Aufgaben von Vatikanpräfekt Gänswein «umverteilt»

Erzbischof Georg Gänswein (63) ist laut einem Bericht der deutschen Zeitung «Die Tagespost» am Mittwoch von seinem Amt als Leiter des Päpstlichen Hauses beurlaubt worden. Der Vatikan spricht von «normaler Umverteilung der Aufgaben».

Möglicher Grund der vorübergehenden Beurlaubung ist laut der Zeitung eine «unglückliche Präsentation» eines Buches von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat, zu dem Benedikt XVI. einen Aufsatz besteuerte. Die Publikation wurde von Beobachtern als Affront gegen Franziskus aufgefasst, der möglicherweise eine begrenzte Lockerung der Zölibatspflicht in bestimmten Regionen und unter bestimmten Bedingungen anstrebt.

Andere Aufgabe, keine Entlassung

Statt von einer «Beurlaubung», wie es zuerst in Medienberichten hiess, spricht die vatikanische Pressestelle von einer «normalen Umverteilung der verschiedenen Aufgaben und Funktionen des Präfekten des Päpstlichen Hauses». Dazu gehöre «wie bekannt auch die Rolle des Privatsekretärs des emeritierten Papstes».

Gänswein trat seit einigen Wochen nicht mehr öffentlich auf. Zuletzt war der Präfekt am 15. Januar zu sehen – bei der wöchentlichen Generalaudienz des Papstes. Das war zwei Tage nach der Veröffentlichung des Buches von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat, zu dem Benedikt XVI. einen Aufsatz beigesteuert hatte.

Treuer Weggefährte Benedikts

Gänsweins Werdegang ist untrennbar mit Benedikt XVI. verbunden. Und wird es bleiben, wie er in einer Anfang Januar gezeigten Dokumentation des Bayerischen Rundfunks über den früheren Papst aus Bayern bekannte. Der Rücktritt Benedikts XVI. 2013 war einer der tiefsten Einschnitte in seinem Leben. Wie schwer es ihm fiel zu akzeptieren, dass «sein» Papst jetzt «Papa emeritus» ist, hat er in zahlreichen Interviews berichtet.

Mit der spontanen Art des neuen Papstes aus Argentinien zurechtzukommen, fiel Gänswein anfangs nicht leicht, wie er selbst sagt. Gewöhnen musste er sich wohl ebenfalls daran, nun weniger Einfluss zu haben. Früher war er nach eigenen Worten der «Schneepflug», der Benedikt XVI. vor der täglichen Lawine von Anfragen schützte. Er entschied darüber, wer zum Papst vorgelassen wurde.

Nicht mehr im engsten Vertrautenkreis

Unter Franziskus zählt er nicht mehr zum Kreis der engsten Vertrauten. Als Präfekt des Päpstlichen Hauses ist Gänswein für die offiziellen Termine verantwortlich, die der Papst vormittags im Apostolischen Palast absolviert: Begegnungen mit Staatsmännern, Kardinälen und sonstigen Gästen. Kurz vor seinem Rücktritt hatte Benedikt XVI. seinen treuen Weggefährten in diese Position befördert.

Franziskus suchte sich neue Privatsekretäre, beließ Gänswein aber im Amt des Präfekten. Das bleibt er vorerst weiterhin – auch wenn er derzeit weniger im Apostolischen Palast und mehr im Kloster auf dem Vatikanhügel tätig ist. (kna)


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