Zürcher Studie: Nächtlichen Glockenschlag in Kernstunden reduzieren

Zürich, 26.5.11 (Kipa) Nächtliches Kirchengeläut belastet den Schlaf von Anwohnern stärker als bisher angenommen. Dies ergibt eine Studie der ETH Zürich und der Empa in der Umgebung von 9 Kirchen im Kanton Zürich. Die Autoren der Studien setzten jedoch keinen Richtwert fest, ab wie viel Dezibel die Glocken störend wirken. Nächtliche Aufwach-Reaktionen durch Glockenschläge könnten aber um bis zu 90 Prozent reduziert werden, wenn in den Kernstunden der Nacht auf den Stundenschlag verzichtet oder dessen Schallpegel um 5 Dezibel reduziert würde.

Wiederholt kam es in der Schweiz zu Klagen gegen Glockengeläut. Diese wurden zum Teil vor Gericht verhandelt. Wegweisend ist dabei gemäss der Neuen Zürcher Zeitung von Donnerstag ein Entscheid des Bundesgerichts aus dem Jahr 1999, in welchem die Glockenschläge der reformierten Kirche Bubikon ZH um sechs Uhr früh für rechtens erklärt worden waren.

Unter Berufung auf eine Stellungnahme des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal), des heutigen Bundesamtes für Umwelt (Bafu), hatte das Bundesgericht die Aufwach-Schwelle durch Glockengeläut bei am Ohr gemessenen 60 Dezibel definiert.

Eine akustisch-schlafphysiologische Studie der ETH Zürich und der Empa . eine interdisziplinäre Forschungs- und Dienstleistungsinstitution für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung innerhalb des ETH-Bereichs – stellt diesen Grenzwert nun aber in Frage.

Mark Brink, Privatdozent an der Abteilung Public and Organizational Health des ETH-Departements Management, Technologie und Ökonomie, stellte am Mittwoch im Rahmen des akustischen Kolloquiums der ETH Zürich die Ergebnisse vor.

Ein eigentlicher Schwellenwert konnte laut Brink indes nicht gefunden werden; die Wahrscheinlichkeit für Aufwach-Reaktionen steige mit zunehmendem Maximalpegel stetig an. Die Frage, ob und wie sich eine gesteigerte Zahl solcher Aufwach-Reaktionen langfristig auf die Gesundheit auswirke, lasse sich zurzeit nicht endgültig beantworten.

Komplizierte Messungen

Die Forscher massen die Lärmpegel in den Schlafzimmern und vor den Fenstern von über 1.000 Probanden und zeichneten sämtliche nächtlichen Geräusche in CD-Qualität auf. Damit liessen sich die per Hirnstrombild und Überwachung der Augenbewegungen und der Muskelspannung der Schlafenden registrierten Reaktionen präzise dem Glockengeläut beziehungsweise anderen Schallquellen zuordnen.

Die Autoren der Untersuchung nahmen auch eine Schätzung vor, wie viele Aufwach-Reaktionen Glockenschläge im Kanton Zürich bewirken, und kamen dabei auf mindestens 25.000 Betroffene, die im Abstand von bis zu rund 150 Metern von Kirchen leben, deren Glocken auch nachts viertelstündlich schlagen. Sie stützen sich dabei auf die schlafphysiologischen und akustischen Ergebnisse der Untersuchung sowie auf Daten zur Bevölkerungsdichte um die betreffenden Kirchen.

90 Prozent Reduktion möglich

Mangels verlässlicher Daten über Läutpläne und Läutzeiten sämtlicher rund 5.000 Gotteshäuser in der Schweiz lasse sich eine ähnliche landesweite Analyse noch nicht erstellen, erklärt Mark Brink. Eine solche sei aber in Vorbereitung.

Anhand von Simulationsrechnungen lasse sich sagen, dass die Anzahl der nächtlichen Aufwach-Reaktionen durch nächtliche Glockenschläge um bis zu 90 Prozent reduziert werden könnte, zitiert die Zeitung Brink – nämlich wenn in den Kernstunden der Nacht auf den Stundenschlag verzichtet oder dessen Schallpegel um 5 Dezibel reduziert würde.

(kipa/gs/job)

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