Schweizer Methodisten-Bischof hofft auf Lösung ohne Spaltung

Die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche (United Methodist Church) steht vor einer Spaltung. Grund dafür ist eine erbitterte Debatte um die Haltung gegenüber Homosexuellen. Der Bischof für Mittel- und Südeuropa, Patrick Streiff hofft, dass die Spaltung nicht auch sein Gebiet erfasst.

Regula Pfeifer

«Meine Hoffnung und auch mein Gebet ist, dass wir in unserem Gebiet Wege finden, zusammen zu bleiben», sagt der Methodisten-Bischof, der auch für die Schweiz zuständig ist, gegenüber kath.ch. Er sieht dafür durchaus Chancen. In Europa sei die Debatte um den Umgang mit Homosexuellen weniger heftig, und weniger angeheizt als in den USA.

Ziel des Bischofs ist es demnach, «dass wir mit der Diversität leben können und gemeinsam Kirche bleiben können». Die Einheit in der methodistischen Kirche zu bewahren und herzustellen, gehöre zum Grundauftrag jedes Bischofs und jeder Bischöfin, so Streiff. Unter Diversität versteht er, dass einzelne Gläubige, aber auch einzelne Methodistengemeinden ihren je eigenen Umgang mit homosexuellen Mitgläubigen finden.

Entscheid soll 2021 fallen

Wie dieser Weg konkret für das Bistum Mittel- und Südeuropa aussieht, wird sich weisen. Seit längerem und auch weiterhin laufen Gespräche in Arbeitsgruppen unter den anderen leitenden Personen der Methodistenkirche. Der Entscheid soll im März 2021 fallen, an der Zentralkonferenz der Methodisten von Mittel- und Südeuropa.

Die Europäer haben also Zeit, den Entscheid, den die weltweite Methodistenkirche im kommenden Mai fällt, zu besprechen. Auf dann ist die nächste Generalkonferenz der United Methodist Church anberaumt.

Streiff rechnet mit Abspaltung

Streiff geht stark davon aus, dass sich der traditionalistisch ausgerichtete Flügel der US-amerikanischen Methodistenkirche dann abspalten wird. Die Debatte um den Umgang mit Homosexuellen habe sich dort derart erhitzt, dass eine friedliche Trennung als die beste Lösung angesehen werde. Eine Abspaltung des traditionalistischen Flügels kann sich aus seiner Sicht aber auch positiv auf die übrige Methodistenkirche auswirken. Denn diese hätten bisher eine Öffnung gegenüber Homosexuellen blockiert.

Künftige Kirchenordnung unterwegs

Im Moment würden auf Ebene Weltkirche Texte für eine künftige Kirchenordnung entwickelt, die eine solche Abspaltung überhaupt ermögliche, weiss Streiff. Insbesondere erhalten sich trennende Synodenverbände und Gemeinden damit erstmals die Möglichkeit, ihren Kirchenbesitz zu behalten – sofern die Generalkonferenz im Mai diese Regelungen bewilligt.

Ein Ja dazu hat Folgen auch für Europa. «In meinem Bistumsgebiet stellt sich dann die Frage: Bleiben alle Teile zusammen? Oder wollen sich einzelne Teile und Länder abtrennen und einer traditionalistischen Kirche anschliessen, die neu gegründet wird?»

«Wir in Europa erhoffen uns, dass die regionalen Unterschiede wieder besser akzeptiert werden.»

Patrick Streiff, Methodisten-Bischof

Streiff hofft, dass solche Entscheide in «offenen, guten und ehrlichen Gesprächen» gefällt werden. Und er hofft, wie anfangs erwähnt, auf ein Zusammenbleiben in seinem Bistum.

«Wir in Europa erhoffen uns, dass mit den Entscheiden auf Weltebene auch die regionalen Unterschiede wieder besser akzeptiert werden», sagt Streiff und ergänzt: «Wir haben in unserer Tradition des Kircheseins gute Ansätze gehabt, um mit regionalen Unterschieden auf gute, hilfreiche Art umzugehen.» Die Frage der Homosexualität sei eine persönliche Ansicht, die «nicht den Kern der Glaubensüberzeugung zum Heil einzelner» betrifft. «Da kann man in guten Treuen unterschiedlicher Meinung sein.»

Unterschiede von Gemeinde zu Gemeinde

Bei den Schweizer Methodisten sind laut Streiff die Homosexuellen unterschiedlich gut integriert. In eher städtischen Gemeinden sind demnach Homosexuelle an manchen Orten als Laien im Kirchendienst aktiv, die offen in Paarbeziehungen leben. Oft seien diese Menschen in der Gemeinde gross geworden. «Wenn man mit einer Person in Kontakt ist und sie schätzt, stellen sich die Fragen nochmals anders», erklärt der Bischof die Offenheit. Demgegenüber seien andere methodistische Gemeinden «sehr traditionell geprägt». Dort wäre eine aktive Mitarbeit von Homosexuellen wahrscheinlich schwierig.

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