Bischof Vitus Huonder: «Verhütung gehört zur Kultur des Todes»

Chur, 29.6. 18 (kath.ch) Der Churer Bischof Vitus Huonder bricht in seinem jüngsten Bischofswort (29. Juni) eine Lanze für die Enzyklika «Humanae Vitae» von Papst Paul VI. Deren Erscheinen jährt sich am 25. Juli zum 50. Mal. Zentrales Thema ist die Auffassung der Kirche über die menschliche Fortpflanzung.

In seinem Schreiben erinnert Vitus Huonder an wesentliche Punkte der Enzyklika. Demnach bedeute die Liebe zwischen Mann und Frau, «in Freud und Leid des Alltags durchzuhalten», sie sei ganzheitlich, treu und «ausschliesslich bis zum Ende des Lebens». Und, last but not least, sei diese Liebe «fruchtbar». «Mit diesen Eigenschaften können die ehelichen Beziehungen gelingen», schreibt der Bischof von Chur.

Empfängnisregelung und Empfängnisverhütung

Ins Zentrum seines Schreibens stellt der Bischof in der Folge das Sexualleben der Ehegatten. Hier spricht er, wie die Enzyklika, von «verantworteter Elternschaft». Es gelte  zu unterscheiden zwischen der Empfängnisregelung und der Empfängnisverhütung. «Die Kirche empfiehlt und fördert die sogenannte natürliche Empfängnisregelung». Der weibliche Zyklus, der einige wenige fruchtbare Tage kenne, sei Teil der Schöpfungsordnung. Die Kirche empfiehlt, dass die Ehepartner «für ihr Zusammenkommen die unfruchtbare Phase des Zyklus» wählen sollen. An den «relativ wenigen fruchtbaren Tagen» sollen sie Enthaltsamkeit üben.

Dies erfordere von den Ehepartnern Selbstdisziplin und Mässigung, was einer Änderung ihres Sexualverhaltens gleichkomme. Dies im Unterschied zur Empfängnisverhütung, bei der nicht das Sexualverhalten, sondern lediglich dessen unerwünschten Folgen verhindert würden.

Prophetische Bedeutung der Enzyklika

Es gehe um die Frage, so Huonder, womit der Mensch seine Geschlechtlichkeit steuere: «ob er es mit seinem Charakter, mit Selbstbeherrschung, tut oder ob er die Steuerung einem Verhütungsmittel» überlasse.

Huonder lobt die «prophetische Bedeutung» der Enzyklika: «Denn alle Befürchtungen, welche Paul VI. äusserte, sind eingetroffen.» Namentlich habe dieser schon von der «Destabilisierung von Ehe und Familie» gesprochen, zu welcher die Entkoppelung von Sexualität führen würde. Diese Destabilisierung der Ehen und damit der Familien hat laut Huonder stark zugenommen. Das führe zu Bindungsangst und Bindungsunfähigkeit. Zudem sei die Grenze zwischen Abtreibung und Verhütung fliessend geworden, da manche Verhütungsmittel «frühabtreibend» wirkten, indem sie das Einnisten des Embryos in die Gebärmutter verhinderten.

Fortpflanzung ohne Sexualität

Huonder stellt fest, dass die Entkoppelung von Sexualität und Fruchtbarkeit nicht nur zu Sexualität ohne Fortpflanzung, sondern auch umgekehrt zu Fortpflanzung ohne Sexualität geführt habe. Er erwähnt die neuen Fortpflanzungstechnologien, welche das Leben unzähliger Embryonen zerstöre.

«Verhütung gehört zur Kultur des Todes», resümiert Huonder. Viele seien sich dieses Zusammenhangs nicht bewusst, weshalb unter neuer Berufung auf «Humanae Vitae» aufgezeigt werden müsse, «wie die Kirche die Schöpfungsordnung versteht.»

Kirchliche Lehre von vielen abgelehnt

Der Churer Bischof ist sich bewusst, dass «diese Lehre der Kirche von vielen abgelehnt» wird. «Aber die Kirche muss damit rechnen, dass sie wie schon ihr Stifter zum Zeichen gesetzt wird, dem widersprochen wird.»

Das Wort des Bischofs sei nicht für das Verlesen im Gottesdienst gedacht, heisst es im Begleitmail an die Mitarbeitenden des Bistums. Es «darf und soll aber sonst in geeigneter Weise in die Verkündigung einfliessen». (sys)

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