Bischöfe sponsern internationale Konferenz über Missbrauch

Freiburg, 27.10.17 (kath.ch) Die «European Society for Trauma and Dissociation (ESTD)» (Europäische Gesellschaft für Trauma und Pesönlichkeitsabspaltung) organisiert alle zwei Jahre einen internationalen Kongress. Der nächste findet vom 9. bis 11. November in Bern statt. Die Organisatoren gelangten an die Schweizer Bischofskonferenz (SBK). Der Basler Bischof Felix Gmür und Martin Werlen, Alt Abt des Klosters Einsiedeln, werden an der Konferenz auftreten.

Die SBK nahm die Einladung der ESTD an, sagte Encarnación Berger-Lobato, Leiterin des Bereichs Marketing und Kommunikation bei der SBK. Gleich auf zwei Arten sind die Bischöfe am Kongress nun präsent: Einerseits treten der Basler Bischof Felix Gmür und der ehemalige Abt von Einsiedeln, Martin Werlen, an der Konferenz als Referenten auf. Ausserdem tritt die SBK tritt als Hauptsponsorin auf. Ein Teil des SBK-Budgets werde jeweils dem Präsidium zugeteilt, so Berger-Lobato auf Anfrage. Dieses habe einen Betrag zugunsten der ESTD-Konferenz gesprochen. Nebst der SBK unterstützen auch verschiedene private psychiatrische Kliniken, die Schweizerische Kriminalprävention und die Stadtpolizei Zürich die Konferenz.

Zum ersten Mal weltweit richte sich ein Traumakongress nicht nur an Mediziner und Therapeuten, sondern auch an Verantwortliche in Prävention und Justiz, schreibt die SBK in einer Mitteilung von Freitag. Die SBK ist seit 2002 mit ihrem Fachgremium «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» in diesem Bereich aktiv. Seither habe sie immer wieder festgestellt, wie wichtig und unabdingbar eine interdisziplinäre Herangehensweise sei, um nachhaltige Verbesserungen und Lösungen zu erreichen.

Aus diesem Grund trete die SBK als eine der Hauptsponsorinnen des Anlasses auf. Sie bietet zudem ein zentrales Symposium an und wird während des ganzen Kongresses auch mit einem eigenen Stand präsent sein, teilt die Bischofskonferenz mit

Erstmals erliess die SBK 2002 Richtlinien gegen sexuelle Übergriffe in der Seelsorge und setzte das nationalen Fachgremium «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» ein. Mit diesen Massnahmen stellte sich die Bischofskonferenz «dezidiert auf die Seite der Opfer sexueller Übergriffe im kirchlichen Umfeld», heisst es in der Mitteilung der SBK weiter.

Zwei gewichtige Vertreter der Bischöfe

Am Kongress wird Bischof Felix Gmür auftreten. Er ist Vizepräsident der Schweizer Bischofskonferenz und vertritt diese im Fachgremium «Sexuelle Übergriffe». In Bern wird er zum Thema «Eine gewagte Entwicklung: Aufarbeitung, Transparenz, Nulltoleranz, Professionalität und Prävention» sprechen.

Martin Werlen gehörte von 2001 bis 2013 als Abt des Klosters Einsiedelns der Bischofskonferenz an.  In dieser Zeit war er unter anderem zuständig für das Fachgremium «Sexuelle Übergriffe». Er stellt seinen Vortrag unter den Titel: «Paradigmenwechsel: Von der ‘kirchlichen’ Ehrlichkeit zu einer ehrlichen Kirche».

Sexuelle Übergriffe waren bis vor kurzer Zeit in der Gesellschaft ein Tabu. Sich diesem Thema zu stellen sei «keine Schalterdrehung, sondern ein Prozess», heisst es auf der Website der ESTD. Aufgrund der eigenen Erfahrungen schildere Werlen, wie er selbst mit dem Thema umgegangen sei, was den Prozess zu einem anderen Umgang damit bei ihm ausgelöst habe und wie er versuche, andere auf diesen Prozess mitzunehmen.

Missbrauchsfälle in der Kirche Schweiz

Martin Werlen hatte 2010 als Abt von Einsiedeln eine unabhängige externe Untersuchungskommission eingesetzt, um Missbrauchsvorwürfen im Kloster nachzugehen. Die Kommission publizierte 2011 ihre Ergebnisse. Seit 1945 hatten gemäss der Kommission 15 Mönche des Klosters Einsiedeln sexuelle Übergriffe begangen. Neun vergriffen sich an Minderjährigen. Es wurden vierzig Opfer bekannt. Seit 1998 seien keine neuen Fälle vorgekommen. 1998 erliess das Kloster Richtlinien zum sexuellen Missbrauch.

In einer Bussfeier gedachten die Schweizer Bischöfe und Ordensobern 2016 der Opfer sexueller Übergriffe im kirchlichen Umfeld. Im Beisein von Opfervertretern bekannten sie in der Basilika von Valeria in Sitten die Schuld der Kirche.

Eine statistische Übersicht des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» wies für den Zeitraum der Jahre 2010 bis 2015 223 gemeldete Opfer und 204 Täter aus. Anfang 2017 wurde der Fall eines Schweizer Kapuziners publik, der Dutzende von Knaben missbraucht hatte. (gs)

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