Was mir heilig ist – Neue Aufmerksamkeit für Religion in der deutschen Literatur

55. Dialog des Forums für Offene Katholizität (FOK)

Seit 10, 15 Jahren ist im Kontext der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur eine neue Sensibilität für Religiös-Spirituelles zu beobachten. Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg legt dafür Zeugnis ab.  Als junger Dichter ist er aus der reformierten Kirche ausgetreten, jetzt, im Alter, ist er wieder eingetreten: aus Überzeugung. Adolf Muschg war Gesprächspartner beim FOK-Dialog vom 11. Februar 2019, im RomeroHaus Luzern.

Paul Jeannerat *

In der Reihe 2018/2019 gehen die Dialoge des Forums für Offene Katholizität (FOK) der Frage nach, was uns eigentlich heilig ist. Gesprächspartner der Theologie sind dabei Persönlichkeiten aus der bildenden Kunst, Literatur, Musik und der Architektur. Beim Dialog Nr. 55, am letzten Montag, stellte sich der Schriftsteller Adolf Muschg den Fragen von etwa 50 Interessentinnen und Interessenten und des Experten Christoph Gellner, unter Leitung von Moderator Thomas Staubli.

Das Gespräch verlief ausserordentlich eindrücklich. Man spürte, wie Muschg sich in seinem literarischen Schaffen mit der religiösen Frage auseinandergesetzt hat: «Auf das ›Heilige’ habe ich mich schon ein Stück zubewegt – auch wenn ich nicht weiss und wissen muss, was war, ist und sein wird». Dass einzelne seiner Werke als «so etwas wie ein religiöser Roman» empfunden werden, erstaunt ihn selbst: «Das, was ohne unser Zutun immer schon da ist, sozusagen die Gegenwartsform des Heiligen, hat etwas mit Kunst zu tun». Angesichts der Globalisierung der Weltwirtschaft und der zunehmenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die unsere Welt in den Abgrund reitet, empfindet Muschg, dass die Werte der Religionen absolut existenziell nötig sind.

Christoph Gellner (Leiter des Theologisch-pastoralen Bildungsinstituts der deutschschweizerischen Bistümer (TBI) in Zürich) war als Muschgs Gesprächspartner bestens qualifiziert, hat er doch seine Dissertation auf dem Grenzgebiet von Theologie, Literatur- und Religionswissenschaft verfasst und ist Autor von «Westöstlicher Brückenschlag» (Theologischer Verlag Zürich, 2010), einer Auseinandersetzung über «Literatur, Religion und Lebenskunst bei Adolf Muschg». Er legte eine Palette spezifischer Zitate vor, die aufzeigten, wie Muschg ringt um das Verständnis des Heiligen.

Den beiden Referenten wurde grosse Aufmerksamkeit zuteil. Man spürte förmlich das Mitgehen der Zuhörerschaft, das eigene Suchen nach dem, was uns heilig ist.

Das erfreuliche Fazit dieses Dialogs: In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur werden seit wenigen Jahren religiös-spirituelle Themen vermehrt bearbeitet. Es scheint, dass Ehrfurcht vor dem Heiligen neu erwacht ist und die Leistungen der Kirchen und der religiösen Menschen für die Gesellschaft wieder stärker gewichtet werden.

Dialog 56 bis 58

In der Reihe «Was mir heilig ist» sind noch zwei weitere FOK-Dialoge in Vorbereitung: Am Montag, 29. April 2019 stellt sich der Musiker und Komponist Peter Roth (u.a. «Toggenburger Messe») dem Gespräch mit der reformierten Pfarrerin und geistlichen Begleiterin Noa Zenger (14 Uhr, im RomeroHaus Luzern) und am Sonntag, 26. Mai 2019 begegnet der Architekt Gion A. Caminada (ETH Zürich) der Theologin Sonja Ammann (Professorin Altes Testament an der Universität Basel, im Zwinglihaus Basel).

Traditionsgemäss werden zum März-Dialog die PreisträgerInnen des «Herbert-Haag-Preises für Freiheit in der Kirche» zum Gespräch eingeladen. Am 25. März 2019 (14 Uhr, RomeroHaus) werden dies die LeiterInnen des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und des schweizerischen katholischen Kinder- und Jugendverbands Jungwacht Blauring (JuBla) sein: Dirk Bingener, Thomas Andonie, Monika Elmiger, Regula Kuhn und Valentin Beck. Die beiden Organisationen erhalten den Preis für ihren Einsatz für die katholische Jugend «vom Betreuungsobjekt zum Glaubenssubjekt der Kirche».

*Paul Jeannerat ist Mitglied des Leitungsteams des Forums für Offene Katholizität (FOK).

 

 

 

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