Drei Wirtschaftsstudenten leben in christlicher Wohngemeinschaft

St. Gallen, 2.3.18 (kath.ch) Die Konstellationen einer Wohngemeinschaft, genannt WG, können grundverschieden sein. Es gibt Zweck-WGs mit Kommilitonen, Frauen-Wohngruppen oder betreute Wohnformen. Dass das Christentum die Prämisse für eine Studenten-Kommune ist, kommt eher selten vor. Drei Studenten in St. Gallen bilden eine solche Wohngemeinschaft.

Daniela Huber-Mühleis

Die Dreizimmer-Wohnung im dritten Stock liegt nur wenige Gehminuten von der Hochschule St. Gallen entfernt. Beim Betreten der Unterkunft deutet nichts darauf hin, dass sich hier drei junge Studenten zu einer speziellen Wohnform zusammengefunden haben. Seit sieben Monaten wohnen sie nun zusammen. Der Gemeinschaftsraum ist nicht ein Wohnzimmer, sondern die kleine, aber gemütliche Küche.

Christliche Symbole oder Motive an den Wänden sucht man auch in den Schlafzimmern, die karg eingerichtet sind, vergebens. Ein Internet-Anschluss fehlt. «Fürs Wochenende fahren wir immer nach Hause, nach Basel», erklärt Elias Appius. Er ist einer der drei Männer in diesem Haushalt und kocht nun Spaghetti fürs Abendessen, währenddem Benjamin* den Salat schöpft

Jünger Jesu

«Unsere WG definiert sich als christlich, weil wir Bewohner Christen sind. Zudem zeigt es sich auch durch unser Zusammenleben nach Gottes Wort in der Liebe, Fürsorge und Hilfsbereitschaft», sagt Appius. Dabei sind für das Trio Lob- und Dankeslieder zu singen und Gebete zu sprechen wichtige Bestandteile ihrer Gemeinschaft. Für die Studenten besteht der Sinn einer christlichen WG in der Nachfolge als Jünger Jesus. «Dafür eignet sich die Kommune bestens, um miteinander zu wachsen, sich zu ermutigen, zu stärken und füreinander zu sorgen», meint Appius.

Bibellesen und diskutieren

Die drei Studenten sprechen auch fast täglich über Gottes Wort oder lesen zusammen in der Bibel. Dabei sei der Austausch unglaublich lebendig und schaffe oft neue, tiefe Erkenntnisse, die ihnen teils grosse Freude und Begeisterung bereite. Von den anderen HSG-Studenten werden die Mitglieder christlicher WGs nicht links liegen gelassen. «Wir sind zwar nicht dabei, wenn die Kommilitonen in die Disco gehen oder sich im Ausgang besaufen. Aber wir bekommen von den Kollegen immer wieder gute Feedbacks für unser Bestreben, nicht die Karriere, sondern den Mitmenschen in den Vordergrund zu stellen», erzählt Benjamin, der früher in Basel auch Theologie-Semester belegt hat.

Geschlechtertrennung sinnvoll

Die 23, 24 und 30 Jahre alten Basler Studenten belegen an der Hochschule St. Gallen die Master-Studienrichtungen in Unternehmensführung, Rechnungslegung und Finanzen sowie in Internationalem Recht. Alle drei arbeiten zudem Teilzeit: Im Controlling, Catering und in der Forschung. Sie kommen aus verschiedenen Kirchen, bezeichnen sich aber nicht als freikirchlich. «Für uns ist dies nicht entscheidend. Das Zusammenleben und die christliche Gemeinschaft sind uns wichtig», betonen die jungen Männer.

«Auch nichtreligiöse Studenten sind herzlich willkommen.»

Zusammen wird denn auch regelmässig vor dem Essen für persönliche Anliegen oder abends als Dank gebetet. Ihr soziales Attribut ist, dass sie als Gemeinschaft offen sind für Gäste. Vor allem neue Uni-Studenten, meistens Christen, werden jeweils am Donnerstag grüppchenweise zum Abendessen eingeladen. «Alle sind herzlich willkommen. Auch nichtreligiöse Studenten. Für die Wohnform erachten wir aber nach biblischem Prinzip eine Geschlechtertrennung als sinnvoll», sagt Appius.

Gemeinsam besuchen sie die ICG, die Interkonfessionelle Gruppe an der Uni, wo sie sich musikalisch oder inputmässig engagieren und wo sie auch am Erntedankfest teilnahmen. Ansonsten gehen sie individuell den Aktivitäten ihrer eigenen Kirchen nach. Gemäss Appius soll es in St. Gallen ungefähr eine Handvoll christlicher Wohngemeinschaften geben.

Die drei Studenten haben sich vorher schon gekannt. «Meistens laufen die Kontakte über Bekannte und Kollegen. Es gibt aber auch eine Internetseite für christliche WGs. Hier finden Interessierte sämtliche damit verbundenen Informationen», sagt Appius.

Symbiose gebildet

Organisatorisch unterscheidet sich die christliche WG kaum von einer anderen Studentenbude. «Wir haben eine gute Symbiose gebildet, geregelt durch einen Ämtliplan. Auch teilen wir ähnliche Vorstellungen von Ordentlichkeit und reden miteinander, wenn uns etwas stört. Wobei ich auch gelernt habe, über einen Patzer hinwegzusehen», sagt Appius.

Erinnerungsfoto für die Pinnwand

Von den Gästen wird beim Abschied, zusammen mit den Gastgebern, ein Polaroid-Foto gemacht. Dieses findet dann an der Ausgangstüre, die als Pinwand dient, einen Platz. Zusammen mit einer Widmung, einem Bibelzitat oder einem Segenswunsch der Gäste.

*Name der Redaktion bekannt

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/drei-studenten-leben-in-wg-nach-gottes-wort/