«Eine Burka ist wie ein volltätowiertes Gesicht»

Zürich, 5.10.16 (kath.ch) Die Burka-Debatte ist noch nicht vorüber. Das Zürcher Institut für interreligiösen Dialog (ZIID) nahm am 4. Oktober Stellung und sagt entschieden Nein zum Burka-Verbot. Die Debatte zeigt lediglich, dass unsere Gesellschaft dialogunfähig ist, so das ZIID.

Francesca Trento

Einerseits lehnt das ZIID das Burka-Verbot ab. Andererseits sagt es nicht Ja zur Burka. Diese Ambivalenz sei jedoch dem Burka-Phänomen gleichzusetzen, meint Samuel Behloul, Fachleiter Christentum beim ZIID, gegenüber kath.ch. Einerseits argumentierten die Befürworter des Verbots mit einer liberalen Gesellschaft und andererseits sollte eben diese Liberalität Toleranz gegenüber einer Minderheit zeigen. «Es ist ein Schein-Phänomen, das dazu verwendet wird, um gegen den Islam zu schiessen», so Belhoul weiter.

Dialog, nicht Verbot

Ihn befremde eine Burka-Trägerin ebenso wie ein Mann mit volltättowiertem Gesicht. Das heisse jedoch nicht, dass er eines verbieten dürfe. «Wir, das ZIID, wollen eine dialogfähige Gesellschaft schaffen. Daher müsste man auch mit diesen Frauen reden, sie zum Beispiel fragen, was sie dazu motiviert, einen Schleier zu tragen.» Es sei wichtig, einen Dialog zu schaffen. Ein Verbot hingegen lasse diesen nicht zu.

Natürlich diene es dem Dialog zwischen Menschen, können sie deren Gesicht sehen. Im Dialog sei Mimik und Augenkontakt wichtig, so Belhoul. «Aber wir können doch niemanden zum Kommunizieren zwingen. Wenn ich durch die Strasse laufe, schauen mir doch nicht alle in die Augen oder sind bereit, mit mir zu reden», so Belhoul weiter. Dialog sei ein Lernprozess, für den sich das ZIID einsetze. Und nicht erst seit der Burka-Debatte, so Belhoul.

Angriff auf eine Minderheit einer Minderheit

Laut Medienmitteilung des ZIID’s lehnen die Verfasser das Verbot ab, weil sie «gegen eine reine Symbolpolitik sind, die aus purem Opportunismus kaum existierende Problem aufbauscht». Das ZIID sehe hinter dieser Debatte «nur wieder ein Angriff auf eine Minderheit des Islams – der in unserer Gesellschaft schon eine Minderheit ist».

Respekt ist kein Argument

Ebenso sei das Argument, die Frauen dadurch von Unterdrückung zu befreien, paradox, so die Medienmitteilung. Denn auch ein Verbot wäre eine Aufforderung gegen den Willen der Frauen.

Im Tessin wurden die meisten Burka- oder Nikab-Trägerinen nicht gebüsst, sondern legten ihren Schleier entschuldigend ab (kath.ch berichtete am 2. Oktober). Die anderen hätten die Bussen ohne Widerwillen bezahlt. Da sehe man, dass beides eine Art von Respekt gegenüber unserer Kultur ist, so Belhoul. «Wenn sie den Schleier ablegen, respektieren sie uns. Und wenn sie unsere Bussen bezahlen ebenso.» Das Argument des Respekts gegenüber unserer Kultur, zähle da also nicht, da diese Frauen diesen so oder so zeigen, so Belhoul.

«Wir werden nicht islamisiert, eher rechristianisiert»

 

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