Kurzfassung:
Priorin Véronique über die Eintritte junger Frauen in den Karmel Le Pâquier im Greyerz
Le Pâquier FR, 2.3.11 (Kipa) Der Karmel im freiburgischen Le Pâquier ist ein kontemplatives Kloster. Gebets- und Arbeitszeiten wechseln einander ab. Die Ordensfrauen arbeiten in Stille. Doch dieser Karmel wagt die Öffnung und das scheint sich auszuzahlen. Drei der 17 Schwestern sind unter 32 Jahre alt. Die Gemeinschaft wurde vor 75 Jahren gegründet und feiert mit verschiedenen Anlässen das Jubiläum. Einer der Höhepunkte ist ein Marsch zum Kloster, der im September stattfindet.
Am Berg Karmel in Palästina lebten Einsiedler nach einer um das Jahr 1209 erhaltenen Ordensregel. 1562 reformierte Theresa von Avila den Orden. Der Karmel verbindet Eremiten- und Gemeinschaftsleben. Die Priorin des Karmels von Le Pâquier, Schwester Véronique, sieht ihr Leben aber nicht als Weltflucht: «Wenn ich in diesen Orden eingetreten wäre, um mich einzuschliessen, dann wäre ich davongerannt. Und ich will hier auch keine jungen Frauen, die sich einschliessen wollen», so die Oberin resolut gegenüber der Presseagentur Kipa.
In der heutigen Zeit, in der viele Ordensgemeinschaften Nachwuchsprobleme haben, leben im Karmel von Le Pâquier mehrere junge Schwestern. Die Gemeinschaft ist sich bewusst, dass die Welt sich verändert, sich «entwickelt», betont die Priorin. Die Frauen, die heute an die Klosterpforte klopfen, stehen mit beiden Füssen in der Welt. Selbstbewusst wissen sie ihre Ideen mit einzubringen.
Eine Novizin, die sich im Karmel anmeldete, sagte zur Priorin: «Hier lebt man im 21. Jahrhundert». Bereits für Theresa von Avila war die Bildung der Schwestern wichtig, heute hat sich daran nichts geändert. So ist es nicht erstaunlich, dass eine Novizin bemerkte: «Das erste, was ich sehen wollte, war die Bibliothek.»
Unter der Ära der heute 66-jährigen Priorin hat sich in Le Pâquier einiges verändert – immer im Gespräch mit den Mitschwestern. Sinnlose Mechanismen muss man beseitigen können. Priorin Véronique nennt folgendes Beispiel: «Bevor sie den Speisesaal betraten, wuschen sich die Schwestern früher in einem kleinen Becken die Hände, weil sie vom Felde kamen. Heute macht das keinen Sinn mehr. Wir haben das Becken entfernt.»
Ganz ungewöhnlich für ein beschauliches Kloster ist, dass die Schwestern ihre Produkte selber an einer Messe verkaufen. Mitglieder des Freundeskreises des Karmels schlugen Schwester Véronique vor, die Biskuits, die sie backen, auf der Schweizer Gastro-Messe für einheimische Spezialitäten «Goût de terroir» anzubieten, die jeweils im Oktober im nahen Bezirkshauptort Bulle stattfindet.
Der Stand wird von den Schwestern tagsüber betreut. Um sechs Uhr abends kehren sie in den Karmel zurück. Danach übernimmt der Freundeskreis den Stand. «Auf diese Weise unterstreichen wir, dass wir über unseren Einsatz nachgedacht haben. Während des abendlichen Trubels an der Messe sind wir wieder zu Hause.» Weitere Einladungen für öffentliche Auftritte lehnen die Schwestern in Le Pâquier ab.
Doch auch die Priorin von Le Pâquier kennt das Geheimrezept nicht, um in jeder Kandidatin die Begeisterung für das Klosterleben wachzurufen. Aber alle die eintreten, machen die Erfahrung, dass sie freier und glücklicher werden. «Kommt und seht», sagt Schwester Véronique.
Der Karmel von Le Pâquier wurde 1936 gebaut. Das 75-Jahr-Jubiläum soll mit verschiedenen Feiern gewürdigt werden. So findet am 25. September für alle Interessierten ein Marsch zum Karmel statt. Zudem bietet das Kloster jungen Menschen verschiedene Besinnungswochenenden an. Der Karmel offeriert Interessierten die Möglichkeit, einige Tage im Gästehaus in Stille zu verbringen. Die Gäste kochen selber und können in der Kapelle an den verschiedenen Gebetszeiten der Gemeinschaft teilnehmen.
Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um eine gekürzte Fassung eines Hintergrundes, der im Kipa-Dienst erschienen ist.
Hinweis: www.carmel-lepaquier.com
(kipa/gs/am)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/beduerfnisse-und-wuensche-der-jungen-frauen-erkennen-1/