Zürich, 5.8.15 (kath.ch) «Nein, Herr Bischof», sagt die Allianz «Es reicht» zu den jüngsten Äusserungen des Churer Bischofs Vitus Huonder zur Homosexualität. Das Bündnis aus verschiedenen grossen katholischen Verbänden, die für Reformen in der katholischen Kirche eintreten, weist eine Sichtweise, die Homosexualität als krank oder strafbar bezeichnet, in aller Schärfe zurück. Auch die Frauenkirche Zentralschweiz, die Interessengemeinschaft Feministischer Theologinnen und die Katholische Volkspartei distanzieren sich von Huonders Worten.
«Nein, Herr Bischof, zwei Bibelzitate genügen in keiner Art und Weise, um der Homosexualität beziehungsweise der komplexen Wirklichkeit menschlicher Sexualität aus Sicht des Glaubens auch nur annähernd gerecht zu werden», so die Mitteilung der Allianz «Es reicht» vom 4. August. Die Allianz wehrt sich insbesondere gegen das Zitieren von Schriftstellen, «die gelebte Homosexualität als ‘Gräueltat’ bezeichnen, die mit dem Tod bestraft wird.»
Das Zitieren solcher Schriftstellen sei «unverantwortlich und grausam», zumal es bis heute Länder gebe, in denen Menschen aufgrund ihrer Homosexualität tatsächlich um ihr Leben bangen müssten. Eine solche Sichtweise, die Homosexualität als krankhaftes Tun verunglimpfe, weist die Allianz aufs Schärfste zurück. «Wir wollen alle lesbischen und schwulen Menschen in und ausserhalb der Kirche wissen lassen, dass wir, gerade als Christinnen und Christen, anders denken!» Zur Allianz «Es reicht» gehören verschiedene kirchliche Verbände und Organisationen, die für Reformen innerhalb der katholischen Kirche eintreten, darunter der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF), die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, der Verband Jungwacht Blauring Schweiz sowie die Pfarrei-Initiative. Im März 2014 hatte die Allianz unter Federführung des SKF an einer Demonstration in St. Gallen unter anderem die Einsetzung eines Administrators für das Bistum Chur gefordert.
Auch die Frauenkirche Zentralschweiz und die Interessengemeinschaft Feministische Theologinnen Deutschschweiz und Liechtenstein distanzieren sich deutlich von den Äusserungen Bischof Huonders. «Wir erinnern daran, dass mit dieser Lesart der Bibel neben der Tötung Homosexueller auch Völkermord, Sklaverei und Vergewaltigung propagiert werden können», heisst es in einer gemeinsamen Erklärung auf der Homepage der Frauenkirche Zentralschweiz. Darin rufen sie die katholischen Kantonalkirchen auf, «sich öffentlich von diesem Fundamentalismus und den Hassreden des Churer Bischofs zu distanzieren.» Die beiden Organisationen setzen sich dafür ein, «dass religiöse Traditionen ihre befreiende, schöpferische und solidarische Kraft entfalten können».
Die Katholische Volkspartei (KVP) distanziert sich ebenfalls von den Äusserungen des Churer Bischofs. Diese «widersprechen selbst für Laien erkennbar der katholischen Soziallehre und verletzen den Grundsatz von Achtung und Takt gegenüber Homosexuellen», so die KVP in ihrer Mitteilung vom 5. August. Die Äusserungen leisteten den laufenden gesetzgeberischen Bestrebungen Vorschub, homosexuelle Diskriminierung unter Strafe zu stellen. (sys)
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