Spitalseelsorge für Kinder darf nicht nur Notfallseelsorge sein

Basel, 7.7.17 (kath.ch) Das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) hat der Spitalseelsorge gekündigt. Heute gibt es dort keine professionellen Spitalseelsorger mehr. Als unhaltbar erachten die Präsidenten der Kirche beider Basel die Situation. «Spitalseelsorge ist ein Kerngeschäft der Landeskirchen», sagt der Präsident des Landeskirchenrats Basel-Land, Ivo Corvini.

Vor zwei Jahren überarbeiteten die katholischen und die reformierten Kirchen von Basel-Stadt und Basel-Landschaft den Vertrag mit dem Spital. Die Kirchen bezahlen die 80-Prozent-Stelle, welche sich ein katholischer und ein reformierter Seelsorger teilen. Das Spital stellt ein Büro zur Verfügung. Dieses kündigte jedoch ein Jahr später den Vertrag. Im Frühling verliess die letzte Seelsorgerin das Spital. Seitdem ist die Stelle nicht mehr besetzt.

Spital und Kirchen seien an einer Lösung interessiert, erklärte Corvini auf Anfrage. Bis heute sei jedoch keine solche gefunden worden. Die Zeit dränge jedoch. Der Vertrag laufe Ende Jahr ab. Dies setze die Kirchen vor einige Schwierigkeiten. Es sei nötig, baldmöglichst einen neuen Vertrag aufzusetzen.

Ein «Kerngeschäft»

Die Kirchen seien an einer langfristigen Lösung interessiert. Corvini bezeichnete gegenüber kath.ch die Spitalseelsorge als ein Kerngeschäft der Landeskirchen. Die Spitalseelsorge werde ökumenisch geführt und richte sich nicht nur an Christen. Die Muslime beteiligten sich nicht an der Organisation, weil sie nicht öffentlich-rechtlich anerkannt seien.

Spitaldirektor Marco Fischer sieht das Problem und verweist als Übergangslösung auf die Möglichkeiten einer Notfallseelsorge. Er wies gegenüber Radio SRF auf die kurze Aufenthaltsdauer von durchschnittlich fünf Tagen bei Kindern im Spital hin. Viele gehörten zudem keiner Landeskirche an. Wenn man den Seelsorger brauche, dann sei dieser aufgrund seines kurzen Arbeitspensums nicht im Haus, sagte Fischer weiter. Die Kinder seien im Spital «einem sehr dichten Programm» ausgesetzt. Wenn ein Seelsorger hinzukomme, müsse man dies gut «einflechten».

Das Spital verfüge über eine Übergangslösung, wenn Eltern oder Kind ein spirituelles Gespräch wünschten, so Fischer. Dann werde beispielsweise der Pfarrer aus der Wohngemeinde des kleinen Patienten organisiert. Das Spital könne über das vorhandene Netzwerk auf entsprechende Wünsche der Patienten und ihrer Angehörigen reagieren.

Netzwerk ersetzt Professionalismus nicht

Gar nicht zufrieden mit dieser Lösung ist der Kirchenratspräsident der reformierten Kirche Basel-Stadt, Lukas Kundert. Bei diesem Lösungsmodell müsse man auf den Goodwill der Kollegen und Kolleginnen in der Seelsorge hoffen, sagte Kundert gegenüber dem Sender. Kundert geht davon aus, dass die Bereitschaft «relativ schwach» sei, in einem Betrieb auszuhelfen, «wo man derart ungewollt ist».

Offenbar zähle in diesem Spital alles, was neben der Medizin auch noch wichtig sei, nicht mehr: «Als Kind ist man wie eine Maschine, die man richtig ölen muss, damit sie richtig läuft.» Um aber über seelische Zusammenhänge, die für Kind und Eltern wichtig seien, zu reden, brauche es kompetente Fachleute, erklärte Kundert. Für dieses Anliegen der Kirchen wünscht sich Kundert etwas mehr Verständnis vom Spital. (gs)

 

 

 

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