Nach homophobem Bibel-Zitat spricht Bischof Huonder von einem «Missverständnis»

Chur, 3.8.15 (kath.ch) Ein Vortrag, den der Churer Bischof Vitus Huonder am Freitag, 31. Juli, an einem Kongress in Deutschland hielt, sorgt in der Schweiz für Aufregung. In der 50-minütigen Rede über Ehe, Sexualität und Familie zitierte Huonder Bibelstellen aus dem Buch «Levitikus». Darin wird Paaren gleichen Geschlechts, die Sex miteinander haben, die Todestrafe angedroht. Pink Cross, der Dachverband der Schweizer Schwulen, zieht eine Strafanzeige in Erwägung. Publik gemacht hatte dies ein Bericht des «Tages-Anzeigers» (3. August). Am Montag, 3. August, reagierte der Bischof auf den medialen Wirbel.

Er bedaure, dass sein Vortrag in den Medien als «Herabsetzung» homosexueller Menschen verstanden wurde, schreibt Huonder unter dem Titel «Bedauern über Missverständnis». «So war es nicht gemeint.» Er zitiere in dem Vortrag mehrere «unbequeme Passagen» aus dem Alten Testament, die generell die Ehe, Sexualität und die Familie betreffen. In keiner Weise habe er mit dem Vortrag homosexuelle Menschen herabsetzen wollen. Huonder stellt klar, dass er «ganz beim Katechismus der katholischen Kirche» stehe, wenn es um Homosexualität gehe.

Bischof verschanzt sich hinter Katechismus

Anschliessend listet der Bischof eine Reihe von Bestimmungen aus dem Katechismus auf. Deren Quintessenz lautet: Homosexuelle Handlungen sind aus Sicht der katholischen Kirche nicht in Ordnung; homosexuell veranlagten Menschen sei dennoch mit «Achtung, Mitleid und Takt» zu begegnen; homosexuelle Menschen seien zudem «zur Keuschheit gerufen». Diese Worte aus dem Katechismus seien für ihn die «Grundlage für die pastorale Liebe» auch gegenüber homosexuell empfindenden Menschen, schreibt Huonder.

Er verzichtet darauf, näher auf die Bibelstellen einzugehen, die bei Pink Cross für Empörung sorgen. Dabei handelt es sich insbesondere um zwei Passagen aus dem Buch Levitikus. «Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel», lautet der eine Vers. Der andere: «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.»

Huonder schliesst Vielfalt von Ehe- und Familienmodellen aus

Am Kongress des «Forums Deutscher Katholiken» in Fulda sagte Huonder dazu: «Die beiden zitierten Stellen allein würden genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben.» Die Aussage habe auch Bedeutung für die Definition der Ehe und der Familie. «Da gibt es keine Vielfalt der Ehe- und Familienmodelle», folgerte Huonder. Davon nur schon zu sprechen, sei ein «Angriff auf den Schöpfer».

Pink Cross zeigte sich über diesen «Frontalangriff» schockiert und verärgert, schreibt der Dachverband auf seiner Webseite. «Ein Kirchenvertreter lebt in keinem rechtsfreien Raum. Wer so argumentiert und indirekt sagt, Homosexuelle sollen getötet werden, ist kein Kirchenmann – sondern ein Hetzer und Straftäter», wird Geschäftsleiter Bastian Baumann zitiert.

Noch offen: Kommt es zur Strafanzeige?

Die Organisation prüfe, in welcher Form «Hassreden wie die von Bischof Huonder» strafrechtlich verfolgt werden können. Bis heute fehle es in der Schweiz leider an einem Anti-Diskriminierungsgesetz aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität, schreibt der Verband. Noch ist unklar, ob Pink Cross tatsächlich Strafanzeige gegen Huonder einreichen wird: «Wir klären die Angelegenheit im Detail ab und brauchen dazu noch ein paar Tage mehr Zeit», teilte Baumann auf Anfrage gegenüber kath.ch mit.

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) teilte auf Anfrage mit, sie äussere sich nicht zu Aussagen einzelner Bischöfe. Für die Haltung der SBK zu Fragen der Homosexualität sei die im Katechismus zusammengefasste Lehre der Universalkirche massgeblich, so SBK-Sprecher Walter Müller.

Huonder war einer der Hauptreferenten am dreitägigen Kongress des «Forums Deutscher Katholiken» in Fulda, der dem Thema «Ehe und Familie – gottgewollter Auftrag und Weg zum Glück» gewidmet war. In seinem Vortrag wolle er «bedeutenderen Aussagen der Heiligen Schrift über die Ehe» nachgehen, heisst es im Redetext von Huonder.

Das «Forum Deutscher Katholiken» bezweckt nach eigenen Angaben die Förderung der Verkündigung des katholischen Glaubens gemäss dem Katechismus der katholischen Kirche. (bal)

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