Bussakt der Schweizer Bischöfe zu Missbrauch-Skandalen | © Sylvia Stam
Schweiz
Bussakt der Schweizer Bischöfe zu Missbrauch-Skandalen | © Sylvia Stam

Zitat: «Ich warne die Kirchenleute davor, in ernsthaften Fällen selbstständig Abklärungen zu treffen»

Zürich, 7.1.18 (kath.ch) «Ich warne die Kirchenleute mit Nachdruck davor, in ernsthaften Fällen selbstständig Abklärungen zu treffen. Die Vertreter der Kirche, die solche Untersuchungen führen, sind zwar im Kirchenrecht gut ausgebildet, das macht sie aber nicht zu kompetenten Ermittlern. Es beginnt allein schon damit, dass sie oft nicht verstehen, wann ein Verdachtsfall ein Offizialdelikt ist, der Staat also untersuchen muss.»

Elmar Tremp, Staatsanwalt im Kanton St. Gallen und Mitglied des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» der Schweizer ­Bischofskonferenz, weist im Interview mit der «Sonntags-Zeitung» darauf hin, dass von Seiten der katholischen Kirche in den letzten Jahren sehr viel unternommen worden sei, um Fälle von sexuellem Missbrauch durch Vertreter der Kirche aufzuklären. Tremp sieht aber ein Problem darin, dass bei Verdachtsfällen zuerst kirchenintern gehandelt und nicht in jedem Fall die staatliche Justiz einbezogen wird. Dies könne zur Folge haben, dass so bis zu strafrechtlichen Ermittlungen viel Zeit vergehe oder allfällige weitere Übergriffe nicht bekannt würden. Tremp sagt denn auch, dass beim Thema sexuelle Übergriffe «in der Kirche auch heute noch nicht alle wirklich den Ernst der Lage erkannt haben».

In einem Artikel in der gleichen Zeitung legt die Journalistin Catherine Boss dar, dass zahlreiche von der Kirche intern untersuchten Fälle sexueller Übergriffe nicht der Polizei gemeldet würden. In einem Kommentar fordert sie die Verantwortlichen in der Kirchenleitung dazu auf, nicht nur Zahlen zu nennen, sondern zusammen mit den staatlichen Strafverfolgern neue Wege zu suchen, um Anschuldigungen und Verdachtsfälle aufzuklären, ohne die Opfer zusätzlich zu belasten. (ms)

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