Landeskirche Aargau gibt 1 Million für Öko- und Klimafonds

Interview:
Barbara Cavelti, Präsidentin des römisch-katholischen Kirchenrats des Kantons Aargau

Aarau, 17.7.10 (Kipa) Die römisch-katholische Landeskirche Aargau macht vorwärts beim Klimaschutz. Mit einem Finanzierungsbeitrag in Millionenhöhe unterstützt sie im In- und Ausland verschieden Massnahmen gegen den Klimawandel. Als Grund dafür nennt sie die Bewahrung der Schöpfung und die Solidarität mit der Welt. – Im Gespräch mit Barbara Cavelti, die seit 2001 den Kirchenrat der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Aargau präsidiert.

Kipa: Frau Cavelti, warum ist Ihnen persönlich der Schutz des Klimas ein Anliegen?

Barbara Cavelti: Ich habe drei erwachsene Kinder und hoffe, ich werde einmal Grosskinder haben. Was auf der Welt passiert, geht uns alle an, wir alle sind von der Klimaerwärmung betroffen. Darum müssen wir Sorge tragen zur Schöpfung, zu Natur und Umwelt. Ich gebe mir auch privat Mühe, umweltverträglich zu leben.

Kipa: Warum unterstützt die Landeskirche des Kantons Aargau den Klimaschutz?

Cavelti: Die Kirche steht in der Verantwortung, sorgfältig mit der Schöpfung umzugehen. Und nicht nur hier bei uns im Kanton Aargau, sondern auch gegenüber den Ländern, denen es wirtschaftlich und politisch nicht so gut geht. Denn es geht uns nur so gut, wie es dem Rest der Welt geht. Wir müssen uns einsetzen für eine bessere Welt. Dazu verpflichtet uns letztlich die christliche Solidarität.

Kipa: Ihre Landeskirche hat Massnahmen zum Klimaschutz ausgearbeitet. Wie sehen diese konkret aus?

Cavelti: Einerseits unterstützen wir den Klimaschutz mit dem von uns geschaffenen Ökofonds. Dieser enthält seit der Synodesitzung vom Juni 2010 eine Million Franken. Mit dieser Summe wollen wir für die einzelnen Kirchgemeinden finanzielle Anreize schaffen, bei der Sanierung ihrer Gebäude klimafreundlich vorzugehen.

Denn oft verbrauchen Kirchen, Pfarreihäuser oder Pfarreizentren unnötig viel Energie. Mit dem Fonds wollen wir bauliche Massnahmen fördern, zum Beispiel den Einbau einer neuen Isolation. Wir unterstützen auch die Beratung von energietechnischen Fragen. Diese muss von einem für Kirchenbauten spezialisierten Energiecoach vorgenommen werden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Fonds nur Sanierungsmassnahmen unterstützt, die nicht oder nur eingeschränkt durch die Förderungsmassnahmen von Bund und Kanton abgedeckt sind. Der Fonds ist subsidiär gedacht, springt also nur da ein, wo bei den Sanierungsprojekten der Kirchgemeinden Finanzierungslücken bestehen.

Wir wollten aber auch die restliche Welt berücksichtigen. In armen Ländern sind Massnahmen gegen den Klimawandel ebenso dringend nötig wie hier. Wir haben darum als einmaligen Beitrag 100.000 Franken für den Spezialfonds «Klima und Entwicklung» von Fastenopfer und Brot für alle gespendet.

Kipa: Was kamen Sie auf diese doppelte Finanzierung?

Cavelti: Letztes Jahr lancierte die ökumenische Kampagne von Fastenopfer und Brot für alle den Themenschwerpunkt «Gerechtigkeit im Klimawandel» und den Klimafonds. Die Idee, sich für den Klimaschutz stark zu machen, war also von aussen her gegeben. Ganz wichtig war auch, dass die reformierte Landeskirche im Kanton Aargau bereits einen Ökofonds plante. Dazu kam ein gutes Jahresergebnis 2008.

Also, sagten wir uns im Kirchenrat: Jetzt haben wir die Möglichkeit die finanziellen Überschüsse sinnvoll einzusetzen. Und zwar so, dass die Kirchgemeinden, die ja hauptsächlich für das gute Jahresergebnis gesorgt hatten, davon profitieren und gleichzeitig ein pastorales Anliegen erfüllt wird.

Kipa: Eine Million Franken für den Ökofonds ist eine hohe Summe – woher nehmen Sie dieses Geld?

Cavelti: Die unerwartet guten Jahresergebnisse von 2008 und 2009 bescherten uns hohe Überschüsse. Dies ermöglichte uns, zwei Tranchen zu 500.000 Franken in den Fonds einzuspeisen. Durch die Höhe der Summe wollten wir sicher stellen, dass von den knapp hundert Kirchgemeinden im Aargau möglichst viele vom Fonds profitieren können. Wir sind zuversichtlich, dass auch bei allfällig schlechteren Jahresabschlüssen im nächsten Jahr genügend Geld für alle geplanten Projekte vorhanden sein wird.

Kipa: Wissen Sie, ob andere Landeskirchen ähnliche Pläne verfolgen?

Cavelti: Die römisch-katholische Kirchgemeinde der Stadt Luzern hat bereits einen Ökofonds eingerichtet. Und die reformierte Landeskirche im Aargau arbeitet an einem Fondsreglements, welches nächstens fertig gestellt wird.

 

Separat:

Fonds für «Klima und Entwicklung»

Der Spezialfonds von Fastenopfer und Brot für alle bietet Pfarreien und Privatpersonen die Möglichkeit, Partnerorganisationen im Süden zu den Auswirkungen des Klimawandels zu schulen. Sie werden unterstützt, damit sie sich im Alltag mit entsprechenden Massnahmen besser vor den negativen Folgen zu schützen, zum Beispiel mit angepasstem Anbaumethoden und verbessertem Saatgut. Gespiesen wird der Fonds durch Beiträge von Kirchgemeinden oder Einzelpersonen.

*Dieses Interview wurde im Auftrag des Hilfswerks Fastenopfer geführt.

Hinweis: www.fastenopfer.ch/klimafonds

(kipa/com/job)

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