Bonn, 23.3.15 (kath.ch) Am Donnerstag, 26. März, läuft in Deutschlands Kinos der Film «Verfehlung» an. Er handelt von drei befreundeten Priestern, von denen einer wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch verhaftet wird. Wann der Film in der Schweiz gezeigt wird, ist derzeit noch offen.
Nach Ansicht von Regisseur Gerd Schneider ist die Debatte um sexuellen Missbrauch noch lange nicht zu Ende. Das betreffe nicht nur die Kirchen, Familien oder Schulen, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. «Jetzt kommt man langsam darauf, dass es vielleicht auch Vorfälle in Trainingslagern für Fussballprofis gibt.» Generell neigten die Menschen dazu, bei diesem Thema wegzuschauen. «Dieser blinde Fleck klebt allen auf der Linse.»
Mit seinem Film wolle er dazu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. «Das ist verdammt schwer, auch in anderen Fällen, etwa, wenn man in der Strassenbahn sieht, wie jemand misshandelt wird – und alle gucken krampfhaft aus dem Fenster und warten, dass es vorbeigeht», sagte Schneider. «Mir war wichtig, zu zeigen, wie schwer der Weg zur Zivilcourage sein kann, wie schwer es sein kann, die richtige Entscheidung zu treffen, auch gegen das eigene Umfeld – und am Ende doch das zu tun, was richtig ist.»
Der katholische Medienbischof Gebhard Fürst zeigte sich von dem Film beeindruckt. «Er hat mich mitgenommen», sagte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart in der ZDF-Sendung «aspekte». Der Film behandle das Thema Missbrauch sehr kompetent. Tatsächlich, so Fürst weiter, müssten Geistliche jedoch keinen Karriereknick befürchten, wenn sie einen Fall sexuellen Missbrauchs in den eigenen Reihen aufdeckten. Solche Aufklärungsleistungen seien Mitarbeitern hoch anzurechnen.
Vor fünf Jahren, Ende Januar 2010, hatte der damalige Leiter der Berliner Jesuitenschule Canisius-Kolleg, Klaus Mertes, öffentlich gemacht, dass Schüler durch Geistliche sexuell missbraucht worden waren. Damit wurde der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche bekannt.
Bei einer Diskussion zum Kinofilm forderte Mertes unlängst mehr Aufmerksamkeit für Missbrauchsopfer von Seiten der Kirche. «Das Schweigen der Kirche ist nicht neutral, sondern eine Form von Gewalt», kritisierte der Jesuitenpater und Direktor des Kollegs St. Blasien. Er beobachte eine Tendenz in der Kirche, die Opfer verloren zu geben. Dabei hätten viele von ihnen zwar mit den Tätern, nicht aber mit der Institution Kirche abgeschlossen. (kna)
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Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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