Zürich, 23.2.17 (kath.ch) Wenn 500 Jahre Reformation gefeiert werden, dann gehört zu diesem Datum ein Name: Martin Luther. Seine Kritik an der Kirche hat zu Erneuerung und Spaltung geführt. Allein aber hätte er das nicht geschafft. Das ist eine zentrale Botschaft des Spielfilms «Katharina Luther». Eine TV-Kritik von Martin Spilker.
Das rothaarige Mädchen hüpft auf einem Vorplatz. Sein Vater schaut es mit ernstem Blick an. Dann klopft er an die Pforte der Klosterschule und gibt sein Kind bei den Schwestern ab. «Ich schenke dir das ewige Leben», sagt er seiner Katharina. Das kostet ihn eine Stange Geld, die er den Schwestern abliefert. Dafür muss er auf seinem Hof ein Kind weniger ernähren.
Die Eröffnungsszene des vom Ersten Deutschen Fernsehen (ARD) produzierten Spielfilms «Katharina Luther» zeigt gleich einen wunden Punkt der mittelalterlichen Kirche, in den die Reformatoren den Finger gehalten haben: Gottes Gnade war käuflich geworden. Aufgewachsen in einem Kloster, wurde Katharina von Bora 1515 im Alter von 16 Jahren selber Nonne. Die Mauern begrenzten ihren Lebensraum. Die Geschehnisse draussen, welche die kirchliche Obrigkeit und auch die Klöster im Visier hatten, fanden dennoch den Weg zu den Schwestern.
Das «ewige Leben» kostet eine Stange Geld.
Der kurz zuvor erfundene Buchdruck ermöglichte den Reformatoren, ihre Thesen schnell unter die Leute zu bringen. Ordensschwestern wie Katharina, die dank ihrem ungewollten Klosteraufenthalt lesen und schreiben lernten, konnten sich heimlich mit dem neuen Glauben auseinandersetzen und ihre Meinung bilden. Zusammen mit elf Mitschwestern floh Katharina von Bora 1523 eines Nachts aus dem Kloster. Die Reformatoren nahmen sie auf, sorgten für sie. Dazu gehörte auch: Einen Ehemann für sie finden.
Der Film von Regisseurin Julia von Heinz zeigt eine junge, selbstbewusste Katharina von Bora. Eine Frau, die aus Überzeugung das Kloster hinter sich gelassen hat, aber nicht, um wie auf dem Markt verheiratet zu werden, um Gattin und Mutter zu werden. Doch den geflohenen Schwestern wird bald zu verstehen gegeben, dass sie, die mehrheitlich aus gutem Haus kommen, ohne Ehemann ausserhalb der Klostermauern keine Zukunft haben. Katharina wehrt sich dagegen auf ihre Art: Wenn schon Heirat, dann mit dem Doktor Martinus Luther.
Der eiserne Wille, die wirtschaftlichen Kenntnisse, das Gespür für den nötigen Entscheid zur richtigen Zeit und das theologische Wissen machen Katharina im Film zur starken Frau an der Seite Luthers, ohne die er sein Werk gar nicht hätte schaffen können. «Ich bin der Hausherr» sagt Luthers Frau in einer Szene und macht damit klar, dass grosse Ideen ohne eine ordnende Hand keine grossen Kreise ziehen können. Und die führte in Wittenberg Katharina Luther.
«Ich bin der Hausherr» sagt Luthers Frau.
Doch die Zeit war noch nicht reif für eine umfassende Gleichberechtigung von Frau und Mann. Luther hat im Testament seine Frau zwar als Erbin und Vormund der gemeinsamen Kinder eingesetzt. Dennoch verarmte Katharina als Witwe und wurde selbst von anderen Reformatoren ausgegrenzt. Das zeigt der Film nicht mehr. Zu Recht. Denn die in der Zeit der religiösen Erneuerung angeschobenen gesellschaftlichen Veränderungen waren vor Jahrhunderten wichtige Wegbereiter der Gleichberechtigung von Frau und Mann. Katharina Luther-von Bora als eine zentrale Figur dieser Erneuerung zu zeigen, ist zum Reformationsjubiläum wichtig und richtig.
Der Film «Katharina Luther» ist bis 8.3. auf «Filmmittwoch im Ersten» zu sehen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/ohne-die-starke-katharina-waere-luther-untergegangen/