Zürich,27.2.16 (kath.ch) Der Publizist und Politiker Willy Spieler, alt Redaktor der Zeitschrift «Neue Wege» und Exponent des Religiösen Sozialismus, ist am Donnerstag, 25. Februar, wie jetzt bekannt wurde, im Alter von 78 Jahren gestorben. Der in der SP engagierte Zürcher Politiker galt als kritischer Begleiter der katholischen Kirche.
Noch kurz vor seinem Tod liess er es sich nicht nehmen, kritische Anfragen an die Kirche zu stellen. «Franziskus betont zwar den Einsatz der Kirche für Gerechtigkeit, aber ich sehe darin noch keine Wende, sondern eine Akzentverschiebung», erklärte er vor zwei Jahren gegenüber der Zeitschrift «Der Beobachter». Bei Benedikt XVI. hätten Fragen des Dogmas, der Moral und der Kirchendisziplin im Vordergrund gestanden. Franziskus unterstreiche nun den Einsatz für die Armen, doch die überlieferten Lehren werfe er nicht einfach über Bord, erklärte Spieler.
In weiten Teilen begrüsste er die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils. Nichts habe das Selbstverständnis der Gläubigen so geprägt wie die Sicht der Kirche als «Volk Gottes». Spieler bezeichnete aber gegenüber der ehemaligen Presseagentur Kipa zwei Jahre, bevor er als Redaktor von «Neue Wege» zurücktrat, Mängel bei den Resultaten, welche die wichtige Kirchenversammlung hinterlassen habe. So bedauerte Spieler, dass die Kirche den Gewissensentscheid der Menschen nur im religiösen Bereich gelten liess, nicht aber im sittlichen Bereich. Auf diesen Entscheid führte Spieler die «fundamentalistischen» Kämpfe zurück, welche die Kirche gegen Homoehe, Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs und anderes ausfechte.
Auch in der Sozialethik benannte Spieler Mängel. Die Pastoralkonstitution «Gaudium et spes» wollte «in ganz neuer Einstellung an die Frage des Krieges herangehen». Heute unterstützten Teile der Kirche aber einen «US-Präsidenten, der den völkerrechtswidrigen Irakkrieg zu verantworten hat», sagte er 2005. In der Wirtschaft wollte die Pastoralkonstitution den Markt durch das Gemeinwohl begrenzen. Stattdessen herrsche heute die Ideologie des Neoliberalismus, die Markt und Kapital absolut setzt, sagte er.
Von 1977 bis 2007 leitete er die Zeitschrift «Neue Wege». Die 1906 gegründete Zeitschrift reflektiert insbesondere die soziale Frage und die Antworten der linken sozialen Bewegungen und der religiösen Linken. Spieler war auch als kritischer Beobachter der Podiumsveranstaltungen «Open Forum Davos» tätig. Diese Veranstaltungen dienten jeweils in Davos als Plattform, die das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum – WEF) kontrovers begleitete.
1991 wurde Spieler für die SP in den Zürcher Kantonsrat gewählt. 1996 hob ihn die Partei ins Amt des Präsidenten der Kantonsratfraktion. 2001 schied er aus beiden Ämtern aus. (gs)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/katholischer-publizist-und-politiker-willy-spieler-gestorben/