Pflicht-Zölibat: zerbröselnde Mauer

Wer eine Mauer zum Einsturz bringen will, darf nicht mit voller Wucht gegen sie angehen. Es ist gescheiter, einige Steine herauszubrechen. Die Mauer wird bald zerbröseln. Vor fast 50 Jahren hat uns der österreichische Medienpädagoge Franz Zöchbauer diese Taktik in einem Seminar über Meinungsbildung beigebracht.

Ein Beispiel für ein solches Vorgehen erleben wir wohl im Augenblick mit den Ergebnissen der Synode für Amazonien. Die Versammlung griff den Pflichtzölibat nicht frontal an. Doch sie lockerte in dieser Mauer einige Steine. Wenn «Zöch», wie wir den sympathischen Mann nannten, Recht hat, können wir uns auf einiges gefasst machen.

Es kann rascher gehen als viele erwarten. Denken wir an das Konzil und seine Aussagen zur liturgischen Sprache: Volkssprache dürfe in Messen mit dem Volk «ein gebührender Raum zugeteilt werden». Dennoch solle «die Kenntnis um die lateinischen Formeln nicht verloren gegeben werden».

Wir wissen, wie rasch es ging, bis die als Ausnahme geltende Bestimmung zur allgemeinen Norm wurde. Hoffen wir …

Walter Ludin 

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