Alpenfírn statt Álpenfirn und Vaterlánd statt Váterland. In den weiteren Strophen wird die Prosodie leider nicht besser.» Die SSG propagiert seit 2015 darum einen neuen Text.

Ausserdem schreibt der ehemalige Jesuit: «Nach der MeToo-Debatte und 50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts muss man schon ziemlich lernresistent sein, wenn man unbekümmert ‘Betet, freie Schweizer’ und ‘Du Erhabener, Herrlicher’ singt.» (gs)


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https://www.kath.ch/newsd/auch-sturzbetrunken-ist-die-hymne-nicht-zu-lesen/