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Geschichte der Orden   

Einleitung

Der Ruf zur radikalen Nachfolge Christi und eine totale Hingabe an den Dienst für den in demütiger Menschengestalt erschienenen Herrn sind die prägenden Elemente des christlichen Ordenslebens. Das strenge asketische Leben ist seit den Anfängen des Christentums vorhanden und die enge spirituelle und materielle Einheit der Urgemeinde blieb immer vorbildlich. Bemerkenswert ist die prominente Rolle, die Frauen von Beginn weg in der asketischen Bewegung einnahmen.

Religiös-geistig spielt die Beurteilung der Welt zu verschiedenen Zeiten und unter veränderten Bedingungen eine entscheidende Rolle für die konkrete Ausformung des Ordenslebens. Dabei wird die Welt sowohl als Stätte der Liebe Gottes (Weltbejahung) und als Stätte der Gottesfeindschaft (Weltverneinung) wahrgenommen.

Seit dem 3. Jahrhundert gibt es innerhalb der grösser werdenden Kirche einzelne und Gemeinschaften, die als Asketen eine intensivere Form des Christentums leben wollen.

Entstehung des Mönchtums

Die Entwicklung des Mönchtums lässt sich recht gut verfolgen. Am Rande der bewohnten Gebiete und in den Wüsten Ägyptens, Kleinasiens, Palästinas und Syriens liessen sich im 3. Jahrhundert Anachoreten und Eremiten nieder. Viele lebten mit der Zeit in lockerer Gemeinschaft zusammen. Die Gründung von straff geleiteten und gut organisierten Klöstern ist mit dem Namen Pachomius verbunden.

Die Benediktiner

Das blühende orientalische Mönchtum wurde für den Westen Vorbild, wo das asketische Leben in Gallien (Martin v. Tours, Cassian v. Marseille) und Italien Fuss fasste. Im 6. Jahrhundert gründete Benedikt von Nursia (ca. 480 – ca. 547) auf dem Monte Cassino eine Gemeinschaft, deren Regel für das Mönchtum seit der Karolingerzeit (8/9. Jahrhundert) die Mönchsregel schlechthin werden sollte und damit das Zeitalter der Mischregeln beendete. Ganz im Westen, in Irland, entwickelte sich eine eigenwillige Form von monastischem Leben, weiche stark auf den Kontinent einwirkte und in Columban einen besonders markanten Vertreter kannte.

Die karolingischen Herrscher förderten die Klöster aufs stärkste und ermöglichten den grossen Reichsklöstern einen einzigartigen Aufschwung. Das benediktinische Mönchtum erlebte nochmals durch den Klosterverband von Cluny (gegründet 910) eine einzigartige Höhe. Auch der Reformorden der Zisterzienser fand in der Benediktsregel seine Grundausrichtung.

Als besonders fruchtbar und zukunftsgerichtet erwies sich die Verbindung von Mönchtum und Kultur, welche aus dem Kloster auch ein Kultur- und Wirtschaftszentrum machte, das in die feudale Gesellschaft eingepasst war.

Die Bettelorden (Mendikanten)

Nach der Jahrtausendwende erholte sich Europa von einer langen Krisenzeit. Kirchenreform und religiöser Aufbruch in der Kirche liessen Reformorden (Zisterzienser, Kartäuser) und Weltpriestergemeinschaften (Kanoniker) entstehen. Aufgrund des raschen Zivilisationswandels durch die Entstehung unzähliger Städte mit ihren sozialen Problemen entstanden neue Herausforderungen, denen die allen Orden nicht gewachsen waren. Die Bettelorden (Mendikanten), unter denen die Franziskaner und Dominikaner die weitaus wichtigsten sind, richteten sich auf die apostolische Lebensweise (Armut, Predigt) aus und übernahmen wichtige Seelsorge- und Predigtaufgaben. Der neue Typ von Klosterleben, der sich weit von den allen Orden entfernte, vermochte auch an den Universitäten Fuss zu fassen und herausragende Theologen (Thomas v. Aquin, Bonaventura) hervorzubringen. Dank diesen Orden gelang es der Kirche, breite soziale Schichten vor der Entfremdung von der Kirche zu bewahren. Die Mendikanten unterstanden direkt dem Papst und funktionierten als dessen Instrument als ein wichtiger Machtfaktor in der Kirche.

Die Regular-Kleriker

«Reform» gab es innerhalb der Kirche lange vor der Reformation. Zeugen dieser «katholischen Reform» sind einige Reformzweige der Orden: so die Kapuziner innerhalb des Franziskanerordens, Reformbewegungen innerhalb des Benediktinerordens wie jene von Kastl, von Santa Giustina in Padua, von Bursfeld und von San Pablo in Valladolid, oder die Reformbewegung innerhalb des Karmelitenordens, die der Tatkraft von Teresa von Avila zu verdanken ist.

Wenn auch die Gesellschaft Jesu nicht der erste Regularkleriker-Orden ist, gab sie diesem neuen Ordenstyp dennoch die entscheidende Prägung. Eine Regel im bisherigen Sinn nahm die Gesellschaft Jesu nicht an. Ihr Gründer Ignatius von Loyola (1491-1556) schuf lediglich Ordenssatzungen, die sich aus einem «Examen generale» und den zehnteiligen «Constitutiones» zusammensetzten. Durch die Gewaltfülle des auf Lebenszeit gewählten Ordensgenerals wurde der zentralistische Zug des Personenverbandes stärker als bisher betont. Durch die Aufteilung der Mitglieder in Professen mit vier feierlichen Gelübden (zu den drei traditionellen trat ein viertes mit dem besonderen Gehorsam gegenüber dem Papst) und Koadjutoren mit drei einfachen Gelübden trat der elitäre Zug des Ordens hervor. Dank der gründlichen Ausbildung und neuen, von ihr entscheidend geprägten Seelsorgsmethoden (Exerzitien, Marianische Kongregation etc.) wurde die Gesellschaft bald zu einem der wichtigsten Träger der Tridentinischen Reform.

Während die Jesuiten nur kurzfristig ihre Arbeit auf ein spezielles Aufgabengebiet einengten, wurde dies für viele andere Gemeinschaften zum Merkmal. So widmeten sich die 1532 entstandenen Somasker der Krankenpflege und Erziehung von Waisenkindern, die 1584 gegründeten Kamillianer der Krankenpflege, die 1681 entstandenen Christlichen Schulbrüder und die Piaristen der Schule. In Frankreich entstanden Priestergemeinschaften (St. Sulpice und die Eudisten), welche die Ausbildung des Priesternachwuchses als Hauptprogrammpunkt hatten, während die Lazaristen, die von Vinzenz von Paul gegründet wurden, die Volksmission und die Bekehrung Ungläubiger anstrebten. Im 18. Jahrhundert wurde dieser Typ der Kongregationen auf männlicher Seite durch die Redemptoristen fortgesetzt, denen ihr Gründer, Alfons von Liguori, als besonderes Ziel die Volksmissionen gab.

Immer mehr traten nun auch Kongregationen von weiblicher Seite auf: die von Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal gegründeten Schwestern der «Visitation» sollten eigentlich Krankenpflege und Erziehung übernehmen, wurden aber in eine geschlossene Kongregation umgewandelt. Erst die Ursulinen, die von Angela Merici gegründet wurden, und das Institut der Englischen Fräulein, das Maria Ward als Gründerin verehrt, erlebten den Durchbruch zur Klausurfreiheit und zu einer gewissen Offenheit der Strukturen.

Im 19. Jahrhundert erleben wir eine Vielzahl von Neugründungen, bei denen entweder ein besonderer Typ der Frömmigkeit dominiert (Heiliger Geist, Herz Jesu, Eucharistie, Immaculata-Frömmigkeit) oder die eine besondere Tätigkeit als ihr spezielles Ziel hervorheben. Neben die traditionellen Ziele (Volksmission, Seminarerziehung, Volksseelsorge) trat im 19. Jahrhundert besonders die Missionsarbeit in der Dritten Welt: Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria, Maristen, Missionare vom Kostbaren Blut, Herz Jesu Missionare, Weisse Väter, Herz Jesu Priester, Gesellschaft vom Göttlichen Wort sind solche typische Missionsgesellschaften, die Ende 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts - nicht zuletzt im Zusammenhang mit der kolonialen Epoche - ihren Höhepunkt erlebten. Meist führte jede Neugründung männlicher Kongregationen auch zur Schaffung eines entsprechenden weiblichen Zweiges.

Überraschend mag sein, dass - wenn man die Salesianer von Don Bosco ausnimmt - alle diese Neugründungen keine neuen Bahnen beschritten. Im Gegenteil, ausgerechnet die Benediktiner von Subiaco, Solesmes und Beuron wagten neue Wege; von ihnen gingen wesentliche monastisch-liturgische Erneuerungsimpulse aus.

Geschichte der Frauengemeinschaften

Mit den Frauen tat sich die Kirche recht schwer. Der Stand der Witwen war angesehen und in vielem unentbehrlich. Das Zusammenleben von asketischen Frauen und Männern war jedoch verpönt. Obwohl schon im 4. Jahrhundert auch Frauenklöster entstanden, lebten in der Spätantike gottgeweihte Jungfrauen vielfach noch zurückgezogen in ihren Familien. Hochstehend waren die Asketinnengruppen, weiche Hieronymus um sich scharte. Die zahlreichen Klostergründungen der Merowinger- und Karolingerzeit weisen wie bei den Männern auf die enge Verbindung von asketischem Leben und den Bestrebungen der Oberschicht hin, religiöse und kulturelle Zentren zu schaffen.

Im Hochmittelalter wurde die Frauenfrage noch brennender. Für die unzähligen Frauen, welche sich vom armen apostolischen Leben begeistern liessen und den Reformorden zuströmten, fehlten sowohl genügend Klöster wie auch der Wille der Orden (Zisterzienser, Bettelorden) zur seelsorgerlichen Betreuung dieser Massen. Viele dieser religiösen Frauen, Beginen genannt, lebten dann vorwiegend in Städten in zahlreichen kleinen Gemeinschaften

Orden nach der Reformation

Die Reformation brachte die Klöster in schwere Bedrängnis. Was innerer Zerfall nicht schon selbst bewirkt hatte, wurde in vielen Teilen Europas gewaltsam beseitigt. Die Klosterlandschaft verarmte in dramatischer Weise. Die tridentinische Kirchenreform versuchte klare Grundlinien zu finden. Sie band die Klöster wieder stärker in die Kirche ein, forderte die Armut und drängte etwas einseitig die Frauen in die Klausur und machte sie stark von den Männern abhängig. Das hinderte jedoch Frauen wie die Karmelitin Theresia von Avila nicht, ein grosses Reformwerk durchzuführen.

Die wachsenden Bedürfnisse in Wissenschaft, Bildung, Sozialcaritas und Mission, die aufgrund der protestantischen Herausforderung deutlicher wahrgenommen wurden, konnten in überraschend kreativer Weise mit dem asketischen religiösen Leben in Einklang gebracht werden. Ignatius von Loyola gründete den Jesuitenorden mit straffer zentraler Leitung. Die Jesuiten stellten während Jahrhunderten das führende intellektuelle Potential der Kirche dar. Für die Seelsorge am Kirchenvolk bedeutungsvoll waren die Kapuziner, Redemptoristen, Salesianer Don Boscos, Schulbrüder u.a., wobei das Aktionsfeld immer breiter wurde. So zeigte sich ein waches Problembewusstsein in der Kirche für die Nöte der Zeit. Die alten monastischen Orden begannen sich im Barockzeitalter vor allem in kultureller Hinsicht (Klosterbauten, Bibliotheken, Landwirtschaft, Schulen) zu profilieren. Die Frauen fanden - teilweise gegen grosse Widerstände - ein riesiges Betätigungsfeld in Erziehung sowie Armen- und Krankenpflege (Englische Fräulein; Ursulinen, Vinzentinerinnen u. a.).

Eine ganz neue Ära brach nach der Französischen Revolution und ihren Folgen, welche die Kirche und das Ordensleben ungemein stark schädigten, an. Die meisten Orden fanden zu neuer Blüte. Einen starken Impuls erhielt die Arbeit in den Missionen. Am eindrucksvollsten ist der Aufbruch der Frauen. Eine grosse Zahl von Kongregationen entstand, welche sich ganz einem apostolischen Leben in der Weit widmeten. In der Schweiz sind die Gründungen von Baldegg, Ingenbohl und Menzingen zu erwähnen. Der Katholizismus gab sich weithin eine weibliche Erscheinungsform bei den aktiv tätigen Orden

Neuansätze im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert ist das Bild einerseits von der tiefgreifenden Krise der meisten traditionellen Orden und andrerseits von einem vielfältigen Aufbruch der Säkularinstitute geprägt. Die Mitglieder solcher Gemeinschaften bleiben oft als Einzelne in der Welt und üben ihren Beruf aus. Sie ]eben die evangelischen Räte ohne den Rahmen eines Klosters und versuchen als bewusste ChristInnen unter den Menschen Christus präsent zu machen. Die Spiritualität wird in starkem Mass von der charismatischen Gestalt des Gründers/in vorgeben. Bekannteste Säkularinstitute sind die Kleinen Schwestern und Brüder Jesu (Charles de Foucault), Schönstattbewegung (P. Kentenich), Focolare (Chiara Lubich). Eine stark in der Ökumene engagierte Gemeinschaft baute der Schweizer Protestant Roger Schutz in Taizé auf, die vor allem für Jugendliche zu einem Hoffnungsträger wurde.

P. Dr. Gregor Jäggi OSB, Kloster Einsiedeln


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