Schweiz

Zulassung von Exit in Heimen: Basler Kirchen setzen auf «Palliative Care»

Basel, 29.4.15 (kath.ch) Sterbehilfeorganisationen sollen im Kanton Basel Zugang zu allen öffentlich unterstützten Spitälern und Alters- und Pflegeheimen erhalten. Dies hat das baselstädtische Parlament vergangene Woche entschieden. Die Basler Kirchen kritisieren diesen politischen Entscheid nicht, wie aus einer gemeinsamen Stellungnahme der Evangelisch-reformierten Kirche und der Römisch-katholischen Kirche vom Mittwoch, 29. April, hervorgeht. Sie setzen jedoch auf die Alternative «Palliative Care».

Sowohl unter den Befürwortern wie den Gegnern des Vorstosses von FDP-Grossrat Luca Urgese, der vom Parlament überwiesen worden ist, befänden sich Mitglieder beider Kirchen, heisst es in der Stellungnahme weiter. Die Kirchen wüssten sich «somit in der parlamentarisch-demokratischen Diskussion vertreten und vertrauen darauf, dass sich ihre Mitglieder nach bestem Wissen und Gewissen und in der Grundgewissheit ihres christlichen Glaubens, wonach das Leben ein Geschenk Gottes ist, eine Meinung gebildet haben und diese in der Debatte vertreten».

Heimleitungen sollen klar kommunizieren

Die Kirchen unterstreichen, die Sorgfaltspflicht gegenüber Menschen mit Sterbewunsch müsse von den Sterbehilfeorganisationen und den Spitälern gleichermassen wahrgenommen werden. Überall seien jedoch in erster Linie die Klinik- und Heimleitungen aufgefordert, die jeweils eigene Haltung zum Thema differenziert zu reflektieren und klar zu kommunizieren.

Im Falle von Alters- und Pflegeheimen wie auch Sterbehospizen werde es in der Frage der Sterbehilfe kaum zu Differenzen zwischen Bewohnern und der Heimleitung kommen, sofern die Bewohner über die Haltung des betreffenden Heimes informiert seien und dieses möglicherweise gerade wegen seiner Einstellung gewählt haben, sind die Kirchen überzeugt. Bei den Akutspitälern und Reha-Kliniken könne es «in extremis» zur Kollision zwischen Freiheitsrechten des Patienten und der Haltung der Institution kommen.

Kirchen wollen sich bei Umsetzung der Motion einbringen

Nach der Annahme des Vorstosses muss die Basler Regierung einen Vorschlag ausarbeiten, der den Zugang von Sterbehilfeorganisationen zu den Spitälern und Heimen regelt. Die beiden Kirchen kündigen nun an, sich bei der anstehenden Umsetzung der Motion zu äussern und einzubringen. Sie betonen jedoch, man wolle «überzeugter als auf Sterbehilfe, wie sie ‘Exit’ und andere Organisationen anbieten», auf die Alternative «Palliative Care» setzen. Mehrere Arbeitsgruppen befassten sich mit dem Thema «Palliative Care und Christliche Veranwortung».

Heimverbände wie der Verband der Basler Alterspflegeheime (VAP) und der Dachverband der Alters- und Pflegeheime Curaviva Schweiz äusserten sich vergangene Woche kritisch zum Entscheid des Basler Parlaments. (bal)

Wenn das Leben dem Ende entgegengeht | © Roger Wehrli
29. April 2015 | 18:11
Teilen Sie diesen Artikel!