Kardinal Koch zu Taizé: Labor für interreligiösen Dialog

Taizé, 17.8.15 (kath.ch) Taizé sei eine Art Labor, wo sich Jugendliche im interreligiösen Dialog einüben könnten. Dies sagte der Schweizer Kardinal Kurt Koch am Sonntag, 16. August, in Taizé. Rund 100 Vertreter christlicher Konfessionen und anderer Religionen hatten sich am Gründungsort der ökumenischen Brüdergemeinschaft eingefunden. Diese gedachte am Sonntag ihres vor zehn Jahren ermordeten Gründers Frère Roger Schutz (1915-2005). Auch Martin Hirzel, Beauftragter für Ökumene des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), war vor Ort.

Vera Rüttimann

Am Sonntag luden die Taizé-Brüder nach einem Gottesdienst mit dem Schweizer Kardinal Kurt Koch in der Versöhnungskirche ausgewählte Personen in ihren Garten zu einem Fest ein. Ähnlich wie sie es vor zehn Jahren an seiner Beerdigungsfeier zelebrierten. Für alle Anwesende ergaben sich selten gesehene Bilder, die Atmosphäre war von Nähe geprägt. Bei Redebeiträgen und leckeren Speisen trafen hochrangige kirchliche Würdenträger, Jugendliche, Verwandte Roger Schutzs und Taizé-Brüder aufeinander.

Hirzel: Bewegung von Taizé hat Grenzen überwunden

Martin Hirzel, Beauftragter für Ökumene des SEK, brachte auf den Punkt, was viele dachten: «Die Bewegung von Taizé hat über Grenzen von Kirchen und Konfessionen, Ländern und politischen Systemen, Sprachen und Generationen hinaus gewirkt.» Koch überbrachte schliesslich das Grusswort von Papst Franziskus. «Seine Beziehung zur Taizé ist eng», sagte der im Vatikan mit der Ökumene betraute Kardinal.

Koch bekannte sich vor Medienvertretern ebenfalls als enger Freund Taizés. Er sprach von der «tiefen Spiritualiät dieses Ortes und der Weite des Denkens Frère Rogers», die ihn nachhaltig beeindrucken. Taizé sei zudem eine Art Labor, wo sich Jugendliche im interreligiösen Dialog früh einübten.

Professoren waschen ihr Geschirr selber ab

Schon seit Sonntag, 9. August, wurde in Taizé eine Gedenk- und Solidaritätswoche mit Workshops unter dem Motto «Für eine neue Solidarität» gefeiert. Jugendliche konnten dabei spannenden Persönlichkeiten wie Jean Varnier, Gründer der «Arche», lauschen. Werner Spieler, pensionierter Lehrer aus Schwyz, resümiert: «Professoren wuschen ihr Geschirr selbst ab und lebten hier ein Stück Alltag mit. Das war erneut gelebte Einfachheit.»

Die Erinnerung an Frère Roger und sein familiäres Umfeld wurde in vielfältiger Form zelebriert. Jugendlichen erhielten Einblick in das Haus, in dem bis zu ihrem Tod seine Schwester Geneviève lebte. Ein Ereignis war auch die stimmungsvolle Prozession der Brüder unter der goldgelben Abendsonne von der Dorfkirche hinauf zur Versöhnungkirche.

Das Taizé-Gedenkjahr geht weiter: Vom 30. August bis zum 6. September findet in Taizé das internationales Symposium «Der Beitrag Frère Rogers zum theologischen Denken» statt. Mit dem Pilgerweg des Vertrauens, der am Jahresende im spanischen Valencia Station macht, wird zudem weiterhin eine Leuchtspur in den Ländern dieser Welt gelegt. (vr/kna/bal)

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