Liebe in homöopathischen Dosen geniessen

Blumen, Geld und Liebe: Das sind Stichworte zum Valentinstag. Nein, das ist nicht alles, sagen Myroslava Rap und Peter Michalik. Sie organisieren dieses Jahr in der Pfarrei Peter und Paul in Aarau eine Segensfeier für alle Liebenden. Und das erfolgreich.

Georges Scherrer

Möglicherweise trifft der alte katholische Valentinstag, der vor Jahren von der Blumenindustrie neu belebt wurde, um das Geschäft mit dem Verkauf von Blumen im Februar anzukurbeln, eine Ader im Menschen, welche die Amtskirche heute nicht mehr zu erreichen vermag. «Es scheint tatsächlich so zu sein», bemerkt der Mitarbeiter der Fachstelle Bildung und Propstei der katholischen Kirche im Kanton Aargau, Peter Michalik.

Der Mensch sei nun mal ein Wesen mit vielen Sinnen «und diese werden besonders in einer Valentinsfeier angesprochen». Michalik geht davon aus, dass der Erfolg des Valentinstages damit zusammenhängt, dass er für alle, die die Liebe in den Vordergrund stellen möchten, offen ist.

Die Valentinsfeier in Aarau wurde bereits mehrmals begangen und jeweils gut besucht, ergänzt die katholische Seelsorgerin Myroslava Rap aus Aarau. Offenbar bestehe das Bedürfnis, «einander als Paar einen Moment zu schenken und die Liebe unter Gottes Segen zu stellen».

Der Valentinstag biete Raum, um der Liebe einen feierlichen Rahmen zu geben. Und es mache durchaus Sinn, «die Liebe öfter zu feiern als nur bei der Eheschliessung», sagt Peter Michalik.

Auch wenn der Valentinstag wegen der mit ihm verbundenen Kommerzialisierung kritisiert werde, so spreche er mit dem Thema der Liebe etwas an, das alle Menschen angeht, «ob wir religiös sind oder nicht, als Paar oder als Single leben, alt oder jung sind. Da steht man einem solchen Tag eher wohlwollend gegenüber», bemerkt die Theologin Myroslava Rap.

«Liebe möchte gelebt und gefeiert werden.»

Peter Michalik

Zur katholischen Segensfeier in Aarau sind darum «alle Liebenden, alle Paare, egal in welcher Konstellation» sie leben, eingeladen. An diesem Abend gehe es ausschliesslich um die Liebe und nicht darum, wie oder wen man liebt. «Liebe braucht nicht viel, sie möchte gelebt und gefeiert werden», betont Peter Michalik und ergänzt: «Am liebsten mag es die Liebe, in kleinen, homöopathischen Dosen verabreicht zu werden. Egal, welcher Tag heute ist.»

Das Ziel der Valentinsfeier in Aarau sei es nicht, Gegensteuer zum Kommerz zu bieten. Jedoch eigne sich der Valentinstag besonders gut, um darauf hinzuweisen, «was in der Beziehung wichtig ist – und die Liebe zu feiern», so der Paar- und Eheberater Myroslava Rap.

«Zeit schenken, im Alltag anhalten, ganz füreinander da sein.»

Myroslava Rap

Die Theologin erinnert an eine alte Weisheit: «Die Paarbeziehung braucht Zeit füreinander.» Am Valentinstag könne man einander ganz bewusst «Zeit schenken, im Alltag anhalten, schauen, was man aneinander hat, ganz füreinander da sein». Das sei etwas, was jede Beziehung brauche. Und deshalb könne die Valentinsfeier für alle aktuell sein. Peter Michalik stellt ganz nüchtern fest: «Die Besucher der Segensfeier sind sehr durchmischt und das ist auch die Absicht.»

Segensfeiern in den Gemeinden

Die Segensfeier für alle Liebenden in Aarau steht unter dem Titel: «Liebe ist – was sie ist.» Sie findet in der Kirche Peter und Paul statt und beginnt um 19 Uhr. Nach der Feier wird ein Apéro angeboten.

Solche Segensfeiern zum Valentinstag finden an vielen Orten in der Schweiz statt. Über die beiden Stichworte Segensfeier und Valentinstag nennt Google eine ganze Liste von Orten, wo entsprechende Angebote im Terminkalender sind.

Der gescholtene Heilige

Der Valentinstag geht auf mehrere christliche Märtyrer namens Valentinus zurück. Der Gedenktag wurde 469 von Papst Gelasius 1. für die ganze Kirche eingeführt. Papst Paul VI. strich ihn jedoch 1969 im Rahmen der Heiligen-Reform aus dem römischen Generalkalender, weil über den Heiligen zu wenig bekannt sei, wie es im päpstlichen Schreiben «Pascalis mysterii» heisst. Dennoch hat sich der Valentinstag gehalten – und über die Segensfeiern auch im kirchlichen Bereich.

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