Luzern, 22.4.16 (kath.ch) Kirche muss wissen, wo das Leben spielt und sich dort zeigen. So liesse sich vielleicht kurz die Botschaft eines Sammelbandes mit Texten zu und über Ausbildung und Beruf der Religionspädagogin, des Religionspädagogen zusammenfassen. «Sehen und gesehen werden» heisst der Band zum 50-jährigen Bestehen des Religionspädagogischen Instituts Luzern.
Was macht jemand, der als Religionspädagoge, als Religionspädagogin im kirchlichen Dienst tätig ist? Religionsunterricht erteilen. Ja, das bestimmt. Aber dazu noch ganz viel mehr. Denn auch nach 50 Jahren ist das Berufsbild Religionspädagoge – früher Katechet – vielerorts noch unbekannt. «Wir wollen zeigen, was diesen Beruf ausmacht, welches Profil diese Tätigkeit hat», sagte Monika Jakobs, Leiterin des RPI an der Buchvernissage am 19. April in Luzern.
Dabei ging es aber nicht ohne einen Blick zurück. Mit gutem Grund. Denn bei der Gründung des damaligen Katechetischen Instituts waren sowohl Ausbildung wie Berufsbild kirchliche Avantgarde. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) war noch in Gang, da wurden in Luzern angehende Lehrpersonen nach neusten pädagogischen Massstäben ausgebildet, der Katechismus, der auf jede wichtige oder angeblich wichtige Frage eine Antwort wusste, beiseite gelegt. Mehr noch: Hier wurden Männer und Frauen auf den kirchlichen Dienst vorbereitet, die dafür weder niedere noch höhere Weihen benötigten.
In dieser Zeit kirchlichen und gesellschaftlichen Umbruchs wurden vergleichbare Fragen gestellt, wie sie in der Kirche heute beschäftigen: Wie von Gott reden? Wie feiern? Wie beten? Die Situation der Kirche ist heute vielleicht eine ganz andere; die Aufgabe der Religionspädagogik bleibt die gleiche. Hinschauen, wo und wie religiöse Inhalte vermittelt werden können, und hin stehen, sich zeigen und deutlich machen: Wir sind da. Wir haben in dieser Gesellschaft etwas beizutragen. «Sehen und gesehen werden» eben.
Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-katholischen Zentralkonferenz, stand mit seiner Rede nicht nur dem neuen Buch, sondern der gesamten Berufsgruppe Pate. Ob im Blick zurück oder in die Gegenwart werde hier Kirchengeschichte «von unten und von den Rändern her erzählt», hielt Kosch in seiner Rede fest. Das sei genau im Sinn des gegenwärtigen Papstes, der fordert, dass Kirche von den Menschen her gedacht werden müsse, die am weitesten von ihr entfernt sind.
Mit Distanz zur Kirche haben Religionspädagoginnen und Religionspädagogen – die grösste Berufsgruppe in der katholischen Kirche, wie Daniel Kosch hervorhob – viel Erfahrung. Dass diese Arbeit ein der Gesellschaft angepasstes professionelles Profil erfordere, davon ist der RKZ-Generalsekretär überzeugt. Und die Kirche umgekehrt brauche die Kreativität und das Engagement, das Religionspädagogen in den Gemeinde- und Pfarreialltag einbringen, so Kosch.
«Sehen und gesehen werden» meine denn auch ein Ausschauhalten nach dem Menschen und bedeute, in der Gesellschaft mit einer klaren Haltung aufzutreten. Das habe sich in den 50 Jahren, seit es diesen Beruf gebe, nicht verändert. Das Buch aber, resümierte Daniel Kosch, erzähle die Geschichte, wie sich die Kirche in und mit der Gesellschaft verändert habe. (ms)
Monika Jakobs (Hg.): «Sehen und gesehen werden. Impulse zu 50 Jahren Religionspädagogik in der Schweiz«. Theologischer Verlag Zürich TVZ.
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https://www.kath.ch/newsd/religionspaedagogik-kirche-von-unten-her-denken/