Zürich, 5.3.17 (kath.ch) «Als Gott eine Göttin war»: So heisst die neue Vortragsreihe des katholischen Frauenbunds Zürich (KFB Zürich). Sie startet am 6. und 7. März mit dem Thema «Von der Muttergöttin zu Eva». Es seien Bezüge zwischen biblischen Frauenfiguren und vorchristlichen Göttinnen zu entdecken, erklärt die referierende Historikerin Magdalen Bless-Grabher.
Regula Pfeifer
Das männliche Gottesbild, das die jüdisch-christliche Kultur prägte, sei eine relativ «junge» Vorstellung, heisst es auf dem Hinweis zur Bildungsveranstaltung «Von der Muttergöttin zu Eva» im «Aki», der Katholischen Hochschulgemeinde Zürich. Viel älter sei hingegen das Bild der lebensspendenden Muttergöttin. Diese habe während Jahrtausenden die religiöse Vorstellungswelt der Menschen beherrscht. Damit verbunden sei ein relativ hoher Stellenwert der Frauen gewesen.
Auch in der Bibel sind offenbar Spuren dieser Muttergöttin zu finden. «Eva hat eine führende Rolle in der Geschichte der Genesis. Sie erinnert stark an die grossen alten Göttinnen früher Kulturen», sagt die Historikerin Magdalen Bless-Grabher, die das Thema intensiv studiert und den Orient oft bereist hat. Sie wird den Vortrag beim KFB Zürich halten. Eva hat laut Bless zwei Attribute: die Schlange und den Baum. Auch frühere Göttinnen hätten die Schlange als Symbol gehabt, diese symbolisiere das Erdreich, die Wandlung und Glück. Es habe auch Baumgöttinnen gegeben. Der Baum mit seiner Verwurzelung, seinen Zyklen und Früchten sei in alten orientalischen Gesellschaften mit weiblichen Gottheiten oder Geistern in Verbindung gebracht worden.
Doch eine solche Frauenfigur war in der alttestamentlichen Bibel offenbar nicht mehr genehm. «Man hat Eva verteufelt, weil die Erinnerung an die alte Göttin das jüdisch-christliche Gottesbild störte», so Bless. Deshalb sei Eva «herausgefallen» aus dem Paradies.
Den zweiten Vortrag zur Serie «Als Gott eine Göttin war» hält Bless am 8. und 9. November. Dann sind «Isis, Nut und Hathor» an der Reihe, die Göttinnen im Alten Ägypten. Der Sternenkranz der Immaculata – der Jungfrau Maria – erinnere an Hathors Sterne, schreibt Bless dazu in der Vorschau.
«Vorstellungen von starken Frauen helfen dem Selbstwertgefühl von Frauen», ist Bless überzeugt. Dies zu fördern, ist nach ihrer Aussage eine «Hauptabsicht» ihrer Vorträge. Trotz der verbesserten Rechtsstellung sei es weiterhin wichtig, Frauen mit positiven Vorbildern und Bildern zu stärken. «Die Zeiten der politischen und rechtlichen Bevormundung der Frauen sind bei uns noch nicht weit weg – und in anderen Teilen der Welt noch voll da», so die Historikerin.
Mit ihren Vorträgen will sie zudem aufzeigen, «dass nicht alle Vorstellungen plötzlich vom Himmel gefallen sind.» Viele religiöse Bilder hätten sich im Verlauf der Zeit entwickelt.
Barbara Acklin, die Leiterin der Geschäftsstelle des KFB Zürich, organisierte den Anlass. Sie findet es «sehr wichtig zu erfahren», dass es früher viele Göttinnen gab und die Religion «eine sehr weibliche Angelegenheit war».
Die Vortragsreihe «Als Gott eine Göttin war» werde bis ins nächste oder übernächste Jahr weitergeführt, erklärt Acklin gegenüber kath.ch.
Vor der nun anlaufenden Göttinnen-Serie referierte Magdalen Bless-Grabher über zahlreiche Kirchenfrauen und Mystikerinnen. Sie bestreite seit rund 15 Jahren jährlich mehrere Bildungsanlässe beim Zürcher Frauenbund, sagt Bless.
Auch andere Veranstaltungen dieser Frauenbundssektion beleuchten Frauen in kirchlichem Umfeld. Ein Stadtrundgang am 27. April thematisiert «Die Frauen rund um Huldrych Zwingli». Ausflüge führen zu Frauenklöstern in der Schweiz, so etwa am 5. Oktober zum Dominikanerinnenkloster in Wil SG und an weitere Orte. Ausserdem sind die Besinnungsnachmittage im November der Mystikerin Hildegard von Bingen gewidmet.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/eva-erinnerte-zu-sehr-an-die-alten-muttergoettinnen/