Direktor zur Sanierung des Lassalle-Hauses: «Jesuiten haben Aufgabe in der Schweiz!»

Menzingen ZG, 22.7.15 (kath.ch) Das Lassalle-Haus der Jesuiten in Edlibach ZG wird derzeit für 23,5 Millionen Franken saniert. Die Jesuiten sind derweil mit einem Grossteil ihres Kursangebots im Institut der Menzinger Schwestern präsent, wo sie hierfür eigens Räume eingerichtet haben. Im Interview mit kath.ch berichtet der Jesuit Tobias Karcher, Direktor des Lassalle-Hauses, über die Reaktionen der Schwestern und Gäste sowie über die Gründe für die kostspielige Sanierung.

Sylvia Stam

Tobias Karcher, seit sieben Monaten wohnen die Jesuiten bei den Menzinger Schwestern. Wie geht es den Menzinger Schwestern mit den Jesuiten?

Tobias Karcher: Zuerst war es ein Schock für die Schwestern, als wir sagten, wir möchten die Zimmer leeren und neu einrichten. Das Eis ist aber rasch gebrochen, als wir ihnen die neuen Räume gezeigt haben. Sie waren begeistert von deren Leichtigkeit und Gastlichkeit.

Warum haben Sie alles neu einrichten lassen?

Karcher: In den Zimmern befanden sich Möbel aus den letzten 40 Jahren. Die Zimmer waren dunkel, um nicht zu sagen schwermütig. Demgegenüber zeichnet sich der Stil des Lassalle-Hauses durch eine grosse Einfachheit aus: Die Materialien, Holz etwa, sind an sich wertvoll. Vorhänge sollen den Alltag zurückdrängen. Sie bedecken jetzt beispielsweise Schränke, die von den Schwestern ja wieder gebraucht werden. Weil zu uns auch interreligiöse Gruppen kommen, müssen wir zudem mit christlichen Symbolen diskret umgehen.

Haben Sie also Kreuze zugedeckt?

Karcher: Es sind weiterhin Kreuze da, aber beispielsweise kein schweres Barockkreuz. Ein solches würde das Weltbild des 16. Jahrhunderts ausstrahlen, als Christus als der Triumphator angesehen wurde. Demgegenüber verstehen wir Christus als Geheimnis der Welt. Schlichte Kreuze lassen unseren Gästen die Freiheit zu ihrer eigenen Interpretation.

Haben die Kursgäste den Umzug nach Menzingen mitgemacht oder gab es einen Einbruch bei den Teilnehmerzahlen?

Karcher: Es gab einen Einbruch, zumal wir hier nur 40 Zimmer zur Verfügung haben. Und es gibt natürlich Gäste, die stark mit dem Lassalle-Haus verbunden sind und nicht hierher kommen. Wir haben für das Jahr 2015 7000 Übernachtungen geplant und liegen mit den schon gebuchten Betten bei etwa 85 Prozent davon.

Die Sanierung des Lassalle-Hauses kostet 23,5 Millionen Franken, wie viel davon ist inzwischen beisammen?

Karcher: Die Jesuiten haben fünf Millionen beigesteuert, der Freundeskreis des Hauses weitere elf, inzwischen sind wir bei 16 Millionen. Uns fehlen noch etwa sieben Millionen. Unsere Spenden stammen hauptsächlich von Privatpersonen und Stiftungen.

Sind Sie damit im Zeitplan?

Karcher: Ja, wir konnten mit allen drei sanierungsbedürftigen Gebäuden gleichzeitig beginnen.

Ist eine Sanierung für 23,5 Millionen Franken vertretbar in einer Zeit, in welcher der erste Jesuitenpapst zu Bescheidenheit aufruft?

Karcher: (lacht) Da geht es um die Grundsatzfrage: Sollten Jesuiten überhaupt in der Schweiz präsent sein? Der Jesuitenorden ist der Meinung, er habe auch in der Schweiz eine Aufgabe: In der westeuropäischen, säkularen Gesellschaft ist dies beispielsweise eine Übersetzungsaufgabe: Was bedeutet es, hier als Christ zu leben? Was bedeutet interreligiöser Dialog?

Für 23 Millionen hätten wir ein neues Gebäude aufstellen können. Die Gäste, die im Lassalle-Haus in die Stille gehen, fühlen sich sehr wohl in dem Gebäude, das der Architekt André Studer konzipiert hat. Die Räumlichkeiten bilden ein harmonisches Ganzes, in dem der Geist der Jesuiten Form gefunden hat. Das ist die besondere Gabe dieses Hauses und das wollen wir erhalten. Das Gebäude ist ausserdem denkmalgeschützt.

Die Jesuiten führen ab diesem Sommer ihr Haus in Freiburg, Notre Dame da la Route, nur noch in reduzierter Form weiter. Steht das im Zusammenhang mit der Sanierung des Lassalle-Hauses?

Karcher: Einen kausalen Zusammengang gibt es nicht. Der aktuelle Provinzial Christian Rutishauser packt Reformen beherzt an: In Notre Dame de la Route werden nur noch französischsprachige Angebote für die Romandie durchgeführt. Die Angebote für die deutschsprachige Schweiz sollen im Lassalle-Haus gebündelt werden, dem grössten Werk der Schweizer Jesuiten. Die Bündelung erfolgt auch mit Blick auf eine stärkere Kooperation mit den Jesuiten in Wien und München.

Das Lassalle-Haus gilt als eines der am besten laufenden christlichen Bildungshäuser. Schreiben Sie schwarze Zahlen?

Karcher: Wenn andere sagen, das Lassalle-Haus laufe gut, so freut uns das. Wir haben ca. 18’000 Übernachtungen im Jahr bei 72 Zimmern. Davon gehen 90 Prozent auf unsere eigenen Kurse zurück. Schwarze Zahlen wären übertrieben. Wir haben ein strukturelles Defizit, das wir mit Spenden ausgleichen können. Dieses Defizit wird nach der Sanierung noch sinken, weil die Heizkosten sinken und die Einnahmen durch Mietwohnungen zunehmen werden.

Was für Veränderungen werden die Gäste nach der Sanierung feststellen?

Karcher: Bisher hatten nur 16 Zimmer eigene Nasszellen, nachher werden es 50 sein. In der Cafeteria wird wieder mehr ursprüngliches Material wie Holz, Glas und Stein sichtbar sein. Die Küche wird erneuert, sodass wir mehr frische Produkte anbieten können.

Werden die Zimmerpreise nach der Sanierung steigen?

Karcher: Unser Ehrgeiz ist, dass wir die Preise nur moderat erhöhen werden. Die niedrigste Kategorie, Zimmer mit Lavabo, soll weiterhin 110 Franken Vollpension kosten. (sys)

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