9000 Goldplättchen für die Kuppel der orthodoxen Kirche von Vevey

Vevey VD, 13.8.18 (kath.ch) Die Turmkuppel und das Kreuz der russisch-orthodoxen Kirche in Vevey werden restauriert. 9000 Goldblätter müssen darauf angebracht sein, wenn im Oktober der 140. Jahrestag der Einweihung des Gebäudes, das der Heiligen Barbara gewidmet ist, mit grossem Pomp gefeiert wird.

Bernard Hallet

Die Kuppel der Russisch-orthodoxen Kirche in Vevey ist seit Ende Juni eingerüstet. Hinter dem Gerüst versteckt sind Spezialisten auf der Spitze der Kirche beschäftigt. Sanft löschen sie Unebenheiten, gehen mit dem Schwamm darüber, schleifen das Kupfer mit Sandpapier, um die Zwiebel zu glätten. Sobald diese Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen sind, können die Handwerker die Goldblätter auftragen und so der Kirchenspitze ihren Glanz zurückgeben.

Symbol für die Ewigkeit Gottes

Insgesamt 9000 quadratische Goldblätter, 0,2 Mikrometer dick und leicht überlappend, werden die Kuppel und das Kreuz bald bedecken. «Es geht nicht darum, Eindruck zu schinden», stellt der Diakon Michel Vernaz gleich klar, der für den Ort verantwortlich ist. Die mit Gold bedeckte Kuppel symbolisiere in der Tat eine Flamme, die zum Himmel aufsteigt und die Welt erleuchtet. Eine Flamme, die sich «zu Gott hinstreckt», so Vernaz. «Gold ist auch im orthodoxen Gottesdienst sehr präsent, besonders auf Ikonen. Sie symbolisiert die Zeitlosigkeit, die Ewigkeit Gottes».

Protest von Gemeindemitgliedern

Einige Gemeindemitglieder hatten sich über das Projekt aufgeregt. Sie befürchteten zu hohe Kosten. Die Blätter des wertvollen Edelmetalls kosten 20’000 Franken. «Das ist der Preis eines Kleinwagens», sagt Michel Vernaz. «Die letzte Restaurierung wurde vor 40 Jahren realisiert. Wir konnten nicht länger warten und dabei riskieren, noch grössere Arbeiten umsetzen zu müssen.» Der Priester schlüpft zwischen den Metallbalken durch und begrüsst jeden Arbeiter, der sich über die Kuppel beugt. Die starke Hitze und die Windstille am Nachmittag erschweren die Arbeit.

Das Gold strahlt eine warme gelbe Farbe aus, die an Feuer erinnert.

«Die Wahl des Goldes ist praktisch», so Michel Muttner, der Kunstrestaurator, der den Ort koordiniert. «Dieses Metall ist ideal, weil es wetterbeständig, formbar, weich und leitend ist.» Der Restaurator und der Diakon entschieden sich für die Goldsorte «Liberty». Diese strahlt eine warme gelbe Farbe aus, die an Feuer erinnert. Und sie ist widerstandsfähig gegenüber Einflüssen von Klima und Wetter.

Feier mit Pomp

Die Arbeiten müssen bis spätestens Anfang Oktober abgeschlossen sein. Die Kuppel der Kirche Sainte-Barbara soll anlässlich des 140. Jahrestages der Einweihung dieser ersten im Kanton Waadt errichteten orthodoxen Kirche wieder leuchten. Das Jubiläum wird mit grossem Pomp gefeiert. «Ein Moskauer Chor reist extra zu diesem Anlass an», freut sich der Protodiakon.

Eine Innenrenovation bräuchte ein Budget von zwei Millionen.

Doch mit der aktuellen Renovation ist es für Vernaz nicht getan. Er findet, die regelmässig gewarteten leuchtenden Aussenwände der Kirche stünden in starkem Kontrast zu den durch den Weihrauch geschwärzten Fresken im Innern, die im orthodoxen Kult verwendet werden, und zum von den Kerzen erzeugten Russ. Eine Renovierung des Kircheninneren sei dringend, so Vernaz. Doch bräuchte es ein Budget von rund zwei Millionen Franken, um den Glanz von 1878 wiederherzustellen.

Russische Aristokraten und Revolutionäre

Die orthodoxe Kirche wurde am 13. Oktober 1878 eingeweiht. Dies hatte mit der Entwicklung des Tourismus an der Waadtländer Riviera in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu tun. Viele Russen, Aristokraten, Studenten, Revolutionäre hielten sich damals am Ufer des Genfersees auf. Ein russischer Aristokrat setzte sich für den Bau der Kirche ein und finanzierte das Unternehmen. (cath.ch/Übersetzung: rp)

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