Erste Touristin mit Burka in Chiasso gebüsst

Bellinzona TI, 3.8.16 (kath.ch) Am Samtag, 30 Juli, wurde erstmals eine Touristin wegen Verstoss gegen das Verhüllungsverbot gebüsst, wie die Tessiner Zeitung «La Regione» am 3. August meldet. Die erste Busse war am 1. Juli, als das Gesetz in Kraft trat, an die Schweizer Konvertitin Nora Illi gegangen. Die Polizei zieht bisher eine positive Bilanz, sie setzt auf Information und verteilt Flyer statt Bussen.

Seit 1. Juli ist im Kanton Tessin das Verhüllungsverbot in Kraft. Am vergangenen Samstag sei eine Touristin aus Kuweit mit 100 Franken gebüsst worden, meldet «La Regione». Die Polizei habe sie auf das geltende Gesetz hingewiesen, worauf die Touristin den Schleier abgelegt habe. Wie verschiedene Medien berichten, hatte die Tessiner Polizei bis dahin erst einen einen Strafzettel verteilt, nämlich an die Schweizer Konvertitin Nora Illi vom Islamischen Zentralrat Schweiz.

«Mir sind keine weiteren Bussen im Zusammenhang mit dem Verhüllungsverbot bekannt», zitiert die «AZ» Dimitri Bossalini, Präsident der Vereinigung der Tessiner Gemeindepolizeien.  Weil das Verbot erst seit einem Monat gelte, seien die Polizisten tolerant gegenüber den muslimischen Frauen. Bei diesen handle es sich praktisch ausschliesslich um Touristinnen.

Flyer auf Arabisch und Englisch

Die Polizisten trügen Flyer auf sich, welche auf Englisch und Arabisch auf das neue Gesetz hinweisen und auch die Sanktion von 100 bis 10’000 Franken erwähnen. Wie viele Flyer bereits verteilt worden seien, konnte Bossalini nicht sagen. Die Flyer sollen auch in Tessiner Hotels aufliegen.

Der Präsident der Hotelerie-Suisse Ticino, Lorenzo Pianezzi, sagte gegenüber der Zeitung, dass die Gäste aus dem arabischen Raum sehr gut informiert seien. «Bereits vor ihrer Ankunft wissen sie über die neue Gesetzeslage Bescheid und kleiden sich entsprechend», so Pianezzi. So könne man in der Regel ihr Gesicht erkennen. Sie fühlten sich deswegen auch nicht in ihrer Würde verletzt.

Gemäss «Blick» (3. August) gab es in Lugano bisher sechs Fälle, in denen die Polizei einschreiten musste. Diese seien alle problemlos verlaufen: «Alle sechs haben den Schleier abgelegt», nachdem sie von der Polizei angesprochen worden waren, sagte Michele Bertini (FDP), Polizeivorsteher und Vize-Präsident der Stadt Lugano, gegenüber der Zeitung.

Seminar zur arabischen Mentalität

Die Polizisten wurden gemäss «AZ» Mitte Juli eigens im Umgang mit muslimischen Touristen geschult. Khaldoun Dia-Eddine von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), habe in Lugano rund achtzig Polizisten über Charakteristika der arabischen Mentalität aufgeklärt. Bei Familien etwa sei es sinnvoll, das Familienoberhaupt auf das Verbot anzusprechen, Gruppen von arabischen Frauen sollten besser von Polizistinnen angesprochen werden, ist einem Beitrag zum Seminar auf der Homepage der ZHAW zu entnehmen. Wichtig sei auch die Art, wie dies geschehe: «Man kann direkt sein, muss das Verbot aber freundlich erklären und auf das Gesetz hinweisen», so Dia-Eddine. Araberinnen und Araber hätten für gewöhnlich grossen Respekt vor Autoritäten, heisst es in dem Beitrag weiter.

Der erste Strafzettel wurde bereits am 1. Juli verteilt. Laut der «Berner Zeitung» (1. Juli) ging Nora Illi an diesem Tag mit einem blauen Niqab bekleidet über die Piazza Grande in Locarno. Sie sei umgehend gebüsst worden und habe angekündigt, die Busse nötigenfalls bis vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzufechten. (sys)

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https://www.kath.ch/newsd/kaum-bussen-wegen-burkaverbot-im-tessin/