Maria als stolze Königin, Mutter oder Jungfrau

Stans, 31.1.19 (kath.ch) In der Ausstellung «Madonna und Maria Reprise» werden ausgewählte Werke aus der Sammlung der Frey-Näpflin-Stiftung sowie des Nidwaldner Museum im Winkelriedhaus in Stans präsentiert. Maria hat ganz unterschiedliche Gesichter.

Vera Rüttimann

Maria ist die bekannteste weibliche Figur der christlichen Glaubenswelt. Seit zwei Jahrtausenden ist sie auch ein äusserst beliebtes Motiv der westlich-christlichen Kultur. In dieser Zeitspanne bildeten sich Darstellungstraditionen aus, die Maria einmal als stolze Königin zeigen, dann wieder in der Mutterrolle oder als jungfräuliches Wesen, das den Wolken entschwebt. So wie die «Sichelmadonna» des Künstlers Melchior Paul von Deschwanden aus dem 18. Jahrhundert. Das Werk ist Teil einer Ausstellung im Frey-Näpflin-Raum des Winkelriedhauses in Stans.

Umtriebiges Sammler-Ehepaar

Auch das Stifter-Ehepaar Ruth und Anton Frey-Näpflin hatte wohl einen engen Bezug zu Maria, finden sich doch viele Bildnisse der Gottesmutter in der Sammlung an Kunstwerken, die das Paar während 50 Jahren sammelte. Um die Werke ihrer Privatsammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, eröffnete das Ehepaar im Jahr 2005 ein eigenes Museum in Stans. Betreiberin war die seit 2004 bestehende Frey-Näpflin-Stiftung. Seit 2017 besteht eine Kooperation zwischen der Stiftung und dem Kanton Nidwalden.

Eine Auswahl des Bestandes der Frey-Näpflin-Stiftung fand als Dauerleihgabe Eingang in die Sammlung des Nidwaldner Museums, von dem in der aktuellen Ausstellung ebenfalls Bilder zu sehen sind. «Gezeigt wird nur ein kleiner Ausschnitt von Themen rund um Maria, dennoch ist sie sehenswert», erklärt Patricia Keller, Kuratorin und stellvertretende Leiterin des Winkelriedhauses. Dabei seien Werke unterschiedlicher Stile und Techniken zu sehen sowie unterschiedliche künstlerische Interpretationen der Figur Mariens.

Votivtafeln und Marienkult

Mit Maria wurden nicht selten auch Wunder verbunden, die durch ein Gebet an sie ausgelöst werden sollten. So entstand auch in der Zentralschweiz ein Gnaden- und Fürbittkult, in dessen Zentrum Maria als Nothelferin und Beschützerin stand. Häufig wurden die Gebete in Form von Votivtafeln verewigt, in die Worte und Bilder eingerizt wurden.

«Oftmals gestalteten Laienkünstler die Votivtafeln.»

Ganz besonders schöne Exemplare, die aus der Kapelle Maria-Rickenbach bei Oberdorf stammen, werden hier in einem Glaskasten präsentiert. Patrizia Keller, die durch die Vorbereitung dieser Ausstellung erstmals von Votivtafeln hörte, sagt: «Ich finde es schön, dass es oftmals auch Laienkünstler waren, die diese Votivtafeln gestaltet haben.» Einige der Stücke hier seien künstlerisch sehr wertvoll.

Eine ungewöhnliche Figur steht im Zentrum des Raumes und zieht die neugierigen Blicke der Besucherinnen und Besucher auf sich. Unter Kunstkennern ist sie bekannt als «Anna Selbdritt». Das Werk der Sammlung Frey-Näpflin-Stiftung aus dem 15. Jahrhundert zeigt die Heilige Anna, die Mutter von Maria, sowie Maria und deren Sohn Jesus.

Nur das edelste Material

Am häufigsten wird Maria als stolze Königin, die über dem Himmel schwebt und von Heiligen und Engeln umgeben ist, dargestellt. Gerade in der Zentralschweiz wimmelt in Kirchen und Kapellen von solchen Bildern. Man denke nur an den bekannten Wallfahrtsort Hergiswald. Meist sind es nicht nur Gnadenbilder, sondern auch Krönungsszenen. So wie der Krönungsakt auf der Darstellung von Johannes Brandenberg aus dem Jahr 1712, der hier zu sehen ist. Eine ähnliche Darstellung präsentiert Patrizia Keller mit dem Bild «Mutter und Jesuskind mit Kronen» von Hans von Matt.

Die Bedeutung Mariens, das zeigt diese Ausstellung gut, spiegelt sich auch in der Wahl und Verwendung des Materials für ein Werk wieder. Patrizia Keller steuert auf eines ihrer Lieblingstücke dieser sorgfältig kuratierten Ausstellung zu: einen von einem unbekannten Künstler gestalteten Hinterglasaltar. «Der Altar ist in der Pietradura-Technik gestaltet, einer sehr aufwändigen Zusammensetzung einzelner farbiger Steinstücke», erklärt die 37-Jährige.

Die Kuratorin weist zudem auf die Bedeutung der Farbe Blau hin, die man bei der Darstellung Mariens häufig vorfinde. Oft seien dabei kostbare Farbtöne wie Ultramarin, Lapislazuli oder Indigo verwendet worden. Patrizia Keller weiss: «Die Farbe Blau steht für Reinheit und das Königliche.»

Die stickende Madonna

Als nächstes zeigt die Zürcherin dem Gast die «Stickende Madonna», ein Bild von Cornelis de Baellieur aus dem 17. Jahrhundert. Auf diesem Gemälde wird Maria neben der Wiege Jesu bei der Fertigung des «Heiligen Leibrocks» abgebildet. Patrizia Keller findet es «ein sehr spezielles Bild von Maria, weil es keine alltägliche Darstellung der Mutter Gottes ist. Hier sieht man sie mal nicht in klassischer Pose mit Lichtschein oder Krone, sondern mit Handarbeit im Alltagsleben.»

Die Handarbeit verweist laut Keller auf eine eine klassisch weibliche Tätigkeit, die direkt mit der Lebenswelt von Frauen aus der Entstehungszeit dieses Bildes zusammenhängt. Diese Darstellung sei wichtig gewesen für damalige Frauen, erklärt Keller, habe sie doch eine Identifikationsmöglichkeit für weibliche Kirchenmitglieder geboten.

Neben Malereien gibt es auch Kunstwerke mit Objekt-Charakter zu bestaunen. «Wir wollten mit dieser Ausstellung die verschiedenen Techniken und Materialien aufzeigen, die man in den jeweiligen Stilepochen angewandt hat», sagt Patrizia Keller.

Sie weisst auf die «Mondsichel»-Madonna von einem unbekannten Künstler aus dem 18. Jahrhundert hin. Die Holzfigur ist umstrahlt von einem grossen hölzernen Lichtkranz in Gold. Gleich daneben ist der Wandbehang mit dem Titel «Madonna mit Kind» von Annemarie von Matt zu sehen. Das Werk aus dem Jahr 1931 aus der Sammlung Nidwaldner Museum gefällt Patricia Keller besonders gut: «Es kommt modern und zeitgemäss daher.»

Marie goes viral

Maria war für lange Zeit die bekannteste und verehrteste Frau der westlichen Kultur. Sie hatte, das macht diese Ausstellung deutlich, tiefgreifenden Einfluss auf die Kirche und die Kunst. Auch wenn ihre Bedeutung in einer säkularisierten Gesellschaft mehr und mehr verschwinde, so gehe Maria in der Kunstgeschichte nach wie vor «viral», betont Patrizia Keller. Die Zürcherin, die reformiert aufgewachsen ist, hat persönlich keinen Bezug zur Figur Maria. Sie betont aber: «Ich habe Kunstgeschichte studiert. Und in der Kunst kommt wirklich kaum einer an ihr vorbei.»

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/maria-als-stolze-koenigin-mutter-oder-jungfrau/